Barockkonzert zum Muttertag in der Abteikirche Sayn
Ensemble „Musici di Sayn“ brachte die Zuhörer ins Schwärmen
Bendorf. Das Ensemble „Musici di Sayn“ bot in der Abteikirche Bendorf-Sayn ein Konzert zum Muttertag: Ulrike Friedrich, Traversflöte, Hendrike Steinebach und Veronika Stickel, Violinen, sowie Mizuki Ideue, Violoncello - selbst Mütter - komplettiert durch Andreas Stickel, Trompete und Johannes Geffert am Cembalo, ließen musikalische Schätze des Barock erklingen.
Das diesjährige Frühjahrskonzert eröffneten die Musiker mit der Psalm-Ouverture in G-Dur von Georg Friedrich Händel. Nach den teilweise verspielten und besinnlichen drei Sätzen folgte Georg Philipp Telemanns Sonate in D-Dur für Trompete und Streichinstrumente mit dem bekannten Motiv aus dem 1. Satz, dem Spirituoso. Festlich auch Andreas Stickels Trompete im mit Tempo gespielten frühlingshaften Vivace.
Unterhaltsam und die Zeit des Barocks greifbar machend waren die Anmerkungen von Professor Johannes Geffert, der am Muttertag insbesondere auf die Rolle der Mütter einging, „ohne die es diese Musik nicht gegeben hätte.“ Telemann war gerade vier Jahre alt, als sein Vater starb, und seine Mutter spielte eine besondere Rolle. Wie die meisten Mütter, so Professor Geffert, setzte auch sie auf Sicherheit und hielt nichts vom Musizieren: „Als 12-jähriger hatte Telemann in seiner Vaterstadt eine Oper aufgeführt. Die Mutter aber steckte ihn ins Internat, damit er kein Gaukler werde. Später lebte er ein Doppelleben, um dem Wunsch der Mutter nach einer juristischen Ausbildung gerecht zu werden.“ Auch Carl Stamitz verliert seinen Vater bereits mit 11 Jahren. Stamitz endete verschuldet, als seine Musik nicht mehr gefragt war. Johannes Geffert: „Dass er nicht zu Unrecht wiederentdeckt wurde, zeigt ihnen das Flötenkonzert in G-Dur“, ein besonderes Glanzstück für Ulrike Friedrich auf der Traversflöte. Mit Johann Gottlieb Janitsch präsentierte das Ensemble anschließend einen relativ unbekannten Komponisten, der in der Hofkapelle Friedrich II. spielte. Professor Geffert: „Janitsch übte nachts auf seiner Hausorgel, sodass sich die Nachbarn beschwerten.“ Auch Georg Friedrich Händel verliert mit 12 Jahren seinen Vater. Auch er sollte nach dem Wunsch seiner Mutter „bitte die musikalischen Häuser meiden“ und mit Jura einen sicheren Beruf erlernen. Doch zog es Händel glücklicherweise zur Leichtigkeit der Musik, mit der er mehr und mehr in der Lage war, seine notleidende Mutter zu versorgen. Mit der weltbekannten Suite in D-Dur setzte das Ensemble einen glanzvollen Schlusspunkt. Berührend auch der musikalische Dialog, mal leise, mal laut, zwischen Streichern -Hendrike Steinebach und Veronika Stickel, Violinen sowie Mizuki Ideue, Violoncello - und der Trompete, Andreas Stickel. Das Publikum war begeistert. Als Zugabe spielte das Ensemble die letzten beiden Sätze aus Händels Suite in D-Dur.
Und da das Feiern bei einem Barockfest einfach dazu gehört, wurde zum Abschluss zu einem kleinen Umtrunk in den Kreuzgang eingeladen. Ein unvergessliches Konzert, von dem man einfach mehr möchte. So lädt das Ensemble „Musici di Sayn“ erneut am 25. Oktober, um 17 Uhr und an Silvester um 20 Uhr in die Abteikirche Bendorf-Sayn ein.