Allgemeine Berichte | 01.10.2013

Preisverleihung „Filippas Engel“ im Schloss Sayn

Filippas Wunsch erfüllt sich in den Projekten der Preisträger

Studenten der WHU Otto Beisheim School of Management in Vallendar erhielten den Preis für ihre ehrenamtliche Beratung gemeinnütziger Organisationen. WT

Bendorf-Sayn. Der schöne Festsaal im Schloss Sayn konnte die Preisträger und Ehrengäste der Preisverleihung gerade so fassen. Zum zehnten Mal wurde der Preis der Stiftung „Filippas Engel“ an junge Menschen verliehen, die ein außergewöhnliches Engagement gezeigt haben. Ein kleiner frecher Engel ist die Symbolfigur des Preises. Diesen Engel hatte die 2001 bei einem Autounfall in England verstorbene junge Prinzessin auf dem Innendeckel eines ihrer Tagebücher gezeichnet. „Ich will mit meinem Leben anderen nutzen.“ Filippas Wunsch erfüllt sich in den Projekten der Preisträger. 97 Preise wurden bisher vergeben und mit 182.000 Euro dotiert. Im jetzigen Jubiläumsjahr gehen davon allein 27.000 Euro an sieben Preisträger.

Wie die Mutter Filippas und Stiftungsvorstand, Fürstin Gabriela, in ihrer Begrüßungsrede erläuterte, finanziert sich das Preisgeld durch den Verkauf des Buches und Hörbuches „Filippas Engel“ und durch Sponsoren. Durch die Preisvergabe sei in den vergangenen Jahren ein Netzwerk entstanden. Die Preisträger, mutige Menschen, die christliche Nächstenliebe in besonderer Weise praktizieren, gäben ein Beispiel: „Nur gemeinsam können wir die Welt verbessern.“

Die Fürstin bezeichnete den Münchener Sänger und Songwriter Jacob Brass, der zum zweiten Mal den musikalischen Rahmen der Feier mit gefühlvollen Liedern zur Gitarre gestaltete, als zu Filippa passenden Künstler. Sein Albumtitel „A stubborn child“ zeige, dass er sich nicht verbiegen wolle.

Vorstellung der Preisträger und Projekte

Die Autorin und Moderatorin Heike Boomgaarden stellte in unterhaltsamer Weise die Preisträger und ihre Projekte vor. Einen der mit 1.000 Euro dotierten Ehren- und Förderpreise erhielt die Initiative JUGA. Sie will mit ihrem Projektleiter Mike Delberg dazu beitragen, dass Religion nicht mehr als Vorwand für Terror, Krieg und Gewalt missbraucht wird. JUGA setzt sich deshalb dafür ein, dass Berliner Jugendliche unterschiedlicher Religionen lernen, respektvoll miteinander umzugehen und friedlich zusammenzuleben. Der Name JUGA steht für „jung, gläubig, aktiv“. Junge Muslime, Christen und Juden engagieren sich dabei gemeinsam für mehr Verständnis der Religionen untereinander, für Frieden, Gemeinschaft und Gewaltfreiheit über alle Grenzen hinweg.

Preisträgerin Kristina Vonend

Der gleiche Preis ging auch an Kristina Vonend aus Würzburg. Sie setzt sich seit Jahren für die Vermittlung von Wissen über Honigbienen ein. Sie möchte schon bei Kindern und Jugendlichen das Bewusstsein dafür schärfen, dass diese Tiere aufgrund ihrer Bestäubungsleistung für die Vielfalt in der Natur verantwortlich und unverzichtbar für die Ernährung des Menschen mit Obst und Gemüse sind. Deshalb engagiert sich Kristina Vonend für die gemeinnützige Bildungsplattform HOBOS (HOneyBee Online Studies).

Lena Glemser startete das Projekt „Make a difference“

Einen der Hauptpreise mit der Preisfigur „Filippas Engel“ und 2.500 Euro errang Lena Glemser aus Darmstadt. Sie hat das Projekt „Make a difference“ gestartet, weil sie möchte, dass die Kinder aus dem Waisenhaus St. Moses in Uganda eine gute Schulbildung erhalten, drei Mal am Tag essen können und medizinisch versorgt werden. Hauptziel des Waisenhauses ist es, die oft ausgesetzten oder misshandelten Kinder und Aidswaisen, unabhängig von Glaube und Ethnien, zu ausgebildeten und selbstständigen Persönlichkeiten zu erziehen, den Lebensstandard der Familien- und der Dorfgemeinschaften durch Projekte und Selbsthilfegruppen zu erhöhen und die Kinder anschließend wieder in die Dorfgemeinschaften einzugliedern.

Preis für ein Non-Profit-Projekt

Ebenfalls 2.500 Euro gingen an SAIDIA Consulting. Das ist ein Non-Profit-Projekt von Studenten der WHU Otto Beisheim School of Management in Vallendar, das soziale und karitative Einrichtungen im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Marketing berät. Durch ihre Arbeit wollen sie ihr im Studium erworbenes Wissen und ihre Fähigkeiten gemeinnützigen Organisationen zur Verfügung stellen und so einen Mehrwert für die Gesellschaft schaffen. Vor allem helfen sie bei der Erstellung und Überarbeitung von Online-Auftritten, bei der Ausarbeitung neuer Marketingmaßnahmen, der Erweiterung von Tätigkeitsbereichen und der nachhaltigen Finanzierung von Projekten.

Haupt- und Förderpreise

Die beiden Haupt- und Förderpreise, die die Preisfigur und jeweils 5.000 Euro bedeuten, wurden Kirsten König und Lena Müller verliehen. Kirsten König aus Borken rief mit einigen Mitschülern eine Schulpartnerschaft zwischen dem Landesmusikgymnasium Rheinland-Pfalz und der Kalungu mixed Primary School in Uganda ins Leben. Mit 16 Jahren reiste sie zum ersten Mal nach Uganda und war tief beeindruckt von der Lebensfreude, der Gastfreundschaft und dem tiefen Gottesglauben der Menschen dort. Gleichzeitig lernte sie aber auch die dunklen Seiten des Landes kennen: verheerende Krankheiten und unbeschreibliche Armut. Durch Benefizkonzerte, Sommerfeste, Spendenlauf und Vorträge sammelten die Schüler mehrere Tausend Euro, womit sie der Partnerschule einen 10-Tausend-Liter-Tank für Frischwasser kauften und die Schüler bei der Versorgung mit Essen, Malariaschutz und Schulmaterialien unterstützen. Im Februar 2013 gründete Kirsten König mit Gleichgesinnten den Verein IDELA Uganda e.V., der die rechtliche und finanzielle Vertretung der Schulpartnerschaft übernahm.

Lena Müller aus Bickenbach gründete mit weiteren Kommilitonen Anfang 2010 den Verein DEVELOPmed.aid, um auf die Probleme der medizinischen Versorgung in Entwicklungsländern aufmerksam zu machen und im Speziellen medizinische Behandlung für Kinder aus armen Familien in Burkina Faso zu ermöglichen. Während eines Krankenpflegepraktikums im größten staatlichen Krankenhaus von Burkina Faso musste die Medizinstudentin oft miterleben, dass sich viele Menschen in dem afrikanischen Land keine dringende ärztliche Behandlung leisten können. Mit durchschnittlich weniger als einem Dollar Verdienst pro Tag fehlt vielen Erkrankten und deren Angehörigen das Geld für medizinische Versorgung. Mit der Kinderklinik in Ouagadougou wurde eine Kooperation eingegangen.

„Passau räumt auf“ und „Deggendorf räumt auf“

Zum ersten Mal wurde anlässlich des Jubiläums der „Große Preis Filippas Engel“ mit Preisfigur „Filippas Engel“ und 10.000 Euro verliehen. Da es zwei exakt gleiche Projekte gab, musste dieser Preis geteilt werden. „Passau räumt auf“ und „Deggendorf räumt auf“ sind studentische Initiativen, die nach der großen Flutkatastrophe vom Sommer 2013 den Betroffenen schnelle und unbürokratische Hilfe zukommen ließen. In beiden Städten wurde durch die Studenten die offizielle Koordination ziviler Helfer übernommen. In ihren Koordinierungsstellen sammelten sich die Helfer und wurden direkt zu den Betroffenen geleitet. Beide Gruppen griffen sowohl auf ihre eigenen Kontakte im Umfeld der Universitäten als auch auf soziale Netzwerke zurück. Die Facebook-Seiten „Deggendorf räumt auf“ und „Passau räumt auf“ etablierten sich rasch und wurden für viele Betroffene zur Informationsquelle für Nachrichten aus erster Hand. In Spitzenzeiten verfolgten bis zu einer Million User die Lage vor Ort. Darüber hinaus dienten die Facebook-Seiten auch der unbürokratischen Helferkoordination.

Die Studenten sammelten Hilfsgesuche und Hilfsangebote und baten um dringend benötigte Sachspenden wie Verpflegung und Ausstattung. Die jungen Menschen sorgten zudem dafür, dass an den Koordinationsstellen genügend Werkzeug und Materialien (wie Schaufeln und Gummistiefeln) zur Verfügung standen, dass die vielen Helfer Verpflegung bekamen und Transporte zu den Betroffenen stattfanden. Zusätzlich zur Koordination der zivilen Helfer übernahm das Team die Erfassung und Vermittlung von Notunterkünften sowie später von längerfristigen Unterkünften. Die Sprecherin der Initiative „Deggendorf räumt auf“ fand am bemerkenswertesten, dass angesichts der Katastrophe politische Institutionen zusammenarbeiteten, die das sonst nicht fertig bringen. Sie kündigte an, dass die Studenten das Preisgeld nicht behalten, sondern an bedürftige Flutopfer weitergeben werden. Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein dankte den jungen Leuten dafür, dass „sie möglich machen, was Filippa wünschte.“ Sein Dank ging auch an die Freunde, Förderer und Mitarbeiter der Stiftung und besonders an seine Frau, die mit großer Vision und Einsatz die Stiftung ständig größer gemacht habe und durch die „die Stiftung eine Seele hat“.

Das Fürstenpaar zu Sayn-Wittgenstein dankte allen Beteiligten, die zum Gelingen der Stiftung und Preisverleihung beigetragen haben.

Das Fürstenpaar zu Sayn-Wittgenstein dankte allen Beteiligten, die zum Gelingen der Stiftung und Preisverleihung beigetragen haben.

Studenten der WHU Otto Beisheim School of Management in Vallendar erhielten den Preis für ihre ehrenamtliche Beratung gemeinnütziger Organisationen. Fotos: WT

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