Politik | 17.12.2014

Michael Kessler wurde vor vielen Gästen als Bendorfer Bürgermeister ernannt und vereidigt

Gelbes Trikot für den neuen Stadtchef

Das gelbe Trikot von „Jedem sayn Tal“ hatten (v.l.) Michael Merz und Horst Rasbach dem neuen Stadtchef mitgebracht.

Bendorf. Völlig ungewöhnlich war die in diesem Jahr letzte Bendorfer Stadtratssitzung. Nicht nur, dass sie im evangelischen Gemeindehaus stattfand und zahlreiche Gäste auch aus der Umgebung Bendorfs anwesend waren, sie hatte auch nur einen Tagesordnungspunkt: Ernennung und Vereidigung des neuen Stadtbürgermeisters Michael Kessler.

Eröffnung durch den amtierenden Stadtbürgermeister

Als der noch amtierende Stadtbürgermeister Michael Syré die Ratssitzung wie üblich eröffnete, wies er fast scherzhaft darauf hin, dass die Besucher jede Bei- und Missfallensbekundungen zu unterlassen hätten. Und „gibt es zum Tagesordnungspunkt Wortmeldungen?“ Und wie es die gab, nämlich von den Fraktionsvorsitzenden.

Als erster stieg CDU-Fraktionsvorsitzender Christoph Helling auf die Bühne. Er berichtete aus seiner Kinderzeit von seinem ersten beeindruckenden Kontakt mit einem Bendorfer Stadtbürgermeister, damals war es Dieter Trennhäuser, als er sein Leid über einen Kinderspielplatz mitteilte. „Das ist 30 Jahre her, inzwischen hat sich das Bild von der Arbeit eines Bürgermeisters gewandelt. Damals dachte ich, der sitzt in seinem Ledersessel und hat einen tollen Dienstwagen. Den gibt´s schon lange nicht mehr und der Bürgermeister ist der erste Diener seiner Stadt“, sagte Helling und weiter: „Er muss seine Mitstreiter und politischen Gegner für seine Ideen gewinnen. Deine Freude, so zu gestalten ist, heute schon in der ganzen Stadt bekannt“, wandte er sich an  Michael Kessler, dessen Engagement so stark sei, dass er für viele Dinge, die nicht bis Januar warten konnten, bereits Gespräche führte. „Michael steht nicht in den Startlöchern, er ist schon angelaufen“,  sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende über seinen Parteifreund.

Manfred Bauer, SPD-Fraktionsvorsitzender, wies darauf hin, dass Michael Kessler ja erst am 1. Januar im Amt ist. „Das Miteinander hast Du schon bereits vollzogen. Es ist  ein Novum, dass Du schon in der SPD-Fraktion warst und wir uns von den Vorstellungen des neuen Stadtbürgermeisters ein Bild machen konnten. Und wir sind hoffnungsvoll, dass die Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg auch weiterhin funktioniert“, sagte Manfred Bauer.

Die angepackten Dinge wie Innenstadtsanierung, Rheinhafen, Sportanlagen, alternative Energien und moderne Verwaltung müssten weitergeführt und entwickelt werden. „Wir als SPD-Fraktion bieten konstruktive und ehrliche Zusammenarbeit an. Wir werden nicht immer Ja sagen, die Vorschläge prüfen und dann offen miteinander umgehen für unsere Heimatstadt“, kündigte der SPD-Fraktionsvorsitzende an.

Über Städteplanung und was für die Bürger notwendig und wichtig ist, referierte der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Thomas Beckgerd. Eine Kommune funktioniere nur dann, wenn die Bürger auch selbst zu Dienstleistungen bereit seien: „Wir wünschen, dass es Ihnen gelingen wird, die Bürger unserer lebens- und liebenswerten Stadt dazu zu motivieren. Dafür  versprechen wir unsere vorbehaltlose Unterstützung“, betonte Beckgerd.

Positive Impulse

Von positiven Impulsen für das Erscheinungsbild der Stadt Bendorf sprach FDP-Fraktionsvorsitzender Herbert Speyerer. Er nannte Wochenmarkt,  Weihnachtsmarkt und die Gießhalle, für die es  2,5 Millionen Euro Zuschuss aus einem Bundesprogramm gab. „Wir gehen davon aus, dass es Michael Kessler gelingt, diese Aufbruchstimmung weiter zu entwickeln. Unsere vertrauensvolle Zusammenarbeit können wir zusagen“, unterstrich Speyerer.

Vereidigung von Michael Kessler

Da es keine weiteren Wortmeldungen mehr gab, rief Stadtbürgermeister Michael Syré seinen Nachfolger Michael Kessler auf die Bühne, vereidigte ihn – dabei standen Gäste und Ratsmitglieder – ernannte ihn zum Stadtbürgermeister und überreichte die Ernennungsurkunde zum Wahlbeamten, was ein hauptamtlicher Bürgermeister ja ist. Danach schloss Michael Syré die Stadtratssitzung und es begann ein kleines Programm, denn der Chor der Medardus-Grundschule sang, begleitet von Kindern mit orffschen Instrumenten, einige Lieder. Bevor die Kinder das überfüllte Gemeindehaus verlassen konnten, gab Michel Kessler jedem als Dank eine kleine Tüte mit Süßigkeiten.

Jetzt hatten die Gäste, unter ihnen die beiden Landtagsabgeordneten Josef Dötsch (CDU) und Katharina Raue (Grüne), alle Bürgermeister der benachbarten Städte und Verbandsgemeinden und zahlreiche Vertreter aus Wirtschaft, Institutionen und Vereinen, das Wort. Die beiden Geistlichen Joachim Fey und Dr. Uwe Hein beteten und segneten den neuen Stadtbürgermeister.

Landrat Dr. Alexander Saftig freute sich, dass die kommunale Familie präsent war. Michael Kessler habe in den 30 Jahren als selbstständiger Anwalt und in den 20 Jahren als Ratsmitglied moderieren gelernt, meinte der Landrat: „Was mich aber fasziniert, ist Deine ruhige Art, Du hörst zu, bist aufmerksam im Dialog und stellst die praktische neben die menschliche Seite.“ Michael Kessler hat sich in zweiter Reihe wohlgefühlt und hat die Menschen miteinander verbunden, führte der Landrat aus und weiter: „Wenn Du am 1. Januar das Amt antrittst, stehst Du wirklich in der ersten Reihe.“

Der Vorsitzende der Kreisgruppe Mayen-Koblenz des Gemeinde- und Städtebunds, Georg Hollmann, VG-Bürgermeister in Weißenthurm, hieß Michael Kessler in der Kreisgruppe, in der die hauptamtlichen Ober- und Bürgermeister sowie Beigeordnete vereint sind, willkommen. „Sie treten ein Amt an, das mit großen Herausforderungen verbunden ist, haben aber Möglichkeiten, auf die Entwicklung der Stadt Bendorf positiv Einfluss zu nehmen“, gab Hollmann dem „Neuen“ mit auf den Weg. Ein Bürgermeister brauche das Vertrauen der Bürger und das sei Michael Kessler schon bei der Wahl mit überwältigender Mehrheit entgegengebracht worden: „Ich bin überzeugt, dass Sie dieses Vertrauen rechtfertigen werden“, so Hollmann weiter.

Gelbes Trikot für den neuen Stadtchef

Das gelbe Trikot des alljährlichen Fahrradevents „Jedem sayn Tal“ hatten die VG-Bürgermeister Horst Rasbach (Dierdorf) und Michael Merz (Ransbach-Baumbach) mitgebracht. Die beiden erläuterten ihr Geschenk, das Michael Kessler sofort anziehen musste: „Auf dem Rücken sieht man den Weg, den man fährt. Und wenn man nicht mehr weiter weiß: ausziehen und gucken.“ Dazu gab es noch zwei Radler von Brauereien in Ransbach-Baumbach und Hachenburg.

Das Schlusswort hat immer die Person, die im Mittelpunkt einer solchen Feier steht, also Michael Kessler. Der dankte erstmal allen Rednern, den Grundschulkindern, Gästen und den Bürgern, die ihm dieses Amt ermöglichen. Er freut sich auf die Zusammenarbeit mit den engagierten Mitarbeitern in der Stadtverwaltung, aber: „Diese Verwaltung ist bereit, sich selbst auf den Prüfstand zu stellen, berechtigte Kritik anzunehmen und Mängel abzustellen“, kündigte der neue Stadtbürgermeister an. Deshalb beruft er einen ehrenamtlichen Bürgerbeauftragten, an den sich die Bürger mit Kritik richten können. „Ich freue mich, dass Altbürgermeister Hajo Stuhlträger bereit ist, diese ehrenvolle und anspruchsvolle Aufgabe zu übernehmen“, zeigte Michael Kessler sich begeistert. Schließlich hob er noch die Stärken Bendorfs hervor und appellierte an den Gemeinsinn der Bürger. Bei Wein und Laugenbrezeln klang die Ernennung und Vereidigung des neuen Stadtbürgermeisters aus. Michael Syré wird in einer gesonderten Veranstaltung am Freitag im Bendorfer Rathaus verabschiedet und erhält dann die Entlassurkunde. 

Das gelbe Trikot von „Jedem sayn Tal“ hatten (v.l.) Michael Merz und Horst Rasbach dem neuen Stadtchef mitgebracht.
Gelbes Trikot für den neuen Stadtchef

Zum neuen Bürgermeister der Stadt Bendorf vereidigte Michael Syré seinen Nachfolger Michael Kessler. Fotos: HEP

Das gelbe Trikot von „Jedem sayn Tal“ hatten (v.l.) Michael Merz und Horst Rasbach dem neuen Stadtchef mitgebracht.

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