Die Seilbahn darf laut UNESCO bis 2026 in Betrieb sein – Tage zuvor hatten ca. 3000 Bürger für den Erhalt demonstriert
Große Freude in Koblenz: Seilbahn bleibt
Koblenz/Phnom Penh. Große Freude in Koblenz, denn die bei den Bürgern so beliebte Seilbahn darf bis 2026 in Betrieb sein und auch der Titel Welterbe bleibt dem Oberen Mittelrheintal erhalten. Das beschloss das UNESCO-Welterbekomitee bei seiner Sitzung im kambodschanischen Phnom Penh. Die deutsche Delegation mit dem deutschen UNESCO-Botschafter Dr. Michael Worbs, Kulturstaatssekretär Walter Schumacher und dem Vorsitzenden des Zweckverbands Welterbe Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal Bertram Fleck versprach dem Komitee, dass die Seilbahn zum Ende der Betriebsdauer abgebaut wird. Das International Council on Monuments and Sites (ICOMOS), das das Welterbe-Komitee berät, hatte zuvor entweder den Abbau der Seilbahn bis zum nächsten Jahr oder die Aberkennung des Welterbetitels für das Obere Mittelrheintal gefordert. Dem folgte das UNESCO-Komitee nicht. „Die UNESCO hat mit dem Ja für die Seilbahn eine goldrichtige Entscheidung getroffen“, sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz. Die Nachricht aus Kambodscha sei gut für die Stadt und die gesamte Region. Mit der Betriebserlaubnis bis 2026 habe die rheinland-pfälzische Delegation um Kulturstaatssekretär Walter Schumacher beim Welterbekomitee sogar noch mehr erreicht, als von der Stadt Koblenz vorgeschlagen wurde.
Demo in Koblenz
„Die Koblenzer und die vielen Touristen haben sich mit Erfolg für die Seilbahn ausgesprochen“, betonte der Innenminister, der Tage zuvor bei einer Demonstration in Koblenz für die Seilbahn geworben hatte. Dabei sprachen sich etwa 3000 Bürger mit Schildern und Spruchbändern an der Talstation der Seilbahn für deren Erhalt aus. Die Bürger und ihre prominenten Redner wandten sich gegen den Vorschlag von ICOMOS und setzten ein Zeichen, das offensichtlich vom Welterbekomitee gesehen wurde. Dazu trugen wohl auch die 105.000 Unterschriften für den Erhalt der Seilbahn bei. Aufgerufen zu dieser Pro-Demo hatten die Freunde der BUGA und der Koblenzer Kreisverband des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA). Bei der Demo erklärte Roger Lewentz: „Das ist Bürgerwille, der hier kundgetan wird und das wird man auch bei der UNESCO hören.“ Der Innenminister hatte auch beobachtet, wie sehr die Menschen die Seilbahn mögen: „Keiner kann sich mehr vorstellen, dass die Seilbahn wegkommt. Die Festung, ganz Koblenz, die Region und das Welterbe profitieren von der Seilbahn und das ist eine positive Bilanz, die man anerkennen muss. Für die Landesregierung gibt es keinen Widerspruch zwischen Weltkulturerbe und Seilbahn, die zwei großartige Kulturangebote miteinander verbindet. Die Seilbahn macht den Menschen Freude und die soll man den Menschen absolut lassen“, forderte er bei der Demo. Die Landesregierung sei stolz auf das Weltkulturerbe und habe dafür 400 Millionen Euro bewilligt.
Freude bei Oberbürgermeister Dr. Hofmann-Göttig war groß
„Es ist ein herausragendes Ergebnis, mit dem nach der negativen Beschlussvorlage auf Basis des Gutachtens der Denkmalschutzorganisation ICOMOS nicht zu rechnen war“, schrieb der Koblenzer Oberbürgermeister Dr. Joachim Hofmann-Göttig voller Freude und weiter: „Über die UNESCO-Entscheidung bin ich sehr glücklich. Das Maximum dessen, was möglich war, wurde herausgeholt und damit das Beste für die Seilbahn und für das Welterbe Oberes Mittelrheintal. Uns bleibt nun eine der größten Attraktionen der Stadt langfristig erhalten, die mit der Seilbahn noch ein Stück mehr zusammenrückt.“ Der Oberbürgermeister dankte der deutschen Delegation in Phnom für ihr Verhandlungsgeschick aber auch Stadtrat, Landtag und Bund, die sich voll hinter den Erhalt der Seilbahn gestellt hatten. „Bei allem Verhandlungsgeschick vor dem Welterbe-Komitee, dürfen wir nicht vergessen, dass sicher auch das große bürgerliche Engagement hier in Koblenz einen Anteil am so positiven Endergebnis haben dürfte. Allen voran gilt hier ein herzliches Dankeschön den Freunden der Bundesgartenschau mit ihrer sagenhaften Sammlung von mehr als 105.000 Unterschriften für die Seilbahn.“, so Oberbürgermeister Hofmann-Göttig weiter. „Die Seilbahn stört nicht das Weltkulturerbe, im Gegenteil, sie stellt das Weltkulturerbe deutlich heraus“, hatte der Oberbürgermeister bereits bei der Demonstration betont, „Weltkulturerbe heißt nicht, wir machen aus der Landschaft ein Museum, sondern das heißt sensibler Umgang mit der Natur und das mit Stolz präsentieren, was wir haben.“ Der Stadtchef erinnerte an einen Besuch des niederländischen UNESCO-Gutachters De Jong, der die Frage stellte, wie präsentiert ihr die Monumente, wenn sie Welterbestatus haben? Er unterstrich, dass die Kosten für den Denkmalschutz sich dann legitimieren lassen, wenn die Menschen auch zu den Denkmälern kommen. „Im Welterbegebiet Oberes Mittelrheintal gibt es 40 Monumente von der die Festung Ehrenbreitstein das bedeutendste ist“, führte Dr. Hofmann-Göttig aus, „durch die Seilbahn ist die Festung Teil unserer Identität geworden. Die alte Trennung gibt es nicht mehr, wir sind jetzt eine Stadt. Im vergangenen Jahr kamen 450 000 Besucher auf die Festung, was ein klares Signal ist, denn diese Menschen kamen überwiegend mit der Seilbahn, die ökologisch und spektakulär ist und deshalb muss sie bleiben“, forderte der Oberbürgermeister. Er blickte bei der Demo auch zurück auf pro und kontra der Seilbahn und ob sie Baurecht bekommt. „Ich habe damals gesagt, wir machen sie für drei Jahre, denn ohne Seilbahn hätte es auch keine so erfolgreiche Bundesgartenschau gegeben. Doch ist die Seilbahn kein notwendiges Instrument für die BUGA, sondern auch für die Zeit danach“, führte Dr. Hofmann-Göttig aus. Der Vorsitzende des DEHOGA-Kreisverbandes Joachim Mehlhorn (Chef von Diehl’s Hotel in Ehrenbreitstein) unterstrich, dass die Seilbahn ein wichtiges Steinchen von Koblenz ist und wenn das fehlt, sei Koblenz nicht mehr komplett. „Außerdem haben wir mit der Seilbahn ein tolles Objekt, das zeigt, dass Tourismus auch ohne viel Geld funktioniert, denn die Seilbahn finanziert sich selbst.
Die Seilbahn gehört zum Welterbe
Von der Seilbahn sind auch Kunst und Kultur abhängig, denn was wäre auf der Festung ein ewiger Soldat ohne Publikum?“ fragte er. Der Mitorganisator der Demonstration Hans-Dieter Gassen, Vorsitzender der Freunde der BUGA, und seine 900 Vereinsmitglieder, die die Unterschriften gesammelt hatten, rief unter dem Beifall der Zuhörer aus: „Diese Demonstranten sagen dem Komitee mit dem Herzen: Diese Seilbahn gehört zum Welterbe und sie passt in diese herrliche Landschaftskulisse.“ Er geißelte die Aussagen einiger „kluger Leute“, dass man mit Salamitaktik den Denkmal- und Landschaftsschutz aushebeln wollte: „Die zeitlich befristete Lösung war die einzige, um die Seilbahn pünktlich zum Beginn der BUGA in Betrieb zu haben. Viele BUGA-Besucher sagten, die Seilbahnfahrt war ihr emotionalstes Erlebnis“, berichtete Gassen, der dann auf die Geschichte und die Verträge mit der Betreiberfirma Doppelmayr zurückblickte.
Dass er es schnell geschafft hat einmal mit jeder Seilbahngondel zu fahren versicherte der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Bertram Weirich und betonte, wie wichtig die Seilbahn, der Titel Welterbe und der daraus resultierende Tourismus für die Wirtschaft der Stadt und der Region ist. „Für die Wirtschaft gibt es nicht die Frage entweder Seilbahn oder Welterbe, sondern nur beides gemeinsam. Wir haben gute Argumente für die Seilbahn und hoffen, dass wir sie noch viele Jahre erleben dürfen“, schloss Weirich seine Ausführungen, ohne zu ahnen, wie Recht er damit hatte. Jedenfalls überschlugen sich nach dem Ja zur Seilbahn die Stellungnahmen und Glückwünsche der Mandatsträger und Protagonisten. So berichtete der Oberbürgermeister auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz schon von vielen Glückwünschen und Dankesworten, die bei der Stadt schon kurz nach der Komitee-Entscheidung eingetroffen waren. So auch vom Seilbahnbetreiber, der Firma Doppelmayr, die sich nun auf eine lange und gute Zusammenarbeit mit der Stadt freut. „Die Bereitschaft der Firma Doppelmayr zu eigenem wirtschaftlichem Risiko, ohne öffentliche Zuschüsse, die Seilbahn 2
plus 10 Jahre weiter zu betreiben, brachte voriges Jahr den Durchbruch für die Verwirklichung unseres Traumes auf Erhaltung der Seilbahn“, unterstrich Hofmann-Göttig auf der Pressekonferenz.
