Rolf Schäfer ist seit 100 Tagen ehrenamtlicher Beigeordneter im Landkreis Mayen-Koblenz - eine erste Bilanz:
„Ich halte die Förderung kommunaler Kooperation für ein dringendes Gebot“
Blick aktuell: Herr Schäfer, Sie sind seit ca. 100 Tagen ehrenamtlicher Beigeordneter im Landkreis Mayen-Koblenz. Was genau zählt zu Ihren Aufgaben?
Schäfer: Im Wesentlichen sind es meine Mitarbeit im Kreisvorstand und repräsentative Aufgaben.
Blick aktuell: Wie sind Ihre ersten Eindrücke? Wie ist der Landkreis strukturell aufgestellt?
Schäfer: Der Landkreis bietet eine einzigartige Kulturlandschaft, die auch erfolgreich in Wert gesetzt wird. Die steigenden touristischen Kennzahlen sprechen für sich. Wir haben eine Fülle von Gemeinden und Städten im Landkreis, deren Spitzen ihre Chancen mit hohem Engagement zum Vorteil der Region zu nutzen wissen. Jüngstes Beispiel: „Rock am Ring“. Die Wirtschaftsstruktur wird insbesondere von vielen Familienunternehmen getragen. Arbeitsplätze, Familienfreundlichkeit, Bildung und Ausbildung und andere Angebote mehr gewährleisten, dass der Landkreis insgesamt die demografische Entwicklung nicht zu fürchten braucht.
Blick aktuell: Eine ganz wichtige Aufgabe ist sicherlich die offizielle Vertretung des Landrates und somit des Landkreises auf Terminen und Veranstaltungen. Wie sieht hier die Abstimmung mit dem Kreischef und den anderen Beigeordneten aus?
Schäfer: Die Zusammenarbeit in der Kreisspitze kann ich nur als hervorragend und ausdrücklich kollegial beschreiben. Ich bin vom ersten Tag in der Kreisspitze sehr gut aufgenommen und in das Kreisgeschehen eingebunden worden. Termine werden wie Sachthemen eng untereinander abgestimmt.
Blick aktuell: Wie würden Sie die Zusammenarbeit mit dem Landrat beschreiben?
Schäfer: Der Landrat versteht es, sowohl Kreisspitze als auch Politik in das Kreisgeschehen einzubinden. Der Landrat ist nach meiner Wahrnehmung ein ausgesprochener „Teamspieler“. In den „Jour fix“-Terminen jeden Montagmorgen im Kreisvorstand werden alle Belange, Vorlagen etc. offen angesprochen. In die Meinungs- und Willensfindung sind insoweit die Beigeordneten eng eingebunden.
Blick aktuell: Im Hauptberuf sind Sie Projektleiter in der Projektentwicklungsstelle beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Westerwald-Osteifel mit Dienstsitz in Mayen. Kommunalpolitisch sind Sie in Mayen Vorsitzender der SPD, waren dort lange SPD Fraktionsvorsitzender und sind Stadtratsmitglied. Profitieren Sie von Ihrer beruflichen und auch kommunalpolitischen Erfahrung in Ihrer jetzigen Position im Kreisvorstand?
Schäfer: Auf jeden Fall profitieren meine unterschiedlichen Tätigkeiten voneinander. Der Landkreis ist vom ländlichen Raum sehr geprägt. Meine dienstlichen Aufgaben sind mit der Förderung des Ländlichen Raumes, mit der Förderung der Landentwicklung zu beschreiben. Insoweit kann ich mich mit dieser Kompetenz in die Kreispolitik sehr gut einbringen. Das gilt selbstverständlich auch für mein ehrenamtliches kommunalpolitisches Engagement. Die gewonnenen Erfahrungen sind mir ebenfalls bei der Bewältigung der Kreisaufgaben dienlich.
Blick aktuell: Wie vereinbaren Sie Ihren Beruf, Ihre Kreisbeigeordneten-Funktion und auch Ihre politischen Aktivitäten? Haben Sie überhaupt noch Freizeit? Zeit für die Familie?
Schäfer: Meine parteipolitischen Aufgaben sind endlich. Ich habe mich bereits vor gut einem Jahr entschlossen, mich dort etwas zurück zu nehmen. Den Fraktionsvorsitz habe ich abgegeben und den Parteivorsitz werde ich im April nächsten Jahres abgeben. Das fällt mir deshalb auch etwas leichter, weil wir personell in der Mayener Partei gut aufgestellt sind und die mir bisher anvertrauten Aufgaben in sehr qualifizierte Hände übergehen bzw. bereits übergegangen sind. Ab Frühjahr nächsten Jahres werde ich insoweit etwas mehr Zeit für die Familie und mein von mir geschätztes übriges soziales Umfeld haben. Beides kam in der Tat in den letzten zwei Jahrzehnten etwas zu kurz. In meinem Beruf ist es so, dass ich auf Leitungsebene in ein sehr gutes Team eingebunden bin. Die Arbeitsabläufe selbst, deren Effizienz und das kollegiale Miteinander, geben mir Raum für die politische Arbeit oder verschaffen mir im Zeitmanagement dahin gehend Vorteile. Es hilft mir natürlich auch, dass ich beruflich viele Abendtermine habe und meine Dienstzeit flexibel gestalten kann.
Blick aktuell: Herr Schäfer, was war die wichtigste Entscheidung, die Sie in den vergangenen 100 Tagen getroffen haben?
Schäfer: Zunächst war es die Entscheidung, die mir von der SPD-Kreistagsfraktion und insbesondere vom Fraktionsvorsitzenden Achim Hütten angetragen wurde. Gerade Achim Hütten hat mich mit Erfolg davon überzeugt, dass ich meine Erfahrung noch ein paar Jahre ins Kreisgeschehen einbringen sollte, so sein Originalton. Zu meiner Lebensplanung passte das zunächst nicht. Jetzt habe ich es passend gemacht und ich denke, es ist gut so.
Darüber hinaus waren es einige Entscheidungen auf städtischer Ebene, in die ich mich habe einbringen können. Beim Thema Steuern, beim Sparen im Haushalt und oder in der Beigeordnetenfrage. Es war gut, dass wir in der Stadtpolitik Kante gezeigt haben, statt einer herbei geredeten „Mehrheitsmeinung“ einfach nachzugeben. In der Politik muss man auch Entscheidungen treffen können, die bei grober Draufsicht unbequem sind. Es kommt immer darauf an, Entscheidungen, bevor man sie trifft, zu Ende zu denken. Manchmal ist das Ergebnis schwer zu vermitteln, aber auch das ist Aufgabe der Politik.
Blick aktuell: Mit der Übernahme dieser ehrenamtlichen Funktion werden viele Erwartungen an Sie gestellt. Nicht alle Erwartungen werden zu erfüllen sein. Wie gehen Sie diesbezüglich mit Kritik um?
Schäfer: Ich habe wie bereits beschrieben ein sehr intaktes und von mir geschätztes soziales Umfeld. Selbstverständlich wird dort auch über Politik oder Politiker diskutiert bzw. muss ich mich selbst der Kritik stellen. Jüngste Entscheidungen der Stadtpolitik etwa, waren von dem ein oder anderen in meinem Umfeld schwer zu verstehen. Meine Klarstellungen haben aber dann zur Nachvollziehbarkeit der jeweiligen Entscheidungen beitragen können. Ich schätze konstruktive Kritik sehr. Wie könnten wir uns entwickeln, wenn wir uns nicht selbst oder unser Handeln hin und wieder infrage stellen würden oder vom Gegenüber infrage gestellt würde. Womit ich stets meine Schwierigkeiten habe, ist leichtsinniges oder gelegentlich auch bösartiges daher „Geplapper“, ohne fachlichen oder sachlichen Hintergrund.
Blick aktuell: Wie würden Sie den Landkreis Mayen-Koblenz beschreiben, wenn Sie jemand fragt, was ihn von anderen unterscheidet?
Schäfer: Die einzigartige Kulturlandschaft habe ich bereits beschrieben. Die vielen Premiumwanderwege, große zusammenhängende Waldflächen, die vielen Gewässer, die Steillagen an der Untermosel, die Zeugnisse des Vulkanismus und andere Dinge mehr beschreiben eine Region, in der es sich gut leben lässt. Die Sicherung der Bildungsangebote, die Betreuungsmöglichkeiten für Kinder, qualifizierte Arbeitsplätze, die Teilhabe von Menschen mit Behinderung und nicht zuletzt die Wirtschaftskraft insgesamt stehen für einen Landkreis, der zukunftsfähig ist, in dem sich junge Familien wohlfühlen können. Der Landkreis stellt sich erfolgreich, auch im bundesweiten Vergleich, gegen die demografische Entwicklung. Das belegt die Alleinstellungsmerkmale des Landkreises. Mich würden keine 10 Pferde von hier wegbringen.
Blick aktuell: Welche Schwerpunkte wollen Sie in Ihrer zukünftigen Arbeit setzen und welche Impulse möchten Sie geben?
Schäfer: Ich sehe, auch aufgrund meiner dienstlichen Tätigkeit, die Notwendigkeit, dass die Kommunen sehr viel mehr noch als bisher zusammenarbeiten könnten und müssten. Im Interesse der uns anvertrauten Finanzen, aber auch im Interesse eines bürgernahen, auf bürgerschaftliche Teilhabe setzenden Dienstleistungsangebotes, halte ich die Förderung kommunaler Kooperation und Zusammenarbeit für ein dringendes Gebot. Der Landkreis könnte hierbei eine Schlüsselrolle übernehmen. Daran würde ich sehr gerne in den nächsten Jahren mitarbeiten.
Blick aktuell: Was motiviert Sie?
Schäfer: Mir gibt sehr viel Kraft, dass mir Menschen vertrauen und etwas zutrauen. Die Unmittelbarkeit der Kommunalpolitik, die Problemstellungen und schließlich das Gefühl etwas bewirken zu können, tun ihr Übriges.
Blick aktuell: Zum Schluss noch eine Frage ganz auf Ihre Heimatstadt bezogen. Mayen steckt in einer finanziell sehr schwierigen Situation. Können Ihnen die Einblicke, die Sie nun auf Kreisebene erhalten, helfen, die Stadt Mayen aus dieser Krise gemeinsam mit dem Stadtrat und dem OB zu steuern?
Schäfer: Selbstverständlich bin und bleibe ich Mayener. Ich sehe zwar die Interessen der Region und bringe mich dahin gehend in die Kreispolitik ein. Ich bin aber auch sicher, dass ich in puncto Finanzlage und übriger städtischer Interessen als Kreisbeigeordneter zumindest die Möglichkeit habe, die Belange der Stadt zu transportieren, um die ein oder andere städtische Entscheidung nachvollziehbarer zu machen. Die Probleme wirklich lösen können aber nur Rat und Oberbürgermeister gemeinsam. Mit einem „schwarze Peter-Spiel“: böser Rat und guter Oberbürgermeister geht das nicht. Wie das Zusammenspiel kommunaler Teilorgane positiv gestaltet werden kann, zeigen z.B. Alexander Saftig und Achim Hütten. Ich könnte weitere Beispiele nennen. Jedenfalls gibt es gegenwärtig eine gute Grundlage in Mayen, die es so in den letzten 20 Jahren nicht gegeben hat. Die großen Parteien arbeiten bereits seit geraumer Zeit auf Sachebene gut zusammen. Schwierige Entscheidungen bedürfen „breiter Schultern“, die in Mayen gerade jetzt vorhanden sind. Die damit verbundene Chance gilt es zu nutzen, dann schafft Mayen aus eigener Kraft jede „Klippe“.
Blick aktuell: Herr Schäfer, wir danken Ihnen für das Gespräch!
(Das Gespräch führte Ute Weiner)
Rolf Schäfer ist seit 100 Tagen ehrenamtlicher Beigeordneter im Landkreis Mayen-Koblenz. Ein Grund, für „BLICK aktuell - die Heimatzeitung“ mit dem Kommunalpolitiker aus Mayen ein Gespräch zu führen.
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