Katholische Arbeitnehmer-Bewegung Engers-Mülhofen
„Krieg im Namen Gottes“
Engers-Mülhofen. Mehr als vierzig Frauen und Männer konnte der Vorsitzende des Ortsverbandes der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung Engers-Mülhofen, Günther Salz, zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung über die Frage „Krieg im Namen Gottes?“ begrüßen.
Referent des Abends war Pfarrer Johannes Stein, der seit vielen Jahren im christlich-islamischen Dialog engagiert und zurzeit Bundespräses der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung Deutschlands ist. Die Frage nach dem Gewalt- und dem Friedenspotenzial der drei so genannten abrahamitischen Religionen, dem Judentum, dem Christentum und dem Islam, bearbeitete Pfarrer Stein mithilfe eines analytischen und historischen Spannungsbogens, der von den Gründerzeiten der drei Religionen bis heute reichte.
Zunächst klärte er, was eine Religion ausmacht: Nämlich eine Gemeinschaft von Glaubenden, die sich in ihrer Haltung und ihren Verhaltensweisen an einem Gott orientieren, sich zu ihm bekennen und ihn auf eine bestimmte Weise verehren.
Gemeinsam sei den drei abrahamitischen Religionen, dass sie an einen einzigen Gott glauben. Sie bildeten jedoch unterschiedlich akzentuierte Leitbilder aus: Das Judentum die Gerechtigkeit, das Christentum die Liebe und der Islam die Barmherzigkeit. Darüber hinaus beurteilten sie die Person Jesu bezüglich seiner Gottes-Eigenschaft unterschiedlich.
Bei allem müsse man bedenken, so Pfarrer Stein, dass alle Religions- beziehungsweise Gottesbegriffe historisch und gesellschaftlich vermittelt seien und im Kontext aufeinander folgender Geschichtsepochen immer wieder Neuinterpretationen unterworfen wurden. Auch die Verehrung eines einzigen Gottes habe sich erst im Laufe einiger Jahrhunderte vor der Geburt Jesu entwickelt.
Insbesondere dann, wenn Machthaber begännen, um Macht und Einfluss, um Rohstoffe und Land usw. zu ringen, hätten Zeiten kriegerischer Auseinandersetzungen, im Wesentlichen beginnend mit den Kreuzzügen bis zu den heutigen Konflikten im Nahen Osten, stattgefunden. Letztere könne man als Spätfolgen des europäischen Imperialismus verstehen. In diesem Zusammenhang sieht Stein die Unterstützung des fundamentalistisch-wahhabitischen Saudi-Arabiens durch den Westen als ein historisches Fehlverhalten an.
Heute führe vornehmlich der Hunger der westlichen Mächte und Ökonomien nach dem Rohstoff Öl und ihre Zusammenarbeit mit wechselnden autoritären Regimen zu gewaltförmigen Konflikten, wobei alle Religionen in der Gefahr stünden, für politische oder ökonomische Interessen missbraucht zu werden.
In der anschließenden Diskussion ging es insbesondere um die unterschiedlichen Gottes- und Jesusbegriffe der drei Religionen, ihre Vereinbarkeit mit der menschlichen Vernunft beziehungsweise der Logik, ihre Bekenntnis- und Erkenntnisquellen, um den Begriff des „Heiligen Krieges“ und die Frage, was in der heutigen Situation zu tun sei.
Letztere beantwortete Pfarrer Stein unter anderem damit, dass die Religionsgemeinschaften weniger das Trennende, als das Gemeinsame betonen und den Weg der Gerechtigkeit suchen sollten. Sie sollten sich dafür einzusetzen, dass jeder zu seinem Recht kommt und Ausbeutung und Unterdrückung (unter anderem der Frauen) abgeschafft, sowie der Drang nach „Immer mehr“ überwunden werde.
Ganz praktisch forderte Pfarrer Stein, den privaten Konsum - insbesondere ölhaltiger oder -verbrauchender Produkte - zu reduzieren und beispielsweise öfter auf das Auto zu verzichten, vor allem aber, die Kinder zu lehren, Frieden, statt Krieg zu spielen.