Literarische Soiree bei „Welt in Schwarz und Weiß“ in Sayner Hütte
Lyrik am Rande des Abgrunds
Bendorf-Sayn. „Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut. In allen Lüften hallt es wie Geschrei. Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei. Und an den Küsten - liest man - steigt die Flut.“. Mit diesen Zeilen beginnt eines der bekanntesten Gedichte des deutschen Expressionismus, „Weltende“. Geschrieben hatte es, drei Jahre vor Beginn der Ersten Weltkriegs, der 1887 in Berlin als Sohn eines jüdischen Sanitätsrats geborene Hand Davidsohn alias Jakob van Hoddis. Die letzten Jahre seines Lebens bis zu seiner Deportation im April 1942 verbrachte van Hoddis der Jakoby’schen Anstalt in Bendorf-Sayn. Van Hoddis wurde vermutlich noch im gleichen Jahr im Vernichtungslager Sobibór ermordet. Sein Gedicht ist die Keimzelle einer literarischen Soiree am Donnerstag, 18. September, 19.30 Uhr in der ehemaligen Direktorenvilla der Sayner Hütte im Rahmen des Kultursommer-Projekts „Welt in Schwarz und Weiß - Expressionismus als Gesamtkunstwerk“ auf dem Denkmalareal der Sayner Hütte. Auch in der Lyrik der Zeit, in den Gedichten beispielsweise von Georg Heym, Alfred Lichtenstein und Gottfried Benn spiegeln sich die Hoffnungen und Ängste am Rande des Abgrunds. Gelesen werden die Gedichte von dem 1967 in Köln geborenen, in Frankfurt lebenden Schauspieler und Regisseur Christoph Maasch. Maasch inszenierte in den vergangenen Jahren beispielsweise das Stück „Phobos - Wieviel Angst braucht der Mensch?“ im Theater Landungsbrücken in Frankfurt und „Nevermore. Die Akte Poe“ an den Mainzer Kammerspielen. Als Rezitator gestaltet er bundesweit viele Leseabende, teilweise in Zusammenarbeit mit den Autoren. Moderiert wird die literarische Soiree von Prof. Dr. Thomas Anz, der bis 2013 als Professor für Neuere deutsche Literatur an der Universität Marburg lehrte, ist Autor und Herausgeber zahlreicher Veröffentlichungen (im Rowohl-Verlag ist gerade eben die Anthologie „Die Dichter und der Krieg“, die er gemeinsam mit Joseph Vogl herausgab, erschienen). Er gilt als einer der profundesten Kenner der expressionistischen Literatur in Deutschland. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro. Karten für die Veranstaltung gibt es unter www.ticket-regional.de, bei der Tourist-Information Bendorf unter Tel. (02622) 90 29 13 2 oder touristinfo.sayn@bendorf.de und an der Abendkasse, mehr Informationen unter www.freundeskreis-saynerhuette.de