Allgemeine Berichte | 11.11.2014

Erinnerung an die Bendorfer Synagoge

Mahnwache gegen „Vergessen und Wegschauen“

Mahnwache gegen „Vergessen und Wegschauen“

Bendorf. Eine große Schar bewegter Menschen beteiligte sich an der von Bendorfer Bürgern initiierten Mahnwache anlässlich der Reichspogromnacht in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 an der ehemaligen Synagoge in der Judengasse. Peter Siebenmorgen sprach auf Bitte der Organisatoren ausgewählte Texte und hielt Rückschau auf die „Reichskristallnacht“ und erinnerte an die Zerstörung der Synagoge. „Wir alle, ob schuldig oder nicht, ob alt oder jung, müssen die Vergangenheit annehmen. Wir alle sind von ihren Folgen betroffen und für sie in Haftung genommen. Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. Die Bitte an die jungen Menschen lautet: Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Hass gegen andere Menschen, gegen Russen oder Amerikaner, gegen Juden oder Türken, gegen Alternative oder Konservative, gegen Schwarz oder Weiß. Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander“, zitierte er Richard von Weizsäcker. Bereits 1895 wurde die Synagoge beschädigt, ebenso 1930. Während des Novemberpogroms wurde die Bendorfer Synagoge verwüstet, die Einrichtungsgegenstände wurden entweder gestohlen oder auf dem Sportplatz verbrannt. Nach einer Schweigeminute entzündeten die Menschen Kerzen und legten nach jüdischer Tradition kleine Kieselsteine zum Gedenken nieder. Unter den Deportierten 1942 war auch die Familie Löb, die hier eine Metzgerei betrieb. Im Alltag war vielen Mitmenschen gar nicht bekannt, dass sie Juden waren. Die Eltern und die beiden 14-jährigen Zwillinge wurden 1945 in Sobibor umgebracht. Heute weisen darauf die „Stolpersteine“ hin. „In Thora und Koran heißt es sinngemäß: Und wer einen einzigen Menschen tötet, tötet die ganze Welt. Wer einen einzigen Menschen rettet, rettet die ganze Welt. Leider werden auch heute immer noch Menschen aufgrund ihrer religiösen Zugehörigkeit oder ihrer Herkunft diskriminiert, verfolgt oder ermordet. Umso wichtiger ist es, dass sich Bürger aller Religionen aktiv für Frieden und Verständigung untereinander einsetzen“. In vielen persönlichen Gesprächen mit den Besuchern unterschiedlicher Nationen und Religionen wurde nach gemeinsam gesprochenen Fürbitten deutlich, wie präsent das Thema noch heute ist, und wie viele Menschen emotional bewegt sind und sich gegen ein „Vergessen“ und „Wegschauen“ einsetzen. -PS-

Die Mahnwache 2014 an der Synagoge Bendorf.Foto: P. Siebenmorgen

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Bildergalerien
Stellenanzige
Rund ums Haus
Vollstreckungsstelle
Anzeige Sonne aufs Dach - o.B.
Anzeige KW 24
Empfohlene Artikel
BLICK aktuell-Bilderrätsel: Folge 10
202

Jede Woche präsentieren wir Euch einen neuen Schnappschuss aus dem BLICK aktuell-Land. Die Bilder zeigen bekannte Orte, besondere Details oder überraschende Perspektiven aus der Region – doch nicht immer ist auf den ersten Blick erkennbar, was genau zu sehen ist.

Weiterlesen

Schönste Rosen blühen in Löhndorf. Foto: ROB
267

Wer nach Löhndorf, einem Ortsteil von Sinzig, kommt, merkt schnell: Dieses Dorf hat nicht nur Zukunft, sondern auch eine beeindruckende Vergangenheit. Gleich dreimal wurde der rund 1.300 Einwohner zählende Ortsteil mit der Goldmedaille im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden – Unser Dorf hat Zukunft“ ausgezeichnet. Doch Auszeichnungen allein machen noch kein liebenswertes Dorf aus. Es sind vor allem die Menschen, die Löhndorf seinen besonderen Charme verleihen.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Bei der 45. Auflage des Deichstadtfestes warten wieder zahlreiche Acts darauf, für gute Unterhaltung zu sorgen.
1408

Neuwieder feiern vom 9. bis 12. Juli wieder ihr Deichstadtfest

Vier Tage Festival-Feeling mitten in der City

Neuwied. Wenn das Gefühl, nachhause zu kommen, vier Tage lang auf jede Menge gute Mucke auf gleich fünf Bühnen trifft, kann das nur eines bedeuten: Es ist wieder Deichstadtfest-Zeit! Denn von Donnerstag bis Sonntag, 9. bis 12. Juli, feiert Neuwied mitten im Herzen der Innenstadt sein kostenfreies Musikfestival.

Weiterlesen

Blick in die St.-Pius-Straße in Bachem.  Foto: ROB
1919

In der Kreisstadt wird die Geschwindigkeit kontrolliert:

Ab 15.06.: Blitzer in Bad Neuenahr-Ahrweiler

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Zur Erhöhung der Verkehrssicherheit und zur Einhaltung der zulässigen Höchstgeschwindigkeiten plant die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler vom 15. Juni bis 21. Juni in der Kalenderwoche 25 Geschwindigkeitskontrollen in den Stadtteilen Lohrsdorf und Bachem. Die Messungen sind in der Sinziger Straße in Lohrsdorf sowie in der St.-Pius-Straße in Bachem vorgesehen.

Weiterlesen