Erinnerung an die Bendorfer Synagoge
Mahnwache gegen „Vergessen und Wegschauen“
Bendorf. Eine große Schar bewegter Menschen beteiligte sich an der von Bendorfer Bürgern initiierten Mahnwache anlässlich der Reichspogromnacht in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 an der ehemaligen Synagoge in der Judengasse. Peter Siebenmorgen sprach auf Bitte der Organisatoren ausgewählte Texte und hielt Rückschau auf die „Reichskristallnacht“ und erinnerte an die Zerstörung der Synagoge. „Wir alle, ob schuldig oder nicht, ob alt oder jung, müssen die Vergangenheit annehmen. Wir alle sind von ihren Folgen betroffen und für sie in Haftung genommen. Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. Die Bitte an die jungen Menschen lautet: Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Hass gegen andere Menschen, gegen Russen oder Amerikaner, gegen Juden oder Türken, gegen Alternative oder Konservative, gegen Schwarz oder Weiß. Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander“, zitierte er Richard von Weizsäcker. Bereits 1895 wurde die Synagoge beschädigt, ebenso 1930. Während des Novemberpogroms wurde die Bendorfer Synagoge verwüstet, die Einrichtungsgegenstände wurden entweder gestohlen oder auf dem Sportplatz verbrannt. Nach einer Schweigeminute entzündeten die Menschen Kerzen und legten nach jüdischer Tradition kleine Kieselsteine zum Gedenken nieder. Unter den Deportierten 1942 war auch die Familie Löb, die hier eine Metzgerei betrieb. Im Alltag war vielen Mitmenschen gar nicht bekannt, dass sie Juden waren. Die Eltern und die beiden 14-jährigen Zwillinge wurden 1945 in Sobibor umgebracht. Heute weisen darauf die „Stolpersteine“ hin. „In Thora und Koran heißt es sinngemäß: Und wer einen einzigen Menschen tötet, tötet die ganze Welt. Wer einen einzigen Menschen rettet, rettet die ganze Welt. Leider werden auch heute immer noch Menschen aufgrund ihrer religiösen Zugehörigkeit oder ihrer Herkunft diskriminiert, verfolgt oder ermordet. Umso wichtiger ist es, dass sich Bürger aller Religionen aktiv für Frieden und Verständigung untereinander einsetzen“. In vielen persönlichen Gesprächen mit den Besuchern unterschiedlicher Nationen und Religionen wurde nach gemeinsam gesprochenen Fürbitten deutlich, wie präsent das Thema noch heute ist, und wie viele Menschen emotional bewegt sind und sich gegen ein „Vergessen“ und „Wegschauen“ einsetzen. -PS-