Barockes Sommerfest in der Abteikirche Sayn
Musik zum Schwärmen
Sayn. Wolfgang Heinzen, Organist der Abteikirche Sayn, begrüßte mit dem Ensemble „Musici di Sayn“ - fünf hochkarätige Profimusiker - und versprach dem Publikum: „Sie werden mit wunderschöner Musik dafür entschädigt, dass sie bei diesem Sommerwetter hierher gefunden haben.“ Und tatsächlich blieben für die zahlreich erschienenen Zuhörer keine Wünsche offen. Die Musici eröffneten das Konzert mit der rustikalen Sonate in B-Dur von Georg Philipp Telemann. Telemann war Verleger der ersten deutschen Musikzeitschrift und auch ein experimenteller Komponist, dessen Musik die Grenzen der harmonischen Regeln seiner Zeit auslotete. Professor Johannes Geffert, Cembalo, ließ mit kleinen Anekdoten und wichtigen Hintergrundinformationen die Zeit des Barocks wieder lebendig werden. So erfuhren die Zuhörer auch, dass von Telemanns 360 Kompositionen bist heute erst die Hälfte erschlossen werden konnte. Im folgenden Quintett in D-Dur von Johann Christian Bach kündigte sich bereits die Klassik an. Johannes Geffert merkte an: „Bei der Musik kann man sich richtig vorstellen, wie der kleine Mozart Christian auf dem Schoß gesessen hat.“
Mit Antonio Vivaldi tauchten die Musiker wieder ganz in die Welt des Barocks ein. Die frisch-sommerliche „La Pastorella“ machte das Konzert zu einem Sommerfest.
Da wurden Vogelstimmen imitiert und ein lieblicher langsamer Satz bildet den intimen Mittelpunkt. Die Musiker Ulrike Friedrich, Traversflöte, sowie die beiden Violinisten des Ensembles, Hendrike Steinebach und Robert Mang, setzten solistische Glanzpunkte.
Zu einem wunderschönen musikalischen Dialog zwischen einem lebhaft, heiteren und einem melancholischen Instrument kam es in der Triosonate von Carl Philipp Emanuel Bach, die den Titel trägt „Sanguineus und Melancholicus“. Während Bettina Hagedorn, Violoncello, und Johannes Geffert am Cembalo den „Generalbass“ als klangliches Fundament vorgaben, übernahm Hendrike Steinebach auf ihrer Geige den quirligen, heiteren Part und Robert Mang verkörperte mit seinem Instrument die Schwermut. Ein auf die Saiten gesetzter Dämpfer verstärkte diesen traurigen Eindruck. Und dennoch kamen sich in diesem musikalischen Gespräch die beiden Violinen näher, fanden schließlich zu einer gemeinsamen Melodie.
Heiter, verspielt und auch melancholisch waren die beiden Concerti in C-Dur und G-Dur von Johann Friedrich Fasch. Damit schloss sich der Kreis, wurde der junge Fasch doch in Leipzig von der Musik Telemanns besonders beeinflusst.
So endete das barocke Sommerfest in der Abteikirche Bendorf-Sayn. Nicht ganz, denn das begeisterte Publikum verlangte eine Zugabe. Mit Carl Philipp Emanuel Bach rundete das Ensemble „Musici die Sayn“ dieses heitere Konzert ab. Im Anschluss lud Wolfgang Heinzen in den lauschigen, frisch restaurierten Kreuzgang zu einem kleinen Umtrunk ein, ein weiterer Höhepunkt dieses gelungenen Nachmittags.
Wer das wunderschöne Konzert verpasst hat, sollte sich unbedingt Sonntag, 19. Oktober, bzw. den Silvesterabend vormerken. Dann nämlich wird das Ensemble „Musici di Sayn“ wieder in der Abteikirche Bendorf-Sayn zu hören sein. Weitere Informationen unter Tel. (0 26 31) 5 88 44.