Allgemeine Berichte | 02.12.2014

20. Bendorfer Wirtschaftstag

„Nur gemeinsam kommt Bendorf voran“

Beim 20. Wirtschaftstag appellierten zwei hochkarätige Referenten vor 150 Zuhörern an das „Wir-Gefühl“

Etwa 150 geladene Gäste darunter auch die Fürstenfamilie (Mitte) kamen zum 20 Wirtschaftstag der Stadt Bendorf. -HEP-

Bendorf. Um 2,4 Prozent hat in den vergangenen sieben Jahren die Einwohnerzahl der Stadt Bendorf abgenommen, in Vallendar sogar um 6,5 Prozent. Bendorf wird künftig pro Jahr etwa 300 Einwohner verlieren. Das prophezeite auf dem 20. Wirtschaftstag in der Bendorfer Stadthalle Dipl.-Ing. Kunibert Wachten, der als Professor das Institut für Städtebau und Landesplanung der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen leitet. Ein Handlungskatalog der Städte und Gemeinden sei notwendig: „Nur bei stabilen Einwohnerzahlen können die Versorgungsqualitäten aufrecht erhalten werden. Ansonsten sinken Steueraufkommen, die Sozial- und Gesundheitsleistungen steigen und die Versorgung bröckelt“, gab der Referent zu Bedenken.

Besonders kleine Städte brauchten eine gute Baukultur und vor allem die Innenstädte müssen attraktiv gehalten werden, denn sie haben eine große Sogkraft für jung und alt. Dem demografischen Wandel sollen aber auch die Innenstädte angepasst werden: „Früher hatte man rumpeliges Pflaster, heute ist ein glattes Pflaster notwendig, damit ältere Menschen sich besser orientieren können. Sind Innenstadt-Straßen in Bendorf mit Bordsteinen und Pflaster geeignet für eine ältere Gesellschaft?“, fragte der Redner. Eine Stadt werde festgemacht an den Merkmalen wie zum Beispiel historische Gebäude, die in der City liegen, nie an denen am Rande. „Es geht auch darum Wohnen zu integrieren, die Innenstadt ist ein lebendiger Ort, der muss erhalten werden. Man soll sich auch Gedanken machen, wie die Arbeit in die Innenstädte zurückkehren kann. Der Wandel lässt sich bei geringen finanziellen und personellen Ressourcen nur über gemeinsame Aktionen erledigen“, erklärte Kunibert Wachten und nannte als Beispiel, dass private, bürgerschaftliche und kommunale Investitionen „zusammengeworfen“ werden.

Der Bendorfer Wirtschaftstag wurde 1995 nach dem Niedergang der Schwerindustrie von der Stadtverwaltung ins Leben gerufen, damit Unternehmer im gemeinsamen Dialog Ideen entwickeln, um aus der Krise zu kommen. Heute sind nicht nur Unternehmer und Geschäftsleute sondern auch Kommunalpolitiker sowie Vertreter von Ämtern und Institutionen eingeladen, die Stadtbürgermeister Michael Syré begrüßte. Etwa 150 Teilnehmer hatten sich zum Thema „Stadtentwicklung eine gemeinschaftliche Daueraufgabe“ eingefunden. Syré erinnerte an die Zeit vor 20 Jahren: „Es war der Plan für die Umstrukturierung und Entwicklung der Stadt Bendorf. Rückblickend kann man deutlich feststellen, dieser Plan hat sich gut bewährt. Mit vielen Unterstützern konnten zahlreiche Projekte umgesetzt werden: Industrie- und Gewerbepark Concordia, Neuausweisung von Wohngebieten, Wiederaufbau von Schloss Sayn, Entwicklung des Kulturparks Sayn mit dem jüngsten Projekt Entwicklungsmaßnahme Sayner Hütte, Ausbau des Verkehrsknotenpunktes Nord an der Bundesstraße 42 und die Zufahrtsstraße Brauereistraße, Tieferlegung der Werftstraße zur besseren Erschließung des Rheinhafens und der Brückenschlag in das Gewerbegebiet Concordia.“

Michael Syré wies aber auch darauf hin, dass Stadtentwicklung und -Gestaltung langwierige Prozesse sind und sich Erfolge oft nur in langen Zeiträumen einstellen: „So werden Projekte, die wir in den vergangenen drei Jahren begonnen haben, erst in Kürze zum sichtbaren Erfolg führen: Ich meine damit einige wesentliche Projekte in der Innenstadtentwicklung im Bereich des Kirchplatzes und der unteren Bachstraße und auch die Schaffung neuer attraktiver Gewerbeflächen in der Langfuhr, die derzeit erschlossen werden und für die wir bereits einige konkrete Anfragen für die gewerbliche Nutzung haben“, informierte der Stadtbürgermeister.

Landrat Dr. Alexander Saftige erklärte: „Die kommunale Familie baut sich auf im örtlichen Bereich und der Kreis hilft, wenn es zu Problemen kommt. Bendorf hat Probleme gehabt, 600 Arbeitsplätze waren auf einmal weg. Wenn wir die Krise als Zeit des Wandels sehen, geht es ein bisschen besser: Lösungen andenken und umsetzen. Der Landkreis war auch finanziell dabei und kann dank der Wirtschaftsförderungsgeselischaft, die unabhängig von kommunalen Aufgaben ist, helfen.“ Er lobte die Modernisierung des Bendorfer Hafens, die Ansiedlung von Handwerks- und Dienstleistungsunternehmen, den Kirchplatzausbau und die Renovierung des Denkmals Sayner Hütte. „Ich bin zufrieden und froh, dass wir unserer Stadt Bendorf helfen konnten und das gemeinsam auf den Weg gebracht haben.“

Als zweiten Referenten hatte man Dr. Gerd Placke, Senior Projekt Manager des Programms „Unternehmen in der Gesellschaft“ von der Bertelsmann Stiftung gewonnen. Er betonte, dass für viele Unternehmen die Infrastruktur einer Gemeinde wichtig sei, wie die Frage gibt es Kita und Schulen. Dr. Placke plädierte für gemeinsame Engagements: „Das alte Mäzenatentum für Sportvereine wird abgelöst durch strategisches Engagement, um mehr Wirkung zu erzielen.“ Als Beispiele führte er auf, dass Unternehmens-Mitarbeiter, die aus verschiedenen Nationen kommen, eine Kocholympiade starten oder abseits des Spenden- und Sponsorings einige Stunden auf dem Kindergartengelände arbeiten, um dies neu zu gestalten. „Ihr erreicht mehr Aufmerksamkeit, wenn ihr Euch zusammen tut“, rief er den Unternehmern zu und versprach dabei mitzuhelfen: „Aber es fließt kein Geld, sondern neue, innovative und öffentlichkeitswirksame Ideen, die darstellen, welchen Nutzen die Stadt Bendorf davon hat.“ Für Unternehmen bedeute dies mehr Kooperation und Bündelung des Engagements.

Eine Podiumsdiskussion war beim 20. Wirtschaftstag nicht vorgesehen, denn die Dinge sollten in kleinen Gesprächsrunden erörtert werden, um einige zusammen mit Rat und Verwaltung in Bendorf vielleicht zu realisieren.

Auf dem 20. Wirtschaftstag sprachen Stadtbürgermeister Syré (v.r.) Prof Wachten, Dr. Placke und Landrat Dr. Saftig.

Auf dem 20. Wirtschaftstag sprachen Stadtbürgermeister Syré (v.r.) Prof Wachten, Dr. Placke und Landrat Dr. Saftig.

Etwa 150 geladene Gäste darunter auch die Fürstenfamilie (Mitte) kamen zum 20 Wirtschaftstag der Stadt Bendorf. Fotos: -HEP-

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