Politik | 14.06.2015

Jusos Mayen-Koblenz informieren sich über Flüchtlingspolitik

„Reformen sind dringend nötig“

Die Jusos Mayen-Koblenz trafen sich mit Flüchtlingen aus Mayen-Koblenz. privat

Kreis MYK. Jedes Jahr wollen Tausende Menschen nach Europa; viele von ihnen nach Deutschland. Vor ihnen liegt eine Flucht voller Hindernisse und Gefahren; viele sterben auf der Überfahrt über das Mittelmeer. „Doch wer sind diese Menschen, die letztendlich hierher kommen? Welche Schicksale haben sie hinter sich? Welche Wünsche und Hoffnungen trieben sie dazu, ihre Heimat zu verlassen? Und wie ergeht es ihnen, wenn sie Deutschland erreicht haben?“ - Um diese Fragen ging es unter anderem auf der Themensitzung der Jusos Mayen-Koblenz zur aktuellen Flüchtlingslage. Eingeladen waren drei Flüchtlinge aus Syrien und ein Dolmetscher. Sie berichteten von ihren Schicksalen, von Verfolgung und Morddrohungen, der Sorge um die Familie, der Hoffnung auf einen Neuanfang, auf ein besseres Leben ohne Angst und Gewalt. Zumindest vorerst, denn noch ist bei einigen nicht sicher, ob sie bleiben dürfen. Und die Entscheidung darüber kann dauern. „Die Verfahren dauern teilweise bis zu einem Jahr. Das ist nicht hinnehmbar. Diese Menschen haben so viel durchgemacht und dann lässt man sie noch so lange in der Unsicherheit leben, ob sie bleiben dürfen. Wir möchten eine schnellere Bearbeitung. Das ist im Interesse aller Beteiligten“, so der Juso MYK-Öffentlichkeitsbeauftragte Sebastian Durben. Doch warum dauert die Bearbeitung so lange? Svenja Budde, stellvertretende Vorsitzende, erklärt: „Es gibt bei der Kreisverwaltung viel zu wenig Personal, das die Anträge bearbeitet. Wir fordern den Ausbau dieser Position, denn in Zukunft werden höchstwahrscheinlich noch viel mehr Flüchtlinge zu uns kommen und mit so wenig Personal ist die Antragsflut nicht zu bewältigen.“

„Es gibt Verbesserungsmöglichkeiten“

Den Asylbewerbern, die häufig wenig oder gar kein Deutsch sprechen, werden bei der Antragsstellung viele Paragraphen auf Deutsch vorgelesen. „Diese sind für Muttersprachler oftmals schon schwer zu verstehen. Ohne Dolmetscher sind die Flüchtlinge hier hilflos. Diese drei Asylbewerber hatten Glück, dass ihnen die Familie Ali aus Andernach bei Behördengängen geholfen hat. So ein ehrenamtliches Engagement ist wichtig, aber leider nicht genug. Auch an anderen Stellen sind Reformen dringend nötig. „Die Flüchtlinge haben erzählt, dass sie sehr freundlich aufgenommen worden seien. Die Nachbarn wären sehr hilfsbereit“, erläutert Jungsozialistin Gabriela Kaindl und fügt an: „Aber auch hier gibt es Verbesserungsmöglichkeiten. So ist zum Beispiel der Deutschunterricht, den sie an der VHS erhalten, häufig alltagsfremd. So lernen die Flüchtlinge beispielsweise, wie man Plusquamperfekt bildet, können aber nicht fragen, wie viel etwas kostet oder Ähnliches. Natürlich sollen sie mit der Zeit richtig Deutsch lernen, aber für den Anfang wären doch alltägliche Dinge notweniger.“

Außerdem wurde angeregt, den Kontakt zwischen Flüchtlingen und den Mitmenschen in Mayen-Koblenz zu verbessern. „Sie sind fast nur unter sich. So ist es natürlich viel schwieriger für sie, Deutsch zu lernen und sich hier einzuleben“, meint Jungsozialistin Yasmin Osman. „Es wurden bereits Ideen geäußert, wie man den Austausch stärken könnte.“

Weitere Treffen folgen

Dieses Treffen wird nicht die letzte Aktion der Jusos MYK zum Thema Flüchtlinge sein. „Die Sitzung war zuerst einmal da, uns näher über die Situation der Asylbewerber bzw. Asylanten zu informieren. Nun heißt es handeln. Wichtig ist als Erstes der Ausbau der Stellen in der Kreisverwaltung zur Bearbeitung der Anträge. Des Weiteren planen wir einige Aktionen, die den Kontakt zwischen Einheimischen und Flüchtlingen stärken sollen“, erklärt Jusos MYK - Vorsitzender und Mitglied der SPD-Fraktion im Kreistag Faisal El Kasmi abschließend. „Wir wollen, dass diese Menschen sich bei uns wohlfühlen. Sie haben so viel Leid ertragen müssen, sind vor Krieg, Hunger und Verfolgung geflohen und haben eine äußerst gefährliche Reise in Kauf genommen, nur um endlich in Frieden leben zu können. Es ist die Pflicht jeder und jedes Einzelnen von uns, sich solidarisch mit diesen Menschen zu zeigen und ihnen zu helfen, dass endlich etwas Ruhe in ihr Leben einkehrt!“

Pressemitteilung der

Jusos Mayen-Koblenz

Die Jusos Mayen-Koblenz trafen sich mit Flüchtlingen aus Mayen-Koblenz. Foto: privat

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