„Mittelrhein Musikfestival“ machte Halt in der Sayner Abtei
Spannende Reise in Schuberts „Träume vom verlorenen Paradies“
Bendorf-Sayn. Seit 15 Jahren finden im Sommer an besonders schönen historischen Orten im gesamten Mittelrheintal hochkarätige kulturelle Veranstaltungen statt. Unter dem Namen „Mittelrhein Musikfestival“ sind diese weit über die Region hinaus bekannt geworden und erfreuen sich großer Beliebtheit - in diesem Sommer mehr als 30 Veranstaltungen. Die Festivalleitung und Intendanz hat Ulrike Piel.
Am letzten Samstag trafen sich, vor so gut wie ausverkauftem Haus, Wort und Musik im Kreuzgang der Sayner Abtei - die Schauspielerin Katja Riemann und der Pianist Sebastian Knauer.
Nach einer Idee von Sebastian Knauer (die Texte stellte Wolfgang Knauer zusammen) konnten die Besucher private Einblicke in Franz Schuberts Tagebücher, seine bewegenden eigenen Gedichte und seine Briefwechsel erleben, dazu seine Impromptus op. 90 & op. 142 am Flügel - Katja Riemann rezitierte, Sebastian Knauer spielte den Flügel.
Ohne Übertreibung kann man sagen, dass dieses Musik- und Worterlebnis im Sayner Kreuzgang eine sehr außergewöhnliche Veranstaltung war. Die Schauspielerin und der Pianist gaben durch ihre Kunst einen wahren Einblick in Franz Schubert „Träume vom verlorenen Paradies“ - so der Untertitel der Veranstaltung.Der Besucher konnte den Eindruck gewinnen, bei Schuberts förmlich durch das Fenster, manchmal sogar durch das Schlüsselloch in seine Stube zu blicken, teilzunehmen an seinem Leben, was ihn berührt und das, was seine Freundin für ihn empfindet.
Durch ihre große Schauspielkunst konnte Katja Riemann diese Intimität entstehen lassen - so dicht, dass man selbst bei hochsommerlichen Temperaturen meinte, Gänsehaut zu bekommen. Riemanns Mimik ist fantastisch wandelbar, sie nimmt keinen Blickkontakt mit dem Zuschauer auf, schaut nach den rezitierten Texten mal träumerisch, mal verliebt, mal nachdenklich oder traurig in die Ferne. Dabei sitzt sie mehr als 80 Minuten ohne Pause auf einem Stuhl, sich kaum bewegend - beachtliche Leistung. Den Texten antwortet Sebastian Knauer mit Schuberts Musik und das in einer perfekten Interpretation - wirklich klasse. Und wenn dann im Garten der Abtei die Nachtigall zu singen beginnt, die Turmuhr schlägt und zufällig parallel mit dem letzten Klavierton verstummt, ist das schon ein Zauber, dem sich der Zuhörer kaum entziehen kann - er wird zurückgeführt in eine Zeit, in der man noch Briefe statt SMS oder Emails schrieb und mit der Postkutsche reiste und nicht mit dem Flieger.
Franz Schubert wurde 1797 als 13. Kind von 16 Kindern geboren und starb mit nur 31 Jahren, vermutlich an einer Infektion.
Katja Riemann gab gerne Autogramme.
Die Künstlerin entführte die Besucher zu einer musikalischen Traumreise.