Ein Entrée für Bendorf zur künstlerischen Gestaltung des Verkehrskreisels an der B42
Stelen als „Hingucker“
Bendorf. Vor mehr als einem Jahr hat der Künstler Jan Schröder angefangen, sich mit der Gestaltung des Verkehrskreisels am Eingang der Stadt Bendorf zu beschäftigen. So entstand die Idee, dort ein einprägsames beziehungsweise prägendes Kunstwerk zu installieren.
Frage: Was kann ein solches, aus dem üblichen Rahmen herausfallendes Kunstwerk bewirken, wenn man in einen Ort hineinfährt? Sollen dadurch für einen kurzen Moment Assoziationen evoziert werden, die eventuell mit dem Charakter des Ortes zusammenhängen?
Hat Bendorf Identifikationspotenziale, die z.B. in der Geschichte der Stadt liegen und heute noch wirksam sind? Gibt es für Bendorf sogar so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal? Bendorf kann auf eine sehr alte Geschichte zurückblicken. Es gibt sogar römische Zeugnisse. Aber haben diese Ursprünge mit dem heutigen Selbstverständnis der Stadt noch irgendetwas zu tun? Es gibt den Nachbau eines Römerturmes und Reste des Limesgrabens. Aber führt dies zu einer Identifizierung der Stadt beziehungsweise zu einer Identifikation mit dieser Stadt? Bendorf hat auch eine lange Tradition als Industriestandort. Die Folgen dieser Geschichte (samt ihres Niedergangs) prägen heute wesentlich den Charakter dieser Stadt. Bedingt durch die Deindustrialisierung und durch deren hohes Tempo stand und steht Bendorf vor großen Umstrukturierungsproblemen. Das betrifft auch den zwischenzeitlich relativ hohen Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund und deren Integration. Das alte Bild der Stadt, als Fremdbild - gesehen von außen - und auch das frühere Selbstbild - gesehen von innen - verschwand zunehmend. Was es in Bendorf heute braucht, ist eine städtebauliche Erneuerung und eine verbindende Klammer für die eher unverbundenen Ortsteile. Also braucht es ein neues (Wir-)Gefühl bei den Bürgerinnen und Bürgern. Es ist erforderlich, der Stadt einen neuen, identitätsstiftenden Charakter zu verleihen. Gute Ansätze und Beispiele gibt es ja schon, wie die kultur-touristische Entwicklung des „Kulturparks Sayn“ (mit seinen hervorragenden Attraktionen) sowie der seit August eingeführte Markt auf dem Kirchplatz, der als Mittelpunkt der gewachsenen „Altstadt“ von zentraler Bedeutung ist.
So entsteht langsam ein neues Bild und neue Erwartungen an diese Stadt werden geweckt. Bendorf ist dabei, sich „neu zu erfinden“.
Hierzu einen Impuls zu geben, ist Absicht von Jan Schröder. Sein Vorschlag für das Entrée sind drei oder vier Stelen. Diese sollen zunächst nur einfach „Hingucker“ sein. Fünf bis sechs Meter hoch, belegt mit leicht goldschimmernder Oberfläche ...-, man weiß im ersten Moment nicht, was „das denn soll“ und fragt sich: „Was will uns der Künstler damit sagen?“
Es gibt keine Antwort auf solche Fragen. Weder die Arbeit selbst, noch der Künstler beantworten die Fragen. Es sind Stelen, die nichts beantworten, wohl aber Neugier, Zugang, Zweifel, gar Ablehnung und bestenfalls abermaliges Hingucken hervorrufen. Und wenn es denn überhaupt eine Absicht des Künstlers gibt, dann eben die, genau diese Reaktionen hervorzurufen! Die Stelen sollen eines bewirken: Völlig unerwartet trifft man am Eingang von Bendorf auf eine Art von Weltläufigkeit anstatt auf eine „Disney“-Inszenierung.
Jan Schröder,
Bendorf