19-Jährige hat in der BDH-Klinik Vallendar seinen Traumjob gefunden
Super-Mann mit Ecken und Kanten
Inklusion im besten Sinne
Es ist einer der besseren Tage. Gut gelaunt kommt Daniel ins Zimmer von Lothar Lehmler und spricht mit dem Leitenden Berufspädagogen der BDH-Klinik Vallendar für medizinisch-berufliche Reha über die Aufgaben, die heute noch anstehen. Ganz oben auf der Liste des 19-Jährigen: Unkraut rupfen in einer der Grünanlagen der Einrichtung. Daniel liebt seine Arbeit, besonders gern ist er draußen. Die Kollegen mögen ihn und loben sein Engagement. „Ein echter Gewinn für unser Team“, bestätigt Lehmler. Trotzdem ist es nicht selbstverständlich, dass Daniel hier einen festen Platz gefunden hat. Denn eigentlich kam er, wie viele andere, als Teilnehmer einer Berufsvorbereitenden Maßnahme (BvB) hierher, die die Klinik im Auftrag der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen durchführt. Daniel kam also auf Zeit - und mit unleugbaren Handicaps. Was man an diesem Nachmittag kaum für möglich hält, zeichnet sich an vielen anderen Tagen deutlich ab: Daniel leidet an einer Entwicklungs- und Aufmerksamkeitsstörung, tut sich mit dem theoretischen Lernen äußerst schwer und fällt seinen Mitmenschen häufig durch sein Tourette-Syndrom auf.
Berufswahl war Geduldsspiel
Die Schule war für ihn eine Herausforderung, die Suche nach einem Job - selbst mit Hauptschulabschluss - für ihn und seine Eltern ein Geduldsspiel. Bei der Agentur für Arbeit nahm sich Thomas Fey seiner an. Der Reha-Berater kannte Daniel bereits von der Förderschule. „Er war immer sehr engagiert und zuverlässig, aber auch ein Einzelgänger.“ Das hat seinen Grund. Denn Daniel kann andere Menschen und das, was sie sagen, nicht immer richtig einschätzen. Dann tritt er auch schon mal ins berühmte Fettnäpfchen - was seine Unsicherheit bestärkt. Deshalb ist er Fremden gegenüber meist zurückhaltend, legt jedes Wort auf die Goldwaage, braucht viel Lob und leidet sehr unter der kleinsten Kritik.
Auch in der BDH-Klinik musste man lernen, damit umzugehen. Lehmler: „Er braucht präzise Arbeitsaufträge und wir müssen darauf achten, dass er sich nicht überfordert.“ Denn das sei meist die Wurzel von Missverständnissen. „Daniel sagt nicht, wann ihm etwas zu viel wird. Aber er gerät in Stress und das verstärkt all seine Symptome.“ Achtsamkeit und Rücksicht sind deshalb Schlüsselworte im Umgang mit dem jungen Kollegen.
Trotzdem lassen die anderen nichts auf ihn kommen. „Daniel ist ein hoch motivierter Mitarbeiter, der lediglich ein großes Maß an Sicherheit braucht, um gut arbeiten zu können.“ In der BDH-Klinik hat man sich darauf eingestellt. Schon während der BvB stellte man den Versuch ein, ihm Förderunterricht zu geben. Denn jedes Mal, wenn er von der Praxis in die Theorie wechseln sollte, stand Daniel unter Strom. Gut taten ihm stattdessen Entspannungsübungen, Physio- und Gesprächstherapie.
Sie haben ihm geholfen, Stresssymptome zu erkennen und besser zu bewältigen. Irgendwann fühlte Daniel sich so wohl in „seiner“ Klinik, dass weder er noch seine Kollegen und Betreuer sich vorstellen konnten, auf ihn zu verzichten. Doch nach anderthalb Jahren ging die BvB zu Ende. „Das hat uns schon ein wenig Sorgen gemacht“, erinnert sich Lehmler. „Schließlich wussten wir ja, wie wichtig ein vertrautes Umfeld gerade für Daniel ist.“
Am Ende war es Thomas Fey, der den Stein ins Rollen brachte, als Lothar Lehmler ihm zum wiederholten Mal versicherte, was für ein toller Mitarbeiter Daniel sei. „Dann sollten Sie ihn doch am besten hierbehalten“, erklärte der Mann von der Arbeitsagentur rundheraus. Und tatsächlich: Daniel konnte bleiben. Seit Februar ist er kein Maßnahme-Teilnehmer mehr, sondern hat einen festen Arbeitsplatz im Hausmeister-Team der Klinik. Eine goldrichtige Entscheidung, betont Lothar Lehmler. „Man muss zwar ein wenig mehr Rücksicht auf Daniel nehmen als auf andere Mitarbeiter. Aber dafür bekommt man auch eine Menge zurück.“ Daniel ist sichtlich stolz über so viel Anerkennung. Doch dann ist es auch genug mit dem vielen Reden. Draußen wartet jede Menge Unkraut auf ihn. Vorher, meint Daniel, könnte er noch ein paar Kisten Wasser verteilen. „Nimm aber immer nur eine auf einmal“, mahnt Lehmler. Daniel grinst ihn an: „Nö, ich muss in jeder Hand eine haben. Ich will doch an beiden Armen mehr Muckis bekommen.“
Inklusion gewinnt
Unter dem Motto „Am Ball bleiben: Inklusion gewinnt!“ informieren die Agenturen für Arbeit Koblenz-Mayen, Neuwied und Montabaur gemeinsam mit vielen anderen Institutionen und Einrichtungen aus der Region vom 17. bis 20. Juni während der Öffnungszeiten im Löhr-Center Koblenz über die Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben. Im Mittelpunkt stehen spannende Aktionen, mit denen behinderte Menschen eindrucksvoll ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. Schirmherrin ist Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles.
Pressemitteilung
Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen
