Politik | 14.10.2014

Leserbrief

„Von einer Wohnidylle zum Verkehrsmoloch“

Bendorf-Sayn. Jahrelang haben sich die Anwohner des Hellenpfades gegen den über 40 Jahre alten, weit überdimensionierten Bebauungsplan gewehrt. Das SWR berichtete, Gerichte wurden angerufen, die Presse eingeschaltet, Einsprüche wurden eingelegt, doch alles umsonst! Inzwischen sind die Bagger angerückt und die schlimmsten Befürchtungen der betroffenen Bürger werden weit übertroffen. Eine über zehn Meter breite Trasse frisst sich in die Landschaft, Vorgärten verschwinden, Gärten werden vernichtet, Zier- und Obstbäume gefällt. Alles in allem: Viel schöne grüne Landschaft und Lebensqualität wird einem höchst umstrittenen Objekt geopfert. Dies mit Billigung der übergroßen Mehrheit im Rat. Einzig die ehemalige, inzwischen abgewählte FDP-Fraktion versuchte dem Einhalt zu gebieten.

Der vom Gesetzgeber sparsame und schonende Umgang mit Grund und Boden, siehe § 2 Abs. 2 Nr.8 Raumordnungsgesetz (ROG) und § 1a Abs. 2 Baugesetzbuch (BauGB), wird im aktuellen Fall mit Füßen getreten. Der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie, die Neuinanspruchnahme von Flächen zum Beispiel für den Verkehr zu verringern, haben das zuständige Bendorfer Bauamt und die in den Ausschüssen tätigen Kommunalpolitiker keine Beachtung geschenkt. Denn sonst wäre die Zustimmung und Genehmigung einer solch überzogenen Planung nicht möglich gewesen.

Ein bisher idyllisches ruhiges Wohngebiet überzieht man mit Verkehrsadern und macht aus ihm das Gegenteil.

Im Internet ist zu lesen, dass die Stadtväter von Eislingen, einer etwa gleichgroßen Stadt wie Bendorf in BW, auch vor dem Problem standen, Straßen in einem reinen Wohngebiet auszubauen. Die Straßenbreite wurde dort nach intensiver Beratung, aus Gründen der Nachhaltigkeit auf 4,10 Meter festgelegt. Das ist nicht mal die Hälfte von dem, was die Bendorfer Verantwortlichen der Umwelt und den Geldbeuteln ihrer Bürger hier zumuten. Denn die müssen diesen Unsinn mit 90 Prozent bezahlen.

„Warum ist so etwas in Baden-Württemberg möglich und nicht in Bendorf?“, so fragen sich die betroffen Bürger.

Diese Verschwendung an Ressourcen und Steuergeld sollte ins kommende „Schwarzbuch“ angemeldet werden. Es hat sicherlich allerbeste Chancen, auserwählt zu werden.

Bürgergerechte Kommunalpolitik sieht anders aus. Aber die nächsten Kommunalwahlen sind ja leider erst 2019 und bis dahin ist so wie so alles „Schall und Rauch“ und „Schnee von gestern“.

Karl-Otto Hahn und Friedrich

Girkens aus Bendorf-Sayn

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