Allgemeine Berichte | 23.06.2015

Erzieher informierten im Haus des Kindes Bendorf zur aktuellen Streiksituation

Wo Solidarität groß geschrieben wird

Dieses gemeinschaftliche Foto soll die Solidarität zwischen Eltern und Erzieher/innen symbolisieren. privat

Bendorf. Die Kindertagesstätte Haus des Kindes Bendorf lud in Zusammenarbeit mit dem Elternausschuss Haus des Kindes zu einer Informationsveranstaltung zum Thema Streik in die Einrichtung ein. Das HadeKi-Team stand geschlossen Rede und Antwort.

Als Elternausschussvorsitzender sprach Herr Kreuzberg ein großes Dankeschön gegenüber den Erziehern/innen und Herrn Michels (städtischer Mitarbeiter aus dem Fachbereich Ordnung und Soziales) aus, die gemeinschaftlich die Notfallgruppenbesetzung während der Streiktage unterstützt haben. Ohne diese wäre es vielen Eltern nicht möglich gewesen, ihrem Beruf nachzukommen. Es folgten offene Berichte über das Streik-Geschehen. Diese gewährten einen großen und auch zum Teil emotionalen Einblick in den Alltag eines Streikenden. Gleichzeitig wurde die Aufwertung der Berufsgruppe erklärt und dass es gar nicht um 10 Prozent mehr Lohn für jeden „Einzelnen“ geht. Der Beruf des Erziehers ist heute nicht mehr der wie vor 20 Jahren! Die Medien reflektieren ihr eigenes Bild und stellen die Erzieher als raffgierig dar. Ein Erzieher berichtete von einem mit ihm geführten Interview, wo bei der Veröffentlichung wichtige Tatsachen einfach rausgeschnitten wurden. Es wurde von „Aushungern“ gesprochen, die Erzieher/innen durch ihre soziale Ader zum Einknicken zu bewegen. Der Streik stellt die Erzieher/innen auf eine emotionale und kräftezehrende Zerreißprobe.

Eine Prognose für Erfolgsaussichten gibt es nicht. Die Schlichtungsverhandlungen laufen weiter.

Des Weiteren wurden auch die Eltern zur offenen Diskussion aufgefordert und konnten aus dem Alltag während des Streiks berichten und sich „Luft“ machen. Hierbei wurde angeregt, eine Kontaktdatenliste zu führen, um im Austausch zu bleiben, da die Eltern nicht einbezogen und informiert werden konnten. Dies wurde bereits umgesetzt. Einige Eltern bemängelten die fehlende Transparenz und das Desinteresse des städtischen Trägers.

Der Elternausschuss ist während der Streikphase jedoch nicht untätig gewesen. Bei der Informationskundgebung am 27. Mai am Bendorfer „Pferdchen“ stand er dem HadeKi-Team begleitend zur Seite. Es fand ein reger Austausch statt und es wurden viele Unterschriften gesammelt und Solidarität ausgesprochen. Allerdings waren nicht alle Bürger der Stadt verständnisvoll. Die Erzieher/innen mussten sich auch einige Beschimpfungen gefallen lassen, was zeigt, dass die Bürger der Stadt nicht ausreichend über das Rollenbild der Erzieherin von heute aufgeklärt sind.

Es ist nicht mehr die Tante Inge, die Klein-Ida ein bisschen beaufsichtigt und mit ihr spielt, bis die Mama um 12 Uhr wiederkommt. Die Anforderungen an die Erzieher steigen stetig. Die Bildungs- und Erziehungsempfehlungen werden sehr ernst genommen und realisiert. Kinder im U3-Bereich sind hinzugekommen. Die fehlenden Strukturen im Umgang mit U3 müssen selber erarbeitet werden, durch persönliches Engagement und Fortbildung. Des Weiteren wurde die Ausweitung der Ganztagesbetreuung umgesetzt. Lern- und Bildungsdokumentationen/Portfolios kommen hinzu - zurzeit werden Sprachportfolios zum Thema Mehrsprachigkeit erarbeitet. Die Unterschiede der kulturellen Vielfalt hier in Bendorf fordern ein höchstes Maß an Sensibilität. Aktuell betrifft das auch traumatisierte Flüchtlingskinder und -familien.

Sprachförderung wird alltagsintegriert und individuell umgesetzt. Regelmäßige Zusammenarbeit mit den verschiedensten Institutionen wie Schulen, Jugendamt oder Therapeuten stehen in Kitas auf der Tagesordnung. Im Rahmen der Elternarbeit finden ausführliche und regelmäßige Entwicklungsgespräche statt. Auch Beratungsgespräche in Erziehungsfragen werden von den Eltern vermehrt gefordert. Immer mehr Kinder erfordern individuelles, pädagogisches und einfühlsames Handeln, bedingt durch Auffälligkeiten und Diagnosen, wie ADHS, Autismus, Hochbegabung, Störungen im sozial und emotionalen Bereich, Entwicklungsverzögerungen oder Sprachdefizite.

Und nicht zu vergessen ist die qualifizierte Praxisanleitung von Berufspraktikanten während der 5-jährigen Ausbildung zur Erzieher/in. Auch Schulpraktika der weiterführenden Schulen werden ermöglicht, um den Schülern einen Einblick in den umfangreichen Berufsalltag der Erzieher zu geben. Oft sind diese abgeschreckt durch das hohe Niveau der Tätigkeiten und die Dauer der Ausbildung, die vergleichbar mit pädagogischen Bachelorabschlüssen ist. Eine Aufwertung ist dringend nötig und längst überfällig!

Des Weiteren hat sich der Elternausschuss außerordentlich zur Versammlung getroffen, um nach Möglichkeiten zu suchen, sich für die Eltern einzusetzen und sich gegen die verschlossenen Ohren des Bürgermeisters (dem städtischen Träger) zur Wehr zu setzen. Hier sind gute Ideen entstanden, die zeitnah zur Umsetzung gebracht werden.

Abschließend wurde ein gemeinschaftliches Foto gemacht. Die Bendorfer Eltern stehen zu den Erzieher/innen und schätzen die wertvolle Arbeit, die sie jeden Tag an und mit den Kindern leisten. Wie eine anwesende Mutter ausdrückte: Die Kinder von heute, die gut durch den Kindergarten vorbereitet in die Grundschule starten, werden besser auf die weiterführende Schule vorbereitet und sind die Steuerzahler von morgen. Die Bildung beginnt nach der Wiege im Kindergarten und dies muss honoriert werden. Kinder sind unsere Zukunft!

Dieses gemeinschaftliche Foto soll die Solidarität zwischen Eltern und Erzieher/innen symbolisieren. Foto: privat

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