Politik | 25.01.2016

Flüchtlingsunterkunft in der Eisenbahnstraße

Zweite Erstunterkunft soll Anfang Februar bezogen werden

Michael Kessler: „Dritte Erstunterkunft befindet sich bereits in der Planung“

Bürgermeister Michael Kessler informierte über die fast bezugsbereite Erstunterkunft.

Bendorf. Viele Mitglieder des Stadtrates und zahlreiche interessierte Bürger waren gekommen, um auf Einladung der Stadt Bendorf einen ersten Blick in die zum größten Teil fertiggestellte Flüchtlingsunterkunft in der Eisenbahnstraße zu werfen- auch wenn es aufgrund der noch spärlichen Einrichtung gar nicht allzu viel zu sehen gab.

Laut Bürgermeister Kessler können bis maximal 40 Personen in diese zweiten „Erstunterkunft“ der Stadt Bendorf einziehen und dort geschlossene Wohnbereiche beziehen. Die provisorische Küche, Sanitäreinrichtungen - getrennt nach Frauen und Männern - und Gemeinschaftsräume werden sich die Flüchtlinge teilen. Kessler: „Das ist die Situation die uns vorgegeben wird, das können wir nicht diskutieren. Ob wir die maximale Belegung nutzen müssen hängt von Umständen ab, auf die wir keinen Einfluss haben. Uns geht es zurzeit in erster Linie um die nackte Unterbringung, wir müssen sehen wohin mit den Leuten.“ Der Einzug der ersten Bewohner soll bereits Anfang Februar 2016 erfolgen. Der für Bauen und Umwelt zuständige Sachbereichsleiter Karl-Rudolf Goergen und der ausführende Architekt Wolfgang Geil erläuterten, dass in einem zweiten Bauabschnitt ein Vorbau errichtet werden soll, in dem eine ordentliche Gemeinschaftsküche installiert wird und ein Aufenthaltsraum zur Verfügung steht, außerdem werden dort noch zwei weitere Schlafräume geschaffen.

„Erstunterkunft deswegen, weil wir die Flüchtlinge, die uns von Kreisebene zugewiesen werden, erst in eine Erstunterkunft bringen um sie von dort aus so schnell wie möglich in den normalen Wohnungsmarkt zu vermitteln, das ist das Konzept,“ informierte Kessler die Anwesenden. Weiter betonte er: „Unterbringung in Turn- und Sporthallen wollen wir in Bendorf vermeiden, wir wollen auch keine Containerlager oder Ähnliches schaffen. Eine dritte „Erstunterkunft“ befindet sich bereits in der Planung.“

Der Landkreis weist der Stadt Bendorf eine prozentuale Quote an Asylsuchenden zur Unterbringung zu, derzeit sind dies etwa 10 Personen pro Woche. Das stellt die Stadt - wie auch viele Städte und Verbandsgemeinden andernorts - vor eine enorme Herausforderung. Hinzu kommt, dass der Wohnungsmarkt mit preiswertem Wohnraum in Bendorf so gut wie nicht mehr existent ist, das betrifft allerdings nicht nur Flüchtlinge, sondern dies ist ein allgemeines gesellschaftliches Problem.

Die Stadt versucht private Wohnungen anzumieten um diese den in den Ersteinrichtungen untergebrachten Personen anbieten zu können um eine längere Verweildauer dort zu vermeiden. „Das ist die Idee, die hinter alldem steht“ betonte Bürgermeister Michael Kessler. Auf die Nachfrage eines Bürgers, ob Männer oder Frauen als Einzelpersonen oder auch Familien in die Unterkunft einziehen werden und welche Nationalitäten sich dort treffen entgegnete Bürgermeister Kessler: „Die Leute werden uns kurzfristig zugewiesen, leider wissen wir auch nicht, wer zu uns kommt.“ Oliver Michels, der Fachbereichsleiter für Ordnung und Soziales ergänzte: „Wir bekommen zunächst eine Ankündigung per Telefon oder Fax, dass uns zu einem bestimmten Termin eine fixe Anzahl Personen zugewiesen werden. Angaben zu Namen, Geschlecht, Nationalität und Religionszugehörigkeit werden uns erst einige Tage vorher in einer Liste mitgeteilt.“

Kessler: „Keinerlei Sicherheitsprobleme mit bisher angekommen Flüchtlingen“

Den Ängsten eines unmittelbaren Nachbarn um die Sicherheit seiner Familie entgegnete der Bürgermeister: „Ich kann nicht in die Zukunft schauen, aber mit den Personen, die im vergangenen Jahr hier angekommen sind, gab es keinerlei Sicherheitsprobleme, dies bestätige auch die Polizei. Wir haben in Bendorf ein gutes Netzwerk von ehrenamtlichen Helfern, die sich jeden Tag um die Leute kümmern. Wir sind auch ab diesem Jahr bei der Stadt personell in der Lage, zweimal täglich in allen Wohnungen und Einrichtungen vorbeizufahren um nach dem Rechten zu schauen. Wir haben keinen Wach- und Schließdienst, denn unsere Einrichtungen sind keine Gefängnisse.“

Frau Dr. Ute Stuhlträger-Fatehpour, die mit Sozialarbeiter Peter Paskowski und vielen Helfern die Flüchtlinge in der Stadt betreut, ermuntere die Anwesenden sich zu trauen, auf die Menschen zuzugehen. „Wenn Sie zum ersten Mal Kontakt haben werden Sie merken, dass das genauso Menschen sind wie Sie. Ich habe bei all den bislang angekommenen Flüchtlingen noch nie eine schlechte Erfahrung gemacht.“

Zum Abschluss bedankte sich Bürgermeister Kessler für das Interesse der Bürger und bat nochmals um Verständnis. „Die Situation wird uns noch Jahre begleiten und wir müssen so gut wie möglich damit umgehen. Einen Weg dazu hat Frau Dr. Stuhlträger-Fathepour aus ihrer eigenen Erfahrung in Zusammenarbeit mit Herrn Peter Paskowski aufgezeigt. Bei Interesse können Sie sich gerne in den bei uns bereits bestehenden ehrenamtlichen Netzwerken engagieren. Nehmen Sie die heutige Gelegenheit zur Besichtigung als einen ersten Schritt, dem weitere folgen werden.“

Das Gebäude in der Eisenbahnstraße soll maximal 40 Personen Obdach bieten.

Das Gebäude in der Eisenbahnstraße soll maximal 40 Personen Obdach bieten.

Die Inneneinrichtung der Unterkunft ist gewollt spartanisch. „Uns geht es zurzeit in erster Linie um die nackte Unterbringung,“ erklärt Michael Kessler.

Die Inneneinrichtung der Unterkunft ist gewollt spartanisch. „Uns geht es zurzeit in erster Linie um die nackte Unterbringung,“ erklärt Michael Kessler.

Bürgermeister Michael Kessler informierte über die fast bezugsbereite Erstunterkunft.

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