Allgemeine Berichte | 14.11.2017

Gut besuchte Vortragsveranstaltung auf der Festung

„ Von Wasserstoffbomben und Interkontinentalraketen“

Vortrag über das nordkoreanische Nuklear- und Raketenprogramm

Konzentriert lauschten die Gäste in der „Langen Linie“ den Ausführungen des Referenten.  BSB

Koblenz. Mehrmals im Jahr bietet das Forum Friedens- und Sicherheitspolitik in Kooperation mit der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz - Direktion Burgen, Schlösser, Altertümer (BSA) auf der Festung Ehrenbreitstein Veranstaltungen an, die sich mit den Perspektiven deutscher und europäischer Friedens- und Sicherheitspolitik befassen. Begründet wurde das Forum im Jahr 2004 durch die Landeszentrale für politische Bildung (LpB) Rheinland-Pfalz.

In der letzten Veranstaltung des Jahres konnten BSA-Direktorin Dr. Angela Kaiser-Lahme und Rainer Ullrich als Referatsleiter der LpB den Physiker Giorgio Franceschini, Referent für Außen- und Sicherheitspolitik bei der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin, für einen Vortrag gewinnen. Das Thema: „Das nordkoreanische Nuklear- und Raketenprogramm: Von Wasserstoffbomben und Interkontinentalraketen“. Franceschini ist unabhängiger Experte für nukleare Sicherheit und berät die EU in Sachen Abrüstung und Nichtverbreitung von Atomwaffen. Nordkoreas Atomwaffen- und Raketenprogramm stand auch bei den Besuchen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump in Südkorea und China im Mittelpunkt der Gespräche. Den Konflikt nicht eskalieren zu lassen, ist derzeit das primäre Ziel. Wenn jedoch zwei „Hitzköpfe wie Donald Trump und Kim Jong-un“ aufeinandertreffen, kann die hoch brisante Situation schnell zu einem Problem werden. Die Trumpsche „Brachialrhetorik“, so Franceschini, trage ihren Teil zur Zuspitzung der Situation bei. Nordkorea wurde über Jahre im nuklear-ballistischen Bereich systematisch unterschätzt. Die Fähigkeit des kleinen Landes, atomwaffenfähiges Plutonium herzustellen, war bekannt. Aber hochangereichertes Uran zu gewinnen und schließlich Wasserstoffbomben und Interkontinentalraketen zu bauen, habe man dem „Schurkenstaat“ nicht zugetraut, obwohl beide Techniken schon mehr als einhundert Jahre alt sind. Aus dem ersten unterirdischen Atombombentest Nordkoreas im Jahr 2006 sind mittlerweile sechs Tests mit zunehmend hoher Detonationskraft geworden. Eine im Juli gestartete Rakete hätte, wäre der Abschuss nicht hoch, sondern flach erfolgt, eine Reichweite von etwa 10.000 Kilometern gehabt, womit sie als Interkontinentalrakete einzustufen ist.

Verschiedene Faktoren Nordkoreas Atomwaffenprogramms zum Erfolg

Nordkoreas Atomwaffenprogramm konnte durch mehrere Faktoren erfolgreich werden. Zum einen besitzt das Land eigene, kleinere Anlagen zur Plutoniumerzeugung und Urananreicherung. Zudem sei es, wie Franceschini sagt, sehr gut in seiner Politik der illegalen Beschaffung kritischer Technologie und kaufte sich auf diese Weise einige Schlüsselkomponenten für den Raketenbau ein. Außerdem verfüge das Land über ausgezeichnete Ingenieure. Mithilfe seiner von Russland gelieferten Raketen sei im sogenannten „Reverse Engineering“-Verfahren (Nachbau durch Demontage und eines daraus entwickelten Konstruktionsplans) ein eigenes Raketenprogramm entwickelt worden, das über die Jahre zu einem arrivierten nuklearen Waffenprogramm ausgebaut wurde. Franceschini nennt Sicherheitsgewinn als Hauptanliegen des nordkoreanischen Diktators.

Es geht ums Überleben

Sein Ziel laute: „Überleben, überleben, überleben“. Denn aus der Sicht Pjöngjangs gebe es existenzielle Bedrohungen, die einen Regimewechsel zur Folge hätten. Als Generalprobe für den sogenannten „Enthauptungsschlag“ gegen das Regime betrachte Nordkorea die „direkt vor der eigenen Haustür“ von den USA gemeinsam mit Südkorea durchgeführten Militärmanöver. Es reagiere auch deswegen sensibel und hoch nervös auf jegliche Form der Bedrohung, weil der schon lange angestrebte Friedensvertrag mit Südkorea nicht geschlossen wird. Es gibt lediglich eine Waffenstillstandslinie, die vier Kilometer breite demilitarisierte Zone zwischen Nord- und Südkorea. Der Nervosität geschuldet ist wohl auch die im August dieses Jahres ausgesprochene Drohung Nordkoreas, einen Raketenangriff zu starten auf die zum Territorium der USA gehörende Pazifikinsel Guam, wo die USA sehr starke Truppen und mittlerweile ein Raketenabwehrsystem stationiert haben. Die von Nordkorea ausgehende Gefahr zu bannen und das Land zu einer Denuklearisierung zu bewegen – daran sei kurzfristig gesehen nicht zu denken, sagte Franceschini. Das Land brauche Sicherheitsgarantien. Zur Entschärfung der Situation könnte beispielsweise von China ausgehend eine Erklärung zur Unverletzbarkeit der nordkoreanischen Grenzen beitragen. Außerdem wäre es hilfreich, Nordkorea als Atommacht anzuerkennen, ohne allerdings dem Land einen Statusgewinn zuzuerkennen. Mit dieser „de-facto-Atommacht“ ließe sich ein Kompromiss vermutlich leichter aushandeln. Aussehen könnte er so: Nordkorea verzichtet ganz auf nukleare Raketentests oder führt zumindest keine mit hoher Reichweite durch. Im Gegenzug könnten die Militärmanöver Südkoreas und der USA mit weniger Aggressionspotenzial gestaltet und Erleichterungen der bis dato sehr strengen Sanktionen des UN-Sicherheitsrates eingeräumt werden. Das würde zugleich dem dysfunktionalen Wirtschaftssystem, in dem sämtliche finanziellen Ressourcen am Volk vorbei direkt zum Militär gehen, ein wenig auf die Sprünge helfen. Die dringend benötigten Devisen beschafft sich Nordkorea auf kriminellen Wegen wie Arzneimittelfälschung, Cyberkriminalität, Export der Atomwaffentechnologie und Drogenhandel, während das Volk trotz einiger zögerlicher wirtschaftlicher Liberalisierungsansätze unter schlechten bis katastrophalen Lebensverhältnissen leidet. Weitere Unzufriedenheit und Wut säen die brutalen Repressionen des grausamen, Morde und Säuberungen begehenden Diktators. Demnach gebe es bereits Stimmen, die über kurz oder lang Volksaufstände vorhersagen. So sicher im Sattel, wie er sich gerne zeigt, sitzt der erst 33-jährige Führer also nicht. Er sei unsicher und es fehle ihm an Autorität, sagt Franceschini. Politbüro und vor allem das Militär scheinen die wahren Entscheider im Machtapparat zu sein. Es ist zu vermuten, dass sich das verbrecherische System Kim Jong-un nicht mehr sehr lange am Leben erhalten wird. Franceschini: „Das Land wird wahrscheinlich implodieren. Hoffentlich langsam und friedlich!“

Diskussion

In der an den Vortrag anschließenden, von Rainer Ullrich geführten Diskussionsrunde beantwortete Franceschini die Fragen der Gäste nach den Auswirkungen von unterirdischen Atomwaffentests, zu der Positionierung Chinas als Verbündeter Nordkoreas, zu der Option des „Aussitzens“ der nordkoreanischen Drohgebärden und zu den Realisierungsmöglichkeiten der gegenseitig ausgesprochenen Drohungen. Es wurden Bedenken geäußert hinsichtlich einer aus Nordkorea kommenden großen Flüchtlingswelle und Amerikas (fehlender) Stärke als Ordnungsmacht. Der hoch informative Abend fand seinen Ausklang mit weiterführenden Gesprächen bei heißem Glühwein, Tee und Gebäck. BSB

Giorgio Franceschini machte den Zuhörern Thematik und Problematik sehr gut verständlich.

Giorgio Franceschini machte den Zuhörern Thematik und Problematik sehr gut verständlich.

Konzentriert lauschten die Gäste in der „Langen Linie“ den Ausführungen des Referenten. Fotos: BSB

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Lena: Diversität ist wichtig: Der Wolf reguliert Überpopulationen ( z.B. Schwarzwild, Rehwild). Für schlecht geschützte Herdentiere sind die Besitzer verantwortlich.
  • Peter 1: Trotzdem ist der Wolf hier vollkommen überflüssig.
  • Walter Miller : Ein verpixeltes Bild von der durch den Wolf getöteten Ziege. Was will man damit ausdrücken ? Das ein Wolf besonders grausam ist ? Er ist ein Geschöpf der Natur - nicht mehr und nicht weniger. Im Gegensatz zu den 467.000 Jägern in Deutschland.
  • Michael Geiger, 56337 Eitelborn: Michael Geiger, Leider kann ich die Losnummern aus der Ziehung vom 28.03.26 im Globus Bubenheim nicht finden.. Warum nicht
  • Dietmar Gläsener: Leider kann ich meine Gewinnlos Nummern , Ziehung vom 28.03.26 im Clobus in KO-Bubenheim nicht abrufen im Internet. Woran liegt es? D. Gläsener, 56237 Nauort
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Dagmar Both: Guten Morgen Herr Winkelmann, herzlichen Dank für ihre Berichterstattung. Wenn sie von einer vertrauensvollen Abstimmung im Abstimmungsprozess zum Sondervermögen berichten, - dann gilt dies leider nicht für die Freien Wähler.
Dauerauftrag 2026
Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Daueranzeige
Fahrer gesucht (m/w/d)
Innovatives rund um Andernach
Stellenanzeige mehrere Stellen
PR-Anzeige
Mitarbeiter IT-Administrator
Empfohlene Artikel
Schülerinnen und Schüler der Bienenklasse 3c der KGS Meckenheim sind am Standort Meckenheim der Bücherbrücke in die Bücher vertieft. Foto: Stadt Meckenheim
31

Meckenheim. Die Bücherbrücke Meckenheim/Alfter verzeichnet eine rege Nutzung durch Kindertagesstätten und Schulen im Rahmen der Leseförderung. Unter den teilnehmenden Einrichtungen befinden sich unter anderem Blütentraum, Hüppekästchen, Rasselbande und zahlreiche weitere Kindertagesstätten. An beiden Standorten der Bücherei steht der Mittwochvormittag im Zeichen der Vorschulprogramme, bei denen die Kinder bib(liotheks)fit gemacht werden.

Weiterlesen

Mit 17 Anträgen zur Neuaufnahme in diesem Jahr wurde fast der Spitzenrekord von 2020 geknackt.
51

Leutesdorf. Pascal Berger, Vereinsvorsitzender begrüßte alle Anwesenden zur Jahreshauptversammlung am 28. März und es wurde nach Feststellung einer ordnungsgemäßen Einladung und Bekanntgabe der Tagesordnungspunkte eine Gedenkminute den Verstorbenen gewidmet.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Verkehrssituation an der Aloisius-Grundschule stresst die Anwohnerschaft. Foto: ROB
2299

Immer wieder kommt es zu kritischen „Manövern“: Auch die Stadtverwaltung sieht zunehmende Belastung:

HeimatCheck: Ahrweiler: Eltern-Taxis stressen alle

Ahrweiler. Seit mehreren Jahren steht die Aloisius-Grundschule vor einer wachsenden Herausforderung: dem zunehmenden Verkehrsaufkommen durch sogenannte „Elterntaxis“. Leser von BLICK aktuell berichten, dass sich die Situation trotz wiederholter Hinweise und Appelle bislang nicht verbessert habe. Insbesondere zu den morgendlichen Bringzeiten sowie am Mittag beim Abholen der Kinder kommt es regelmäßig zu kritischen Verkehrssituationen rund um das Schulgelände.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: Adobe Stock
135

Bonn. Am kommenden Samstag (04.04.2026) findet in Beuel und in der Bonner Innenstadt der „Bonner Ostermarsch 2026“ statt. Zu dieser Friedensdemonstration erwarten die Veranstalter rund 500 Teilnehmende. Die Versammlung beginnt um 13:00 Uhr auf dem Mirecourtplatz am Beueler Rheinufer. Von dort aus ist folgender Aufzugsweg vorgesehen:

Weiterlesen

Dauerauftrag 2026
Kreishandwerkerschaft
Alles rund ums Haus
Doppelseite PR/Anzeigen
Titel
Schulze Klima -Image
Maschinenbediener, Staplerfahrer
Vortrag: Arthrose des Hüft- und Kniegelenk
fit für`s Alter?
Rund ums Haus
First Friday Anzeige März
Innovatives rund um Andernach
Anzeigenauftrag FMP-1P9L0-AD-351131
Anzeige KW 14
Osteraktion
Unterstützeranzeige
Stellenanzeige Personalsachbearbeiter/in