7. Internationaler Glaskunstpreis der Stadt Rheinbach
1. Platz für den gläsernen Irokesenkopf
Tim Neunheuser aus der Glasfachschule Rheinbach gewinnt mit seinem Werk: „Cogito ergo sum“
Rheinbach. Man sah es den Gewinnern des 7. Internationalen Glaskunstpreises der Stadt Rheinbach schon ein bisschen an, dass es für sie eine ganz besondere Ehre bedeutete, ihre Preise und Urkunden von keinem Geringeren als dem ehemaligen Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher überreicht zu bekommen. Der langjährige Vizekanzler hatte sich gerne bereit erklärt, die Schirmherrschaft über diesen Nachwuchswettbewerb zu übernehmen und auch gleich seine Frau Barbara zur Feierstunde im Himmeroder Hof mitgebracht.
Beeindruckt zeigte er sich von der hochklassigen Qualität der 46 eingereichten Wettbewerbsarbeiten, die von Schülern aus acht europäischen Schulen mit Schwerpunkt Glas aus Deutschland, Tschechien, Frankreich, Finnland und Polen hergestellt worden waren. Glas sei ein faszinierender Werkstoff, der aus dem täglichen Leben des Menschen, aber auch aus hochtechnischen Entwicklungen bis hin zur Raumfahrt nicht mehr wegzudenken sein. Nicht zuletzt habe künstlerisch gestaltetes Glas schon in den Hochkulturen der Vergangenheit eine bedeutende Rolle gespielt.
Kluge Entscheidung der Stadt Rheinbach
Genscher lobte aber auch die Stadt Rheinbach für ihre kluge Entscheidung, nach dem Zweiten Weltkrieg sudetendeutsche Glasveredler, die aus ihrer nordböhmischen Heimat vertrieben worden waren, in Rheinbach anzusiedeln. „Die folgende Entwicklung mit Glaskunsthandwerksbetrieben, einer Glasfachschule und dem Glasmuseum führte zu einer Stärkung Rheinbachs als Kompetenzzentrum für Glas, zur Institutionalisierung nationaler und internationaler Kontakte und schließlich zur Verleihung des Glaspreises.“
Für ihn selbst sei die Übernahme der Schirmherrschaft angesichts der bisherigen Preisträger eine große Ehre, die er gerne angenommen habe. Schließlich solle mit dem Rheinbacher Nachwuchsförderpreis die Zusammenarbeit auf dem kulturellen Gebiet im Sinne des europäischen Gedankens gefördert werden, „das entspricht genau den Vorstellungen, die ich mit einem zusammenwachsenden Europa verbinde“, so der überzeugte Europäer Genscher. Er begrüße es auch, dass neben den Förderern aus Bürgerschaft und Wirtschaft auch die Bundesministerin für Bildung und Forschung sowie der Staatsminister für Kultur und Medien den Wettbewerb nachhaltig unterstützen.
Den Schülern eine glasklare Zukunft
„Rheinbach erfährt mit seinem Nachwuchsförderpreis, dem einzigen seiner Art in Europa, Anerkennung“, wusste Genscher. Die eingesandten Exponate machten zudem eindrucksvoll deutlich, dass sich Gestaltungsmöglichkeiten im Laufe der Zeit weiter entwickelten, die Werke aber stets durch ihren künstlerischen Wert beeindruckten. Er wünsche den Schulen und Studierenden, die sich am 7. Internationalen Glaskunstpreis der Stadt Rheinbach beteiligt hätten, jedenfalls eine „glasklare“ Zukunft.
Die sechsköpfige Jury hatte im Glaspavillon, wo die Werke seit dem 28. Juli ausgestellt waren, ihre Entscheidung getroffen. Den ersten Preis erhielt das Stück „Cogito ergo sum“ von Tim Neunheuser aus der Glasfachschule Rheinbach. „Die Arbeit komponiert den Werkstoff Glas mit anderen Materialien, wobei sie Skulpturqualität erreicht und die bloße Funktionalität des Glases hinter sich lässt“, begründete Museumsleiterin Dr. Ruth Fabritius die Entscheidung. Neunheusers im Profil dargestellter Irokesenkopf erhalte durch den Computerchips, der das Auge ersetze, sowie den lateinischen Schriftzug „Cogito ergo sum“, der den Schlachtruf des französischen Aufklärers René Descartes wiedergebe, einander infrage stellende Inhaltsebenen.
Lebendiges Spiel von Licht und Farbe
Der zweite Preis ging an eine Schar Hühner aus Glas von Katarzynaciuk aus dem Kunstgymnasium im polnischen Dabrowa Górnicza. Diese Installation, bestehend aus mehreren Pâte-de-verre-Figuren, sei für ihre einfallsreiche Formenvielfalt, die ausgereifte Technik und das lebendige Spiel von Licht und Farbe ausgezeichnet worden. An dieser Arbeit sei auch die Präzision der Ausführung bemerkenswert. Die nur scheinbar trivialen Hühner verwiesen durch ihre unterschiedlichen Stellungen und Ausformungen auf allzu menschliche Beziehungen und Rangordnungen. Die drittplatzierte Schale von Isabella Skrandies aus der Glasfachschule Zwiesel führe die klassische Glasveredelung fort, wobei die handwerkliche Gediegenheit der Ausführung besondere Anerkennung finde.
Publikumspreis für Benedikt Beierle
Den Publikumspreis „Alexandra Bruns“ nahm Benedikt Beierle von der Glasfachschule Rheinbach entgegen für sein Werk „Zerstörung und Hoffnung“. Auf einem Holzsockel mit Solarzellen und eingestellter Bleiverglasung ist ein für Gefährdung und Zerstörung stehendes geschweiftes Viereck eingespannt.
Schutz und Hoffnung kommt von zwei schützenden lebensgroßen Händen, über denen die Erdkugel in der Größe eines Tennisballs zu schweben scheint. Belobigungen der Jury gingen an drei weitere Arbeiten: „Fisch“ von Tereza Korbelova aus der Glaskunstfachschule Steinschönau in Tschechien, „Karaffe und vier Becher“ von Laura Pape aus der Glasfachschule Zwiesel, sowie „Akkord“ von Lenka Jelínková aus der Glasfachschule Haida (Tschechien).
Zukunftsorientierte kulturelle Brückenschläge
In seinem Grußwort bestätigte auch Dr. Thomas Lindner, Referatsleiter bei Kulturstaatsminister Bernd Neumann, die Stadt Rheinbach habe sich seit vielen Jahren weit über die Region hinaus als bedeutendes Zentrum der Glaskunst einen Namen gemacht. Mit dem Glaskunstpreis würden Personen ausgezeichnet, die sich in herausragender Weise der Weiterentwicklung der filigranen Glaskunst gewidmet hätten. „Ihre kreative Beschäftigung mit unterschiedlichsten Materialien, Techniken, Formen und Stilrichtungen überschreitet Grenzen und definiert die Erschließung neuer Räume dieser zerbrechlichen Kunstform“, erklärte Lindner. Zugleich stehe das internationale Teilnehmerfeld sinnbildlich für zukunftsorientierte kulturelle Brückenschläge in einem zusammenwachsenden Europa. Die Preisträger hätten jedenfalls mit der eindrucksvollen Qualität ihrer Arbeiten ihr handwerkliches Können und ihre künstlerische Gestaltungskraft unter Beweis gestellt und die ungebrochene Faszination für den traditionsreichen Werkstoff Glas weitergetragen.
