Jubiläumskarneval für Alle bei der Ki & Ka Kobern-Gondorf
111 Jahre mit Herzblut, Disziplin und Leidenschaft
Große Prunksitzung mit närrischem Spaß und Danke sagen auf großer Bühne
Kobern-Gondorf. Was im Jahr 1909 mit beherzten Männern begann, die einen Verein gründeten um das Brauchtum Fastnacht zu pflegen und auszubauen, wird heute von zwei Frauen weitergeführt. Die erste Vorsitzende Julia Gries und die zweite Vorsitzende Vanessa Laux engagieren sich in der Kirmes- und Karnevalsgesellschaft Kobern-Gondorf 1909 e.V. - darin ist auch der Ortsteil Dreckenach eingeschlossen.
Mit der großen Prunksitzung und der närrischen Zahl 111 im Gepäck startete der Verein in die Session im Jubiläumsjahr. Die Schlossberghalle platzte aus allen Nähten, neben Narren aus nah und fern waren Gäste aus Hatzenport, Löf, Kattenes und Niederfell gekommen. Schon zu Beginn herrschte eine tolle Stimmung, klar – denn die Kobern-Gondorfer feiern gut und gerne!
„Wir feiern alle Mann, einen Karneval für Alle, dat iss doch klar!“
Zur Einstimmung erklangen kölsche Töne, gemeinsam sangen alle „Rut, rut, rut sinn de ruse“. Zunächst begrüßte Julia Gries die „Very important persons“ – eine lange Liste – doch am Ende ihrer Begrüßung ließ sie alle Gäste als „wichtig“ erscheinen, auch weil der Verein unter dem Motto feierte: „Wir feiern alle Mann, einen Karneval für Alle, dat iss doch klar!“ Der Einmarsch der Aktiven zeigte das große Engagement in Sachen Karneval, die Bühne war voll. Es erklang das Jubiläumslied: Maternus Dötsch und Sitzungspräsident Thomas Breidbach sangen „Komm wir feiern Geburtstag“ unterlegt von der Melodie des Liedes „Komm wir halten die Welt an“ von den Höhnern.
„111 – wir sind entzückt, ein Hoch auf uns, es bleibt verrückt!“ Mit diesen Worten begann Julia Gries eine Rede, in der sie ein wenig die Vergangenheit Revue passieren ließ: „Heute 2020 stehen wir hier und können voller Stolz auf 111 Jahre Kirmes- & Karnevalsgesellschaft Kobern-Gondorf – mehr als ein Menschenalter – zurückblicken.“ Sie erinnerte daran, dass es in dieser Zeit 43 Tollitäten gab, Prinzenpaare, Prinzessinnen und das Dreigestirn. 1912 wurde der erste Prinz proklamiert – Lubens Schwab – und der erste Karnevalsumzug durchgeführt. Er hatte das Motto Frühling, Sommer, Herbst und Winter.
Der Verein hat zurzeit 70 aktive Mitglieder/innen im Alter von vier bis 70 Jahren, davon sind 50 Kinder und Jugendliche. Es ist eine starke Truppe, mit einem bunten Mix aus Menschen jeden Alters, die zusammenhalten und die aus ihrem Heimatort nicht mehr wegzudenken sind. Julia Gries dankte allen Helferinnen und Helfern: „Danke an die vielen Mitglieder und Helfer, die immer wieder einen großen Einsatz an den Tag gelegt haben und dies heute noch tun. Besonders in der heutigen Zeit, wo das Ehrenamt eine immer wichtigere Rolle bekommt, die Auflagen jedoch immer strenger werden, sollten wir alle zusammenhalten“, appellierte sie und fügte hinzu: „Egal welche Farben und Formen unsere Kostüme tragen, wir haben alle das gleiche Ziel: dieses Lebensgefühl zu verbreiten und für wenige Stunden die Alltagsorgen zu vergessen.“
Ein unterhaltsamer, begeisternder und mitreißender Abend
Sie kündigte einen unterhaltsamen, begeisternden und mitreißenden Abend an, der mit viel Herzblut, Disziplin und Leidenschaft sowie mit witzigen Büttenreden, schmissigen Tänzen und leuchtenden Kostümen gestaltet war. Er startete mit einem dreifachen Kobern-Gondorf/Dreckenach Helau. Dann eroberten die Kleinsten die Bühne und die Herzen des Publikums: die „Minnis“.
Ein solches Jubiläum bietet die perfekte Gelegenheit zu Ehrungen. Für die RKK (Rheinische Karnevals - Kooperation e.V.) und im Namen des Präsidenten Hans Mayer war Vizepräsident Hermann Wagner gekommen, um der Ki & Ka zu gratulieren und Glückwünsche zu überbringen. Ebenso geehrt wurde Ralf Gries, der Vater von Julia Gries, der seit 1979 Vereinsmitglied ist, im Elferrat sitzt, als aktives Mitglied im Kobern-Gondorfer Männerballett tanzt und sich als „Tausendsassa“ fast überall einbringt. Für besondere und Würdigung seiner Verdienste bekam er die Verdienstmedaille in Silber. Der so Geehrte nahm diese mit der ihm eigenen Bescheidenheit aber emotional entgegen. „Solche Leute braucht das Brauchtum Karneval, darum das Danke sagen auf großer Bühne“, so Hermann Wagner.
Danke sagten auch die Kobern-Gondorfer Möhnen für 111 Jahre Ki & Ka, denn nach deren Meinung beinhaltet das: „Ganz viel Tradition, ganz viel Brauchtum, ganz viel Karneval!“ Als Anerkennung hatten sie eine „Geschenkkiste für das Wohlbefinden“ mitgebracht. Für Überraschung sorgte der Auftritt des ehemaligen Prinzen Bernhard (Leyendecker). Er gratulierte wort- und stimmgewaltig, kommentierte dies mit „Hauptsache Emotionen“.
Über viele Stunden wechselten sich Tänze und Büttenreden ab. Zwischendrin erfuhren noch weitere Personen Ehrungen: die Vereinsmitglieder Wolfgang Denkel und Magret Stier sowie Anja Thilmann. Als sich der neue Tag näherte, wurde bei der großen Aftershowparty mit Livemusik weiter gefeiert.
Ausblick
Närrisch geht es weiter beim „Bunten Nachmittag“ am 8. Februar und beim Fackelzug am 21. Februar - Infos unter www.ki-ka-kobern.de, der aus Anlass des Jubiläums stattfindet. 111 Jahre für die Sparte Karneval, 110 für die Sparte Kirmes, ein Anlass, der sich auch im diesjährigen Orden widerspiegelt. Gemeinsam haben ihn Julia Gries und Vanessa Laux so kreiert, dass er Beidem gerecht wird: „Für das 110-jährige Jubiläum steht die Kirmes im Vordergrund, für diese sind auf dem Orden das Kirmeszelt, der Kirmesbaum und die Vereinsfahnen sichtbar. Für das 111-jährige steht der Karneval im Vordergrund, die närrische Zeit. Für den Verein steht unsere Hexe in den Vereinsfarben rot und weiß, für das Jubiläum fliegt die Hexe – golden und glitzernd – in das Kirmeszelt und alles was den Verein ausmacht, ist vereint.“
Es war ein gelungener Start in das Jubiläumsjahr. EP
In ihrer Jubiläums-Rede ließ Julia Gries die Vergangenheit Revue passieren.
Viele Tanzgruppen aus nah und fern feierten beim Start in die Session mit.
RKK-Vizepräsident Hermann Wagner hatte Glückwünsche für 111 Jahre Ki & Ka im Gepäck.
Die Kobern-Gondorfer feiern gut und gerne, das zeigte die voll besetzte Schlossberghalle.
