MGV Wormersdorf feiert runden Geburtstag
140 Jahre Freud und Leid
Jubiläum des 1879 gegründeten Vereins findet am 31. März statt
Wormersdorf. Um die Mitte des Monats März 1879 versammelten sich mehrere gesangliebende junge Leute, um die Gründung eines Gesangvereins zu besprechen. Nachdem nun Alles, was zur Sache nötig erachtet wurde, diskutiert worden war, wurde dem Verein der Name „Wormersdorfer Gesangverein“ beigelegt. Und am 5. April 1879 war es dann auch amtlich. Das Bürgermeisteramt Rheinbach erteilte die Genehmigung für die am 26. März 1879 eingereichte Satzung. Der Verein wurde unter der Nr. 400 in das amtliche Vereinsregister eingetragen.
Natürlich herrschte auch im MGV nicht immer nur Sonnenschein. Wie bei jeder Gemeinschaft von Menschen lief es beim MGV nicht immer glatt.
Aufgrund mangelnden Probenbesuches der Sänger wurde im April 1882 beschlossen, jedes unentschuldigte Fehlen mit fünfzig Pfennigen zugunsten der Vereinskasse zu bestrafen. Da die Proben im Haus Dahlem stattfanden, kam es vor, dass Sänger noch vor Schluss die Probe verließen, beim Gang zur Toilette an der Theke hängen blieben und/oder es nicht erwarten konnten, in die Wirtsstube zum Kartenspielen zu gehen, und dies mit wurde mit 25 Pfennig geahndet.
Mitgliedschaft durch Ballotage
Während der Verein heute froh über jeden neuen Sänger ist, war es in den Anfangsjahren des MGV nicht so einfach, Sänger zu werden. Um Mitglied zu werden, musste sich ein potenzieller, beitrittswilliger Sangesbruder, laut § 3 der Statuten, der gleichen Prozedur unterziehen wie sie zum Beispiel bei der Abtwahl bei den Benediktinern im frühen Mittelalter üblich war oder heute noch bei den Freimaurern und anderen elitären Vereinigungen praktiziert wird, der sogenannten Ballotage.
Highlights im Laufe der Jahre waren natürlich zunächst einmal die Stiftungsfeste anlässlich der runden Geburtstage des MGV, die anders als heute das komplette Dorf auf die Beine brachten.
Vereinsgeburtstag und Fußball-WM auf zwei Fernsehern
Das 75-jährige Stiftungsfest wurde am 4. Juli 1954 gefeiert. An diesem Tag gegen 17 Uhr begann im Berner Wankdorf-Stadion jenes später „Wunder von Bern“ genannte Ereignis, das es den Sängern wohl schwer gemacht haben wird, die volle Aufmerksamkeit des Publikums zu erringen. Spätestens in jenen Sekunden, als Helmut Rahn um exakt 18.32 Uhr auf halbrechter Position an den Ball kam, wird Herbert Zimmermanns Stimme alles andere übertönt haben: „Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen, Rahn schießt…Tor! Tor! Tor! Tor!“
Laut Augenzeugenberichten nahm, je näher der Anstoß rückte, die Geschwindigkeit beim Festzug immer mehr zu, denn jeder wollte möglichst schnell in die Nähe eines der Übertragungsgeräte, möglichst eines der damals vorhandenen zwei TV-Geräte, gelangen.
Zum siebten Mal wurde in diesem Jahr das nachweihnachtliche Konzert in der Wormersdorfer Pfarrkirche, mit Unterstützung wechselnder Akteure, veranstaltet. Insgesamt wurden so 5.500 Euro als Spendengelder für die Renovierung der Orgel und zur Unterstützung der Pfarrcaritas eingespielt.
„Neue Medien“ bereiteten schon in den 1970ern Probleme
Immer mal wieder stand der MGV im Laufe seiner Geschichte vor der Notwendigkeit, neue Mitglieder zu gewinnen. Mehrmals wurden Chorgemeinschaften mit benachbarten Chören gebildet. Bis heute singt man gemeinsam mit dem MGV Villip. Die gemeinsamen Proben finden abwechselnd in Villip und in Wormersdorf statt.
Bereits 1971 beklagte man, dass die „neuen Medien, insbesondere das Fernsehen“ die männlichen Wormersdorfer davon abhielte, Chorproben und Veranstaltungen zu besuchen. Auch die zunehmende Überalterung der Männerchöre oder wird immer wieder thematisiert. Dazu ist allerdings folgende Frage zu stellen, in welchen anderen Vereinen es 90-Jährige gibt, die noch aktiv sind. Die gesundheitsfördernde Wirkung des Chorgesangs ist nicht nur unbestritten, sondern scheint sogar einen lebensverlängernden Einfluss zu haben und ist wie Sport gesundheitsfördernd.
Das Repertoire des Vereins ist sehr vielseitig. Es wird nicht nur Schubert angestimmt, sondern unter anderem auch Lieder der Black Föss, von Santiano, Reinhard Mey oder „Aber Dich gibt’s nur einmal für mich!“
Am 31. März begehen die Sänger ihr 140-Jähriges. Um 11 Uhr bedanken sie sich bei ihrem Herrgott dafür, dass er all die Jahre seine Hand über den MGV gehalten hat, und zwar mit einer Schubertmesse. Danach, um 12.30 Uhr, wird im Pfarrheim gefeiert.
Alle Wormersdorfer, Freunde und Mitglieder des MGV sind eingeladen, mit den Sängern das Glas auf 140 Jahre MGV zu erheben.
Und wenn man sich an der ersten Satzung von 1879 orientiert, besteht noch Hoffnung auf ein weiteres Jubiläum: Laut § 13 der damaligen Statuten kann der Verein nicht „aufgelöst werden, solange noch fünf Mitglieder vorhanden sind.“
