Allgemeine Berichte | 29.08.2024

19,8 Prozent mehr ältere Arbeitslose im Westerwaldkreis

Arbeitsagentur hilft älteren Arbeitssuchenenden bei der suche nach einer neuen Perspektive

Westerwaldkreis. „Mit sechsundsechzig ist noch lange nicht Schluss“, meinte schon vor fast 50 Jahren der unvergessene Udo Jürgens. Für immer mehr Menschen im Westerwald ist das auch im Berufsleben Realität. Sie bleiben länger im Unternehmen, arbeiten aus unterschiedlichen Gründen auch über die Regelarbeitszeit hinaus weiter. Wie sieht es aber im Westerwald aus, wenn Beschäftigte im höheren Alter arbeitslos werden und sie sich über eine Förderung mit arbeitsmarktpolitischen Instrumenten eine neue Perspektive eröffnen wollen? Dem ist der „Senioren- und Behindertenrat (SBW Westerwald“ nachgegangen.

Im Juli 2024 waren im Westerwaldkreis 1.580 registrierte Arbeitslose älter als 50 Jahre, was einem Anteil von 35,3 Prozent aller Arbeitslosen entspricht. Gegenüber dem Vorjahr ist das eine Zunahme von 261 Personen, was einem Plus von 19,8 Prozent entspricht! Für die Betroffenen gibt es zahlreiche Fördermöglichkeiten auf dem Weg zu einer neuen Arbeit. So unterstützt beispielsweise das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) mit der Initiative 50plus Unternehmen bei Erfüllung bestimmter Voraussetzungen, die Arbeitnehmer über 50 Jahre einstellen wollen. Der Lohnzuschuss beträgt im ersten Jahr 50 Prozent und im zweiten Jahr 30 Prozent. Daneben gibt es u.a. die Möglichkeit eines befristeten Eingliederungszuschuss für diese Zielgruppe von max. 50 Prozent durch die Arbeitsagentur.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) hat jetzt in einer Studie festgestellt, wie die Förderung von älteren Arbeitslosen mit geeigneten Instrumenten deren Beschäftigungschancen verbessert. Die Arbeitsagentur in Montabaur hat auf Anfrage des SBR mitgeteilt, dass diese Auswertungen in der Regel auf Bundes- oder Landesebene gemacht werden. In der Fläche wäre das nachvollziehbar zu aufwendig und seien die regionalen Zahlen so klein, dass keine verlässlichen Schlüsse gezogen werden könnten, so die für den Westerwaldkreis zuständige Agentur. Aber dies verbunden mit dem Hinweis: „Die Kernaussagen solcher Erhebungen haben aber grundsätzliche Aussagekraft“ - also gelten sie auch für unsere Region.

Eine Aussage der Arbeitsforscher: „Gemessen an den Zugängen in Arbeitslosigkeit erhalten ältere Arbeitslose anteilig seltener eine Förderung als jüngere Arbeitslose. Die Förderung mit arbeitsmarktpolitischen Instrumenten im Rechtskreis SGB III kann jedoch dazu beitragen, ihre Beschäftigungschancen deutlich zu verbessern. Eine Wirkungsanalyse zeigt, dass der Anteil der älteren Geförderten, die sich anderthalb Jahre nach Förderbeginn in ungeförderter Beschäftigung befinden, deutlich höher ausfällt als für vergleichbare ungeförderte Arbeitslose.“

Weiter wird festgestellt, dass arbeitsmarktpolitische Instrumente dann wirksam sind, wenn sie für den „richtigen“ Personenkreis eingesetzt werden. So könnten sich etwa die Problemlagen von älteren und jüngeren Arbeitslosen erheblich unterscheiden. Etwa wenn die Produktivität von älteren Arbeitslosen beispielsweise gesundheitlich oder in Bezug auf veraltetes Fachwissen gemindert sei. Hier könnten geförderte berufliche Weiterbildungsmaßnahmen die Produktivität steigern oder neue Tätigkeitsfelder für die Geförderten erschließen. Auch könnten durch die bereits genannten Eingliederungszuschüsse an Unternehmen etwaige Produktivitätsminderungen befristet ausgeglichen werden.

Daneben könnten auch Vorbehalte von Unternehmen gegenüber der Einstellung Älterer mit entsprechenden Maßnahmen begegnet werden. Beim Übergang in den Ruhestand könnten zudem Aktivierungsmaßnahmen ein Anreiz sein, um die Arbeitssuche fortzusetzen. Sicher ist: arbeitslose oder von Arbeitslosigkeit betroffene ältere Menschen werden weiterhin in der heimischen Wirtschaft dringend gebraucht – und nicht nur dort!

Der SBR geht davon aus, dass die Mittel für geeignete arbeitsmarktpolitische Instrumente für ältere Arbeitslose im Westerwaldkreis zur Verfügung stehen. „Der Zielgruppe und einstellungswilligen Unternehmen kann man nur raten, den Kontakt zur Arbeitsagentur zu suchen“ stellt Uli Schmidt als Koordinator des SBR fest. Er ist sicher, dass man bei der Agentur in Montabaur offene Türen einrennt. Eigene Erfahrungen zum Thema und weitere Infos zum SBR gerne an bzw. unter uli@kleinkunst-mons-tabor.de.

Pressemitteilung des SBR

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