Eifelverein Remagen wanderte auf dem Eifelsteig durch den Nationalpark Eifel
23 Millionen Kubikmeter fehlten
Remagen. Von Einruhr nach Gemünd führt der Eifelsteig durch den Nationalpark Eifel. Noch ist er fast ein Wald wie jeder andere. Doch ganz sich selbst überlassen, wird im Lauf der nächsten 50 Jahre sicher ein phantastischer Urwald daraus mit einem reichen Bestand selten gewordener Pflanzen und Tiere. Die Wildkatze ist zum Beispiel schon jetzt dort heimisch.
Ganz gemächlich wanderten die Remagener Eifelfreunde zunächst am Ufer des verträumten Obersees entlang im Schatten großer Bäume bis zur Urfttalsperre. Diese große, 1904 errichtete und architektonisch recht gelungene Mauer staut die Urft zu einem vielfach gewundenen See und kann bis zu 45 Millionen Kubikmeter Wasser speichern. Aber nach Wochen ohne Niederschlag in spätsommerlicher Hitze zeigte sich der See halb trockengelegt. Laut Anzeige fehlten ihm 23 Millionen Kubikmeter. Der Weiterweg in praller Sonne und mit Steigungen bis zu 30 Prozent war nicht ganz einfach, trotzdem aber schön und abwechslungsreich.
Rote Pfähle warnten vor dem Betreten vor Bereichen, in denen noch immer Sprengkörper verborgen sein können. Nachdenklich stimmten die Trümmer des einst blühenden Dorfes Wollseifen. Im Krieg schwer beschädigt, wurde es von den Bewohnern voller Tatendrang wieder aufgebaut, dann aber von der britischen Besatzungsmacht im August 1946 beschlagnahmt zwecks Anlage des Truppenübungsplatzes Vogelsang. Die Bewohner mussten Hals über Kopf für immer ihre Heimat verlassen. Alle Häuser wurden im Lauf der Jahre bei Truppenübungen zerstört. Die in Brand geschossene Ruine der alten, wuchtigen Kirche St. Rochus wird heute notdürftig vor weiterem Verfall bewahrt.
Kurz danach wurde die berühmt-berüchtigte Ordensburg Vogelsang erreicht. In diesen Tagen wird dort mit großem Medienrummel ein internationales Naturschutzzentrum eingeweiht. Aber so ganz sind kritische Stimmen nicht verstummt, ob es nicht doch besser gewesen wäre, von jeder Nutzung dieser Burg abzusehen und diese bombastischen Bauwerke abgesperrt einfach verfallen zu lassen. Eine solch brutale Architektur atmet für alle Zeiten auch nach Entfernung sämtlicher Hakenkreuze den Ungeist der braunen Diktatur.
Vom Aussichtspunkt Kickley sahen die Wanderfreunde schon das Ziel Gemünd fast zum Greifen nahe vor sich. Doch zu früh gefreut.
Der Eifelsteig holte danach weit aus, ging auch noch mehrmals bergauf und bergab. Umso mehr war dann das gebuchte Hotel hochwillkommen und im benachbarten Parkrestaurant wartete ein vorzügliches Abendessen auf die hungrigen Gäste.
