Allgemeine Berichte | 15.06.2016

Technische Hilfswerk (THW) baute Behelfsbrücke im „Grünen Weg“ in Pech

24 Meter lange und 45 Tonnen schwere Brücke stand in nur anderthalb Tagen

Insgesamt 113 Leute aus neun THW-Ortsverbänden waren für die Erstellung der Behelfsbrücke anderthalb Tage lang im Einsatz. JOST

Pech. Exakt eine Woche nach dem verheerenden Starkregen, der einen Teil der Gemeinde Wachtberg unter Wasser setzte und unter anderem drei wichtige Brücken mit sich riss, hatte das Technische Hilfswerk (THW) bereits die zweite Behelfsbrücke in Pech fertig eingebaut. Am Samstagnachmittag, um 14.47 Uhr, war die gigantische Krupp D-Brücke im Verlauf des „Grünen Weges“ in Pech über den Godesberger Bach gespannt. Kurz danach ging Bürgermeisterin Renate Offergeld gemeinsam mit dem THW-Vizepräsidenten Gerd Friedsam sowie den beiden Chef-Brückenbauern Edgar Peters und Stefan Fuchs als erste über die 24 Meter lange und 45 Tonnen schwere Brücke, die eine 3,50 Meter breite Fahrbahn und eine Traglast von 45 Tonnen besitzt.

Zur Erinnerung: Am Samstag zuvor wurde um 14.27 Uhr der erste Hochwasser-Alarm bei der Feuerwehr ausgelöst.

Die „Fachgruppe Brückenbau“ des THW mit Standorten in Bielefeld und Mönchengladbach ist es zwar gewohnt, behelfsmäßige Brücken in kurzer Zeit zu errichten. Doch eine solch große Brücke wie die im „Grünen Weg“ hat auch Edgar Peters mit seinen mittlerweile 50 Jahren Erfahrung nur ganz selten gebaut.

„Sonst verlegen wir praktisch ausschließlich die Bailey-Brücken, wie sie in der Pecher Hauptstraße zum Einsatz kommt“, erklärte er „BLICK aktuell“. Diese ist wesentlich kleiner und besitzt auch nur eine Traglast von 18 Tonnen, weil dort höchstens Busse die Brücke überqueren. Die neue Brücke in Pech hingegen müssen auch beispielsweise Müllfahrzeuge passieren, und da reichen die 18 Tonnen einfach nicht aus.

Erfolgreiche Teamarbeit

Bei den größeren Brücken kämen sonst fast immer Spezialunternehmen zum Zuge, doch weil es diesmal extrem schnell gehen musste, schlug die Stunde des THW. Insgesamt 113 Leute aus neun THW-Ortsverbänden waren dafür anderthalb Tage lang im Einsatz. Vor allem die universell einsetzbaren Bergungsgruppen aus der Region wurden zu Hilfe gerufen, aber auch eine Beleuchtungseinheit, weil am Freitag von morgens um neun bis kurz vor Mitternacht die Brücke auf einer benachbarten Wiese aus knapp 3000 Einzelteilen zusammengeschraubt wurde und es darüber stockfinster wurde. Die Einzelteile waren schon am Donnerstag mit vier THW-Tiefladern aus einem Lager in Willich-Schiefbahn angeliefert worden. Beim Einbau der Brücke kamen auch noch die Spezialisten der Fachgruppe Räumen mit einem Radlader zum Einsatz, die die schwebende Brücke in die richtige Position bugsierten. Die THW-Logistiker kümmerten sich derweil um die Versorgung der Einsatzkräfte mit Speisen und Getränken.

„Brückenbau ohne Schwierigkeiten gibt es nicht“

Edgar Peters, mit seinen 71 Jahren mittlerweile aus dem aktiven Dienst ausgeschieden, ist auch als „Althelfer“ mit seiner enormen Erfahrung für solche Einsätze unverzichtbar. Ruhig und besonnen gab er Anweisungen und löste Probleme, die immer wieder einmal auftauchten. „Einen Brückenbau ohne Schwierigkeiten gibt es nicht, aber wir finden immer die richtige Lösung“, schmunzelt er. Diesmal sei alles relativ reibungslos abgelaufen, nur einige Bolzen hätten sich nicht richtig festschrauben lassen und so für eine geringe Verzögerung gesorgt. Auch eine Straßenlampe musste noch mit der fertigmontierten Brücke, die am Haken eines Schwerlastkranes hing, vorsichtig „umschifft“ werden, aber auch das gelang ohne größere Komplikationen. Die Brücke liegt auf jeder Bachseite auf zwei tonnenschweren Lastverteilungsplatten aus Stahl auf, die das gesamte Gewicht einschließlich der Fahrzeuge, die darüber fahren, abfangen müssen, im Höchstfall also bis zu 90 Tonnen. Auch hier war das „Räumkommando“ mit seinem Radlader im Einsatz, denn mit reiner Muskelkraft waren diese Platten nicht zu bewegen. „Aber Brückenbau funktioniert ohnehin nur als Teamwork“, erklärt Gruppenführer Stefan Fuchs. Die Zusammenarbeit der einzelnen Fachgruppen habe wunderbar funktioniert, obwohl man in dieser Zusammensetzung noch nie einen gemeinsamen Einsatz hatte. „Da weiß man, wofür man die vielen Übungsstunden geleistet hat“, schwingt auch ein bisschen Stolz in seiner Stimme mit über die großartige Leistung des ganzen Teams. Bis in die frühen Abendstunden hinein wurden noch Aufräumarbeiten erledigt, damit montags die Firma Elenz (Konz) aus Lavaschotter die Auffahrrampe auf beiden Seiten der Brücke herstellen konnte. Die soll eine acht Zentimeter dicke Asphalt-Tragschicht erhalten, so Fachbereichsleiter Christian Pohl von der Wachtberger Gemeindeverwaltung. Für den Bau der „richtigen“ Brücke laufen derzeit die Vorplanung. Da nun aber die Behelfsbrücke eingebaut sei, könne man die Sache mit Bedacht planen und sei nicht unter Zeitdruck, so Pohl.

Tempolimit wird oft ignoriert

Die kleinere Brücke in der Pecher Hauptstraße ist mittlerweile für den Verkehr freigegeben. Autos und Busse können hier mit maximal zehn Stundenkilometern langsam den Bach überqueren. Das Tempolimit gilt, weil die „Bailey-Brücke“ mit einer Fahrbahn aus Holzbohlen höhere Geschwindigkeiten wegen der damit einhergehenden Vibrationen nicht gut verträgt. Doch leider halten sich nicht alle Autofahrer an das Tempolimit, sondern fahren wesentlich schneller darüber. Das wiederum bringt die Anwohner auf die Barrikaden, denn es entsteht ein höllischer Lärm. „Es hört sich an, als ob ein Güterzug durch das Schlafzimmer fährt“, so eine Anwohnerin.

Dritte Behelfsbrücke

Am vergangenen Sonntag wurde auch mit dem Bau der dritten Behelfsbrücke begonnen, weil auch auf der Landstraße 123 zwischen Arzdorf und Berkum ein Brückenbauwerk einsturzgefährdet ist. Der Landesbetrieb Straßen NRW hatte das THW kurzfristig um Hilfe gebeten und erhielt sofort eine Zusage.

JOST

Insgesamt 113 Leute aus neun THW-Ortsverbänden waren für die Erstellung der Behelfsbrücke anderthalb Tage lang im Einsatz. Foto: JOST

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