Allgemeine Berichte | 26.03.2019

Im Fall Gerd Michael Straten, der vor einem Jahr brutal enthauptet wurde, erhöhte Polizei Belohnung

25 000 Euro für Hinweise auf den Mörder

Bei der Präsentation der Kriminalstatistik 2018 gab es von der Soko Hauptfriedhof nichts Neues

Polizeipräsident Karlheinz Maron (Mitte), Polizeivizepräsident Jürgen Süs (li.) und Kriminaldirektor Stefan Heinz freuen sich über gestiegene Aufklärungsquoten.Fotos: HEP

Koblenz/Region. Auf 25 000 Euro erhöhte die Polizei die Belohnung für Hinweise, die zur Aufklärung des Mordfalls Straten führen. Vor einem Jahr wurde der 59-jährige Obdachlose Gerd Michael Straten auf dem Koblenzer Hauptfriedhof an der Karthause durch Enthauptung brutal ermordet. Noch immer beschäftigt sich im Koblenzer Polizeipräsidium die zwölfköpfige Sonderkommission Hauptfriedhof mit der Aufklärung dieser furchtbaren Tat.

Bei der Pressekonferenz zur Präsentation der Kriminalstatistik 2018 erklärte Kriminaldirektor Stefan Heinz: „Bitte haben sie Verständnis, dass wir keine Infos zu den Ermittlungen geben. Wir beschäftigen uns intensiv mit vielen Spuren und zahlreichen Hinweisen. Nach der Veröffentlichung des Falls in Aktenzeichen XY ungelöst haben wir ca. 120 neue Hinweise bekommen. Weiterhin sind wir interessiert an Zeugen, denen am 22. März 2018 im Bereich des Koblenzer Hauptbahnhofs etwas aufgefallen ist, denn dort wurde Straten zuletzt um 18.20 Uhr gesehen. Wichtig sind auch Verhaltensänderungen von Menschen, die eine Beziehung zu dem Opfer hatten.“

Polizeivizepräsident Jürgen Süs betonte, wie wichtig es der Polizei ist, diesen Mordfall aufzuklären: „Der Friedhof hat Stadtparkcharakter. Viele Menschen die aus der Innenstadt über den Friedhof nach Hause gehen, sind irritiert, beunruhigt und verängstigt, das haben wir im Fokus.“

Polizeipräsident Karlheinz Maron hob hervor: „Wir bedanken und bei den Bürgern, weil sie uns unterstützen“, und fügte hinzu: „Die Menschen in unserer Region leben sicher. Dennoch wollen wir die sichtbare Präsenz der Polizei erhöhen. Mit der positiven Kriminalstatistik sind wir zufrieden, was mich auch für meine Mitarbeiter freut.“

Das sind etwa 2.600, die im Bereich des Polizeipräsidiums Koblenz für acht Landkreise und die Stadt Koblenz auf 6.440 Quadratkilometern mit 1,22 Millionen Einwohnern zuständig sind. Es gibt vier Polizeidirektionen mit 23 Polizeiinspektionen, vier Polizeiwachen und vier Kriminalinspektionen, einer Kriminaldirektion und eine Verkehrsdirektion mit drei Polizeiautobahnstationen.

Niedrigster Stand der Straftaten seit 20 Jahren

Die Kriminalstatistik 2018 des Polizeipräsidiums Koblenz führt den niedrigsten Stand der Straftaten seit 20 Jahren auf. Das sind knapp 67.500 und damit 3320 weniger als im Vorjahr. Im Präsidium freut man sich, dass mit 63,2 Prozent (0,5 Prozent mehr als im Vorjahr) die höchste Aufklärungsquote seit zwölf Jahren erreicht wurde.

Um mehr als 32 Prozent (542) sind im vergangenen Jahr die Wohnungseinbrüche auf 1115 (davon scheiterten 535) gesunken. Warum das so ist erläuterte Jürgen Süs: „Unsere präventiven und repressiven Maßnahmen, die gezielten, regelmäßigen und länderübergreifenden Kontrollen zeigen Erfolg. Wir haben ein Kommissariat für Bandenkriminalität und spezielle Ermittlungsgruppen in den vier Polizeidirektionen eingerichtet.“ Aber auch die 600 Präventionsberatungen, zahlreiche Veranstaltungen und Messebesuche der Beratungszentrumsmitarbeiter führten wohl zum Erfolg.

„Falsche Polizeibeamte und Geldautomatensprengungen haben uns sehr beschäftigt“, berichtete Kriminaldirektionsleiter Stefan Heinz, der vor einem Jahr eine Ermittlungsgruppe eingerichtet hat. In fast 2.000 Anrufen von falschen Polizeibeamten gelang es neun Mal, dass die älteren Opfer den Tätern Geld oder Wertsachen aushändigten, Gesamtschaden fast 240.000 Euro.

„Das ärgert uns sehr wegen des Vertrauensverlusts“, unterstrich Stefan Heinz und warnt: „Über die 110 kann nicht angerufen werden, denn das ist eine Notrufnummer. Es gibt ein großes Dunkelfeld, da die Taten aus Schamgefühl oft nicht angezeigt werden.“ Die Polizei nahm allerdings acht Tatverdächtige fest, die Anrufer, Geldabnehmer, Auftraggeber und Verbindungsmänner waren, einige sind bereits verurteilt.

In Höhr-Grenzhausen, Rheinböllen und Montabaur sprengten Täter Geldautomaten und erbeuteten Bargeld im sechsstelligen Euro-Bereich, fünfmal blieb es beim Versuch. Mit rund 250.000 Euro entstand jedoch erheblicher Sachschaden.

Zur Straßenkriminalität zählen unter anderem Handtaschenraub, gefährliche und schwere Körperverletzung sowie Raubüberfälle oder Sachbeschädigung im öffentlichen Raum. Die Fallzahlen erhöhten sich um 0,7 Prozent leicht auf knapp 12.500, jedoch stieg die Aufklärungsquote auf 22 Prozent, die höchste in den vergangenen fünf Jahren.

Durch den neuen Straftatbestand sexuelle Belästigung sind die Sexualdelikte um mehr als 16 Prozent angestiegen, die Aufklärungsquote konnten die Beamten um 1,4 Prozent steigern.

Die Rauschgiftdelikte kletterten um fast 14 Prozent, da auch Kräutermischungen unter das Betäubungsmittelgesetz fallen.

Polizeipräsident Karlheinz Maron geht aber davon aus, dass die auf fast allen „Feldern“ gestiegenen Aufklärungsquoten in diesem Jahr nicht zu halten sind: „...obwohl wir mit Engagement daran arbeiten, dass die positive Bilanz so bleibt.“ HEP

Die Leiter des Koblenzer Polizeipräsidiums präsentierten eine positive Kriminalstatistik.

Die Leiter des Koblenzer Polizeipräsidiums präsentierten eine positive Kriminalstatistik.

Polizeipräsident Karlheinz Maron (Mitte), Polizeivizepräsident Jürgen Süs (li.) und Kriminaldirektor Stefan Heinz freuen sich über gestiegene Aufklärungsquoten.Fotos: HEP

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