Shantychor der Marinekameradschaft „Admiral Mischke“ Lahnstein von 1912 e.V.
25-jähriges Bestehen gefeiert
Lahnstein. Mit einem Festwochenende feierte der Shantychor der Marinekameradschaft „Admiral Mischke“ Lahnstein von 1912 e.V. sein 25-jähriges Bestehen im Pfarrzentrum St. Martin am Europaplatz in Oberlahnstein. Die übergroße Nachfrage nach Eintrittskarten für das Festkonzert am Samstag war die erste Herausforderung, der sich das Organisationsteam stellte, denn niemand sollte draußen stehen bleiben müssen. Dank der langjährig guten Beziehung zur Pfarrei und zum Hausmeister des Pfarrzentrums gelang es schließlich, Platz zu schaffen für die rund 250 Konzertbesucher. Allerdings, so räumt das für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständige Chormitglied Wolfgang Jäger ein, wäre das Festwochenende ohne die tatkräftige Unterstützung der Sänger-Frauen nicht zu stemmen gewesen. Die Damen hatten die Imbiss-Zubereitung und den kompletten Service übernommen. Neben belegten Brötchen verwöhnte der Shanty-Chor seine Gäste mit eimerweise eigens dafür aus Emden importiertem Matjes. Weil die Gastfreundschaft der Sängergemeinschaft sogar über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist, kommt auch der Innenminister von Rheinland-Pfalz, Roger Lewentz, immer wieder gerne zu ihren Feiern. Seine geplant lange Festansprache fiel den hohen Temperaturen zum Opfer. Ein paar Sätze reichten aus, um dem Verein zu gratulieren und ihm für seine musikalische Zukunft alles Gute zu wünschen. Auch Rhein-Lahn-Nixe Christina I erwies sich als „Fan“ des Chors und richtete ein Grußwort an die Männer. Die Moderation des Konzertabends hatte Günter Groß, erster Vorsitzender des Kur- und Verkehrsvereins Lahnstein, übernommen. Ja, und der Stadtchef? Als Mitglied der Marinekameradschaft sprach Oberbürgermeister Peter Labonte zwar auch ein paar wohlwollende Worte, aber dann wollte er lieber „einer von Euch“ sein und übernahm zusammen mit seiner Ehefrau Erika das Bierzapfen an der Theke. Eine mehr als hilfreiche Geste. Als es dann endlich hieß „genug der Worte“, kam Chorleiter Wolfgang Fink eilenden Schrittes und wie immer voller Elan zu „seinen“ Männern, ließ den Notenständer Notenständer sein und „schaltete auf Konzertmodus“, um auswendig Einzelstimmen, kleinen und Gesamtchor souverän und konzentriert durch die Programmfolge zu geleiten. Die Ruhe und Sicherheit, die er ausstrahlte, gab den Sängern, die trotz des schwülen Sommerwetters in voller maritimer Montur auf der zum Schiffsdeck mit Reling und Positionslampen umdekorierten Bühne standen, das nötige Selbstvertrauen, um die Lieder pannenfrei darzubieten. Kein einziger Einsatz wurde verpatzt
Vierstimmig ausgelegter Chor
.In der ersten Konzerthälfte präsentierte der vierstimmig ausgelegte Chor, begleitet von den Akkordeon-, Gitarre- und E-Bass-Spielern jene Lieder, deren Arrangements noch die beiden früheren Chorleiter, Peter Klein und Wolfram Schenk, geschrieben haben. Mit dem Umschwenken auf die aktuelle „Ära Wolfgang Fink“ im zweiten Konzertteil wurde auch für das Publikum deutlich, wie sehr sich der Chor weiterentwickelt hat. Hieß es anfangs noch „Rolling Home“, „Seemann, deine Heimat“ oder „La Paloma“, so verlieh das modernere Liedgut, zu dem „Santiano“, „Five o’clock in the morning“ oder „Frei wie der Wind“ gehörten, dem Chorgesang ein viel frischeres Gesicht. Dass selbst Konzertpausen nicht musikfrei sein müssen, war im Shantychor-Konzert zu erleben, als die 56th District Pipe Band Koblenz pfeifend und trommelnd eine beeindruckende und klanggewaltige Darbietung bot. Nach dem Motto „Das Beste zum Schluss“ spielten sie den Klassiker „Amazing Grace“ zum Konzertende - dann sogar gemeinsam mit dem Shantychor. Das begeisterte Publikum forderte Zugaben, aber das kommt für den Chor nicht infrage. Mit „Amazing Grace“ muss Schluss sein. Die sehr berührende Wirkung des einer Hymne gleichkommenden Lieds, das von der Bekehrung eines Sklavenschiff-Kapitäns zum Christentum erzählt, soll nicht durch weitere Liedvorträge geschmälert werden. Statt der Zugabe gab es nach dem Konzert einen gefälligen Musikmix, dargeboten von DJ Detlef. Obwohl der harte Kern bis um zwei Uhr ausharrte, war für den nächsten Tag wieder frühes Aufstehen gefordert, denn der Frühschoppen vor dem Pfarrzentrum begann schon um 10.30 Uhr.
Wettergott ein Shanty-Freund
Der Wettergott ist offensichtlich ein Shanty-Freund, schließlich blieb es bis zum Nachmittag trocken und warm. Bevor es richtig losging, formierten sich die Shantysänger zum Chor, um ihrem Sangesbruder mit einem Lied zum Geburtstag zu gratulieren. Ansonsten waren an diesem Tag aber für die Musik die „Nocherner Dorfmusikanten“ zuständig. Die Instrumental-Musikgruppe, die schon das 31. Jahr ihres Bestehens erlebt, spielte dem Chor ein „Hoch soll’n sie leben“-Ständchen und übergab dem Vorsitzenden der Marinekameradschaft, Hans-Georg Schwamb, einen hölzernen Wappenteller als Geschenk. Mit Polka- und Marschmusik boten die Dorfmusikanten eine perfekt passende Untermalung zum lockeren Miteinander des Frühschoppens. Weil immer mehr Gäste von der Musik und der Fröhlichkeit des Festes angezogen wurden, mussten schon vor dem Erbsensuppen-Essen am Mittag zahlreiche Stühle und Tische zusätzlich aufgestellt werden. Für das leibliche Wohlergehen der Gäste sorgten auch jetzt wieder die Frauen der Shantysänger, deren selbst gebackene Kuchen reißenden Absatz fanden. Als das erfolgreiche und von Musik gekrönte Festwochenende zum Chor-Jubiläum langsam zu Ende ging, hinterließ es eine ein wenig erschöpfte, aber sehr zufriedene Sängerschar.
Auch Rhein-Lahn-Nixe Christina I erwies sich als „Fan“ des Chors. Foto: Privat
Die Nocherner Dorfmusikanten übergaben Hans-Georg Schwamb (re.) einen Wappenteller als Geburtstagsgeschenk für den Shantychor. Foto: BSB
