Verkehrsübungsplatz Rheinbrohl offiziell eröffnet
300.000 Euro Neubau am alten Platz für über 2.400 Kinder aus 14 Grundschulen
Rheinbrohl. „Ich war noch keine drei Monate im Amt, da kam Nadine Engebrecht vor etwa zwei Jahren auf mich zu und sagte, wenn jetzt nichts passiere, würde Sie den Verkehrsübungsplatz schließen“, sagte Jan Ermtraud, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bad Hönningen, bei der offiziellen Eröffnung des am alten Platz völlig neu gebauten Jugendverkehrsübungsplatzes im Rheinbrohler Ruth-Dany-Weg 2 an der Astrid-Lindgren-Schule. Und der alte Platz, über 50 Jahre alt, „war wirklich nicht mehr brauchbar. Wurzeln alter Bäume durchstießen den Asphalt und die Verkehrsführung war auch nicht mehr zeitgemäß“, sagt Polizeihauptkommissarin Engebrecht von der Polizeiinspektion Linz und als solche hauptberufliche Verkehrssicherheitsberaterin, die die Verkehrsunterrichte im Kreisgebiet mit fünf weiteren Kollegen durchführt. In Uniform unterrichten sie die Kinder der dritten und vierten Klassen auf solchen Plätzen in Sachen richtiges Radfahren und nehmen auch die praktische Radfahrprüfung bei den Schülern der vierten Klasse ab; ohne die dürfen die Schüler nicht im Straßenverkehr zur Schule fahren. 37.000 Schüler haben 2022 in ganz Rheinland-Pfalz diese Radfahrausbildung absolviert. Etwa 95 Prozent aller Viertklässler des Landes legen sie jedes Jahr ab.
Einvernehmlich auf jährlich Miete von 500 Euro geeinigt
300.000 Euro hat der Platz gekostet, 42 Seiten Förderantrag habe man geschrieben, um Geld aus dem Landesfördertopf Ganztagsschulenförderung, an dessen letztem Aufzählpunkt sich das Stichwort >Verkehrserziehungsplatz< versteckte, zu bekommen, erläuterte Ermtraud weiter. 200.000 Euro wurden zugesagt, die restlichen 100.000 Euro musste die Gemeinde selbst aufbringen. Und, um das Fördergeld auch zu bekommen, bis 31. Dezember 2021 fertig sein. Nur drei Monate Bauzeit hat daher das Team um Bauamtsleiter Achim Braasch gebraucht, um Bäume fällen, Asphalt legen, Straßenmarkierungen anbringen und Verkehrsschilder aufstellen zu lassen. Eine Ampelanlage, so Oliver Hinz von der Bauabteilung, stehe noch nicht, sei aber schon da und sobald das Wetter besser würde, wird sie aufgebaut. Unterhaltskosten fallen nach der Neuerrichtung zunächst kaum an. Aber zu deren künftigen und zur Finanzierung des Eigenbetrages zahlen die den Platz für ihre Schulen auch in Anspruch nehmenden Verbandsgemeinden - Unkel, Linz und Rengsdorf-Waldbreitbach, deren Bürgermeister auch bei der Eröffnung dabei waren - eine jährliche Miete von 500 Euro. Dafür können dann kreisübergreifend 14 Grundschulen mit insgesamt ca. 2.400 Grundschülern den 2.600m² großen Platz nutzen.
Rad fahrende Kinder immer unsicherer im Straßenverkehr
Und das ist eine gute Investition: 65 Verkehrsunfälle mit Kindern gab es im Kreis Neuwied 2022, dabei sind 10 Kinder schwer und 50 leicht verletzt verunglückt. Knapp 26 Prozent der insgesamt 86 verunglückten Kinder im gesamten Bereich der Polizeidirektion Neuwied, zu der auch der Kreis Altenkirchen gehört, waren per Rad, und rund 16 Prozent als Fußgänger unterwegs. „Wir haben immer mehr Kinder mit motorischen Defiziten und nicht genügend Muskelkraft; auch daher fehlt es an Orientierung im Raum, an Koordinationsfähigkeit und der Fähigkeit, Geschwindigkeiten richtig einschätzen zu können“, sagt Andrea Winkelmann, Rektorin der Bad Hönninger Grundschule und zugleich zuständige Fachberaterin für die Verkehrserziehung im Kreis Neuwied. Das wirke sich auch auf das Radfahren aus. „Denn Kinder werden motorisch immer weniger gefördert, viele erlernen das Radfahren nicht mehr im häuslichen Umfeld oder fahren nur wenig und damit sehr unsicher. Deshalb ist Verkehrserziehung auf solchen Plätzen extrem wichtig“, so Winkelmann weiter. Und mit ein paar Markierungen auf dem eigenen Schulhof erreiche man nicht das gewünschte Ziel. Die Fahrt zum Übungsplatz, die Atmosphäre des Übungsplatzes selbst und die Unterrichtung durch uniformierte Polizisten sei immer ein besonders nachhaltiges Erlebnis im Schulleben der Kinder und damit sehr zielführend in Sachen Verkehrssicherheit.
Im Kreis Neuwied gibt es in Neuwied-Oberbieber noch einen weiteren Übungsplatz und bei der Polizeiinspektion Straßenhaus eine sogenannte mobile Jugendverkehrsschule. D.h., die Polizei fährt von dort mit etwas Equipment zu den Schulen auf deren sogenannte Schulhofanlagen. Denn Verkehrserziehung ist Bestandteil des Lehrplanes und daher auch für die Schulen verpflichtend, die einen stationären Übungsplatz nicht gut erreichen können.
Neuer Verkehrsübungsplatz schon jetzt ein Erfolg
Der nun offiziell eröffnete Platz in Rheinbrohl würde auch schon außerhalb der Schulzeiten benutzt, berichtet Doris Brosowski, Rektorin der Astrid-Lindgren-Grundschule und Hausherrin der Anlage, denn auf dem Grundstück neben ihrer Schule liegt der über 50 x 50 Meter messende neue Platz. Sogar am Wochenende habe sie schon Eltern mit Kindern dort Rad fahren üben gesehen.
Und das geht auf dem wirklichkeitsgetreu angelegten Platz bestens: Kreisverkehr, Zebrastreifen, Einbahnstraße oder Rechts-vor-Links, die relevantesten Verkehrssituationen können hier gefahrlos geübt werden.
Und schaut man sich im alltäglichen Straßenverkehr um, könnte die Nutzergruppe des Platzes durchaus auch erweitert werden: Nämlich um etliche Fußgänger und Radfahrer, die dem Grundschulalter schon seit Jahrzehnten entwachsen sind. Ob die allerdings alle die Radfahrprüfung unter den Augen der Polizei auf Anhieb bestünden, darf bezweifelt werden
2.600m² groß ist der für 300.000 Euro kernsanierte Verkehrsübungsplatz an der Astrid-Lindgren-Schule in Rheinbrohl.
