Ausstellung im Stadtmuseum zeigt die Geschichte
„50 Jahre bauen und leben in Merl“
Meckenheim. Mit einem Festakt wurde am vergangenen Sonntag im Meckenheimer Stadtmuseum in Altendorf-Ersdorf eine Ausstellung über die Geschichte des Ortsteils Merl eröffnet. Auch wenn diese Ausstellung nur die vergangenen 50 Jahre begleitet, so ist Merl selbst doch wesentlich älter und wird erstmals 1199 urkundlich erwähnt, wie Dieter Ohm bei seiner Begrüßung betonte. Sein ganz besonderer Willkommensgruß galt dabei Bürgermeister Bert Spilles sowie Ehrenbürgerin Erika Meyer zu Drewer. Die ehemalige langjährige Ortsvorsteherin von Merl hatte auch zahlreiche Exponate aus ihrem privaten Fundus für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Im Wesentlichen wird jedoch in der Ausstellung die Entwicklung des Orts in den vergangenen 50 Jahren beleuchtet.
1968 zogen die ersten Familien in das Neubaugebiet Lehmwiese. Und es wurde weiter gebaut, in und um den alten Ortskern, auf dem Steinbüchel, hin zur Neuen Mitte und schließlich auf dem Merler Keil. Dies alles blieb nicht ohne Auswirkungen auf die Infrastruktur und hat natürlich auch viel mit der Besonderheit Meckenheims und dem Wachstum von Bonn als Bundeshauptstadt zu tun. Weil bereits damals das Wohnen in Bonn sehr teuer war und Wohnraum knapp, wurde ursprünglich Merl als Neubaugebiet in Meckenheim für rund 40.000 Einwohner geplant, erst später wurde dann auf eine realistische Zahl von 25.000 Einwohner zurückgegangen.
Und die Merler hatten stets einen eigenen Kopf, eine Autobahn vor der Tür wollten sie nicht. Dagegen wurde heftig protestiert, denn die Werbung versprach eine „ruhige Lage am Kottenforst“. Dafür gingen einige auch zu Fuß auf die Autobahn, wie damalige Fotos belegten. Doch selbst rechtliche Schritte halfen hier nichts, die Autobahn wurde wie geplant gebaut - mit der Notwendigkeit erheblicher Schallschutzmaßnahmen.
Als mit der kommunalen Neuordnung 1969 Merl seine Selbstständigkeit verlor und zur Stadt Meckenheim kam, war dies ebenfalls nicht gewünscht. Der damalige Gemeinderat beschloss, ein Fest zu organisieren, wie es Merl und Meckenheim noch nie gesehen hatten. Die Kirmes fand dann auch eine starke überregionale Beachtung, denn jeder Bürger, egal wie alt oder jung, erhielt vom damaligen Bürgermeister einen Gutschein über zehn Mark. Dieses Geld war das Guthaben des Ortes. Das sollte nicht in Meckenheim eingebracht werden, sondern es sollte in Merl bleiben. Zu diesem Fest spielte dann auch das Musikkorps der Bundeswehr auf dem Dorfplatz. Und der „Express“ titelte: „Ein Dorf verjubelt seinen Sparstrumpf“.
Dass die Eingemeindung Merls nicht zum Nachteil geriet, machte die weitere Entwicklung deutlich, denn der Ortsteil wuchs und gedieh. Bald wurden zahlreiche weitere Schulen, Kitas, Kirchen und Einkaufsmöglichkeiten gebraucht. Bürgermeister Bert Spilles ging in seinem Festvortrag ebenfalls auf die Historie ein und verwies auf einen gewonnenen Wettbewerb aus dem Jahr 1980/1981 des Landes Nordrhein-Westfalen mit dem Titel „Es geht um deine Gemeinde“. Er betonte, dass Merl stets Zuzugsgebiet war mit seinen vielen Neubaugebieten und dass dies für die neuen Bürger auch mit einem starken Integrationsdruck verbunden gewesen war, mussten sie sich doch in der Stadt mit den Altbürgern zusammenfinden. „Wie klappte das also mit den Aborigines?“ fragte Bürgermeister Spilles. Alle mussten die jeweiligen Eigenheiten verstehen und sich anpassen. Freilich sagten damals viele, sie würden die Jahre der Dienstzeit in Bonn verbringen und anschließend wieder zurückgehen. Doch vielfach ist es ganz anders gekommen. Und das spricht doch dann sehr für die Mentalität der Rheinländer. Und alle haben sich gut in die Stadt integriert, die wächst und gedeiht. Bert Spilles zählte auf, dass es in Meckenheim derzeit 18 Kitas und fünf Grundschulen gibt, die alle gut belegt sind. Sein besonderer Dank galt Erika Meyer zu Drewer für deren Begleitung in den vergangenen 50 Jahren. Zum Schluss ging der Bürgermeister auch noch auf das rege Vereinsleben der Merler ein, die sich aber auch stets lautstark in Meckenheim für ihre Belange einbringen würden. Sein Fazit: „Die Merler waren schon immer ein streitbares Völkchen.“ Und so sei Merl heute weniger ein Ortsteil, sondern ein Stadtteil von Meckenheim. STF
Bert Spilles, Ehrenbürgerin Erika Meyer zu Drewer und Dieter Ohm eröffneten die Ausstellung.
Bürgermeister Bert Spilles schaut sich Merler Karnevalsorden an.
