Allgemeine Berichte | 29.10.2020

Jubiläum beim Kolpingtheater in Bad Hönningen

50 Jahre glückliche Gesichter bei den Zuschauern

Theater-Laienspielgruppe hofft bald mit den Proben für das Jubiläumsstück beginnen zu können

1975 zeigte die Theater-Laienspielgruppe der Kolpingsfamilie mit „Schneider Wibbel“ ein unvergessenes Erfolgsstück. Foto: privat

Bad Hönningen. Die Theater-Laienspielgruppe der Kolpingsfamilie hätte in diesen Tagen allen Grund zu feiern: 50 Jahre Bühnenjubiläum im Gemeindezentrum St. Peter und Paul in Bad Hönningen - wäre da nicht das Corona-Virus, das es im April 2020 unmöglich machte mit den Proben zu beginnen und in der Folge auch die traditionsreiche Spielzeit in den Monaten Oktober und November verhinderte.

1970 begann alles mit dem lustigen Einakter „Herz und Schnauze“ von Martin Loewe, aufgeführt zu einem geselligen Abend der Kolpingsfamilie. Einstudiert wurde dieses Theaterspiel von Kolpingmitglied Gregor Krämer, der es verstanden hatte, einige junge Menschen um sich zu scharen und für Theater zu begeistern. Vom Erfolg dieser Aufführung hörte der damalige Leiter der Kur- und Badeverwaltung, Alfons Kesselheim, der die Laienspieler für Aufführungen im Rahmen des städtischen Kurprogramms engagierte. Die Resonanz beim Publikum war so überwältigend, dass man seitdem Jahr für Jahr mindestens zehn Aufführungen eines Theaterstücks auf die Bühne bringt.

In den Anfangsjahren standen Lustspiele, Komödien und Schwänke auf dem Programm. Gerne erinnert man sich an Erfolgsstücke wie „Schneider Wibbel“ von Hans Müller-Schlösser (1975), „Der Meisterboxer“ von Otto Schwartz und Carl Mathern (1977+1991) und „Weekend im Paradies“ von Franz Arnold und Ernst Bach (1997).

Mit dem plötzlichen Tod von Gregor Krämer im Jahr 2003 verlor die Gruppe ihren Regisseur und Spielleiter, aber insbesondere auch ihren väterlichen Freund, der stets ein offenes Ohr für seine jungen Leute hatte. 2004 übernahm Marco Zimmermann die Regie. Unter seiner Spielleitung wagte man sich erstmals an eine englische Komödie: „Und ewig rauschen die Gelder“ von Michael Cooney (2004+2014). Für die Spieler bedeutete das nicht nur das Auswendiglernen recht schwieriger Textpassagen, sondern auch eine intensivere Probenarbeit. Trotz anfänglicher Skepsis bei den Mitwirkenden sorgte das Stück mit seinem Wortspiel und seiner Situationskomik beim Publikum immer wieder für begeisterten Applaus.

Es folgten weitere englische Komödien. Hervorzuheben sind hierbei insbesondere die Erfolge der Komödien „Außer Kontrolle“ von Ray Cooney (2005+2016), „Der nackte Wahnsinn“ von Michael Frayn (2012) und „Hexenschuss oder Der Bandscheibenvorfall“ von John Graham (2017). Nach ihrem Regiedebüt mit „Verrückte Verhältnisse“ von Richard Harris (2009) und der Komödie von Ray Cooney und John Chapman „Und das am Hochzeitsmorgen“ (2010) übernahm Doris Rieck ab 2015 mit der „Komödie im Dunkeln“ von Peter Shaffer die Spielleitung.

2018 musste die Theater-Laienspielgruppe den tragischen Tod ihres langjährigen Mitspielers, Organisators und Freundes Reiner Pertzborn verkraften. Die Theatersaison wurde abrupt, noch vor Ende der Spielzeit abgebrochen. Wie sollte es weitergehen? Die Gruppe entschloss sich, weiterzumachen und glaubt damit ganz sicher im Sinne von Reiner gehandelt zu haben. Er hinterlässt eine große Lücke, nicht nur bei dem Ensemble, sondern auch auf der Bühne des Gemeindezentrums.

Mit der Entscheidung, 2019 wieder einmal ein deutsches Stück auf die Bühne zu bringen, hat die Gruppe den Nerv des Publikums erneut getroffen. „Die Seniorenklappe“ von Bernd Spehling fand großen Anklang beim Publikum. Sechs Monate Probenarbeit gehen einer gelungenen Premiere voraus. Am Anfang steht das Auswendiglernen des Textes. Der Bühnenbau beschäftigt die Gruppe 14 Tage und wenn dann die Requisiten und Kostüme zusammengetragen sind, beginnt die intensive Probenphase. Ein jährliches Probenwochenende bringt den letzten Schliff. Technik und Maske runden dann das Ganze ab. Die Öffentlichkeitsarbeit mit Internetseite, Plakat, Flyer und Programmheft und auch der Kartenvorverkauf liegen seit Jahren in bewährten Händen.

An die 70 Mitspieler schlüpften bisher bei der Laienspielgruppe in die verschiedensten Rollen. Als Mann der ersten Stunde ist noch immer Georg Rieck mit von der Partie. Heute besteht die Theatergruppe aus 14 Mitgliedern. Neben dem schauspielerischen Talent, das auf der Bühne gezeigt wird, hat fast jeder von ihnen auch noch eine Funktion in der Organisation übernommen.

Damit die Vorstellungen stattfinden können, werden viele helfende Hände im Hintergrund gebraucht. Beim Bühnenaufbau und Bühnenabbau unterstützen immer wieder hilfreiche Familienmitglieder die Gruppe. Schon seit vielen Jahren kümmert sich das gleiche Team um das Herrichten des Saales und den Getränkeverkauf in den Pausen. Nicht zu vergessen die ehemaligen MitspielerInnen, die schon mal für kurze Einspielungen oder auch als Souffleuse einspringen.

Denkt man an 50 Jahre Kolpingtheater, so denkt man an die ausverkauften Aufführungen mit großem Publikumserfolg, an die besonders liebevoll und mit Raffinesse ausgestatteten Bühnenbilder, an die aufgeregte Atmosphäre hinter der Bühne, wenn das Licht ausgeht und sich der Vorhang öffnet. Man denkt an das fröhliche Miteinander der Gruppe und an die Zufriedenheit jedes Einzelnen, wenn dann die Zuschauer nach der Vorstellung mit einem lachenden und glücklichen Gesicht nach Hause gehen. Zudem ist die Gruppe sehr stolz darauf, in jedem Jahr einen Betrag aus den Einnahmen des Kartenverkaufs an soziale Einrichtungen und Vereine spenden zu können.

Die Theater-Laienspielgruppe der Kolpingsfamilie Bad Hönningen bedauert sehr, gerade in ihrem Jubiläumsjahr nicht auftreten zu können. Sobald Theater wieder in relativer „Normalität“ möglich sein wird, wird sich die Gruppe zusammensetzen und hofft darauf, bald mit den Proben für das Jubiläumsstück beginnen zu können.

1975 zeigte die Theater-Laienspielgruppe der Kolpingsfamilie mit „Schneider Wibbel“ ein unvergessenes Erfolgsstück. Foto: privat

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