Modellhaftes Seniorenprojekt feierte 5-jähriges Bestehen
„555 Schritte“ sind aus dem Buchfinkenland nicht mehr wegzudenkenN
Gackenbach/Horbach. „Das war heute wieder ein wunderschöner Nachmittag, dem hoffentlich noch viele folgen!“ Mit diesen Worten brachte eine Bewohnerin des Seniorenzentrums Ignatius-Lötschert-Haus auf den Punkt, was der ehemaligen Lehrerin und anderen Ü-80-Senioren aus dem Buchfinkenland und darüber hinaus das Projekt „555 Schritte – fit bis ins höchste Alter“ bedeutet. Anlass war die Feier zum fünfjährigen Bestehen der modellhaften Senioreninitiative.
Gegründet im Herbst 2013 wird diese bis heute getragen vom Seniorenzentrum in Kooperation mit dessen Förderverein, dem Westerwald-Verein Buchfinkenland und dem Sportverein Horbach. Ein bewährtes Orgateam von sieben Leuten bereitet die abwechslungsreichen Treffen vor und führt diese mit Unterstützung der Betreuungskräfte des Altenheimes durch.
Waren zu Beginn 2013 nur 16 ältere „Buchfinken“ daran interessiert, so wurden es jedes Jahr mehr und es kommen heute selten weniger als 55 Hochaltrige und Gäste zu den regelmäßigen Treffen. Die Ältesten sind dabei schon weit über 90 Jahre alt. Otto Koch, als derzeit mit fast 93 Jahren ältester „555er“, versprach: „Ich bleibe bis zum 100. dabei!“
Jubiläumstreffen der 555er
Zum Jubiläumstreffen versammelten sich alle Seniorinnen und Senioren vor dem Altenheim, um von dort in 333 Schritten zum Pfarrheim neben der Gackenbacher Pfarrkirche zu spazieren. Dort wartete schon Yogalehrerin Stephanie Daun-Brater mit einem Workshop „Fit und gelassen im Alter durch den Alltag“. Obwohl der Raum bis auf den allerletzten Platz gefüllt war, gelang es, viele kleine Übungen zur Entspannung von Geist und Körper durchzuführen. Dabei störte es auch nicht, dass der SWR für eine Reportage das Geschehen begleitete.
Anschließend wurden die noch fehlenden 222 Schritte bis zum Ignatius-Lötschert-Haus gemütlich zurückgelegt, wo der schmucke Gesellschaftsraum nicht nur mit einem schönen Blick in die Landschaft des Buchfinkenlandes aufwartete. Fleißige Hände hatten bereits die Tische gedeckt und es duftete nach frischem Kuchen und Kaffee. Besonders freuten sich alle, dass von Benno Heibel bis zu Jürgen Simon, Bernd Eberz und Franz Schmitz alle bisherigen Heimleiter des Altenheimes zu der kleinen Feier gekommen waren.
Beispielhaft über den Westerwald hinaus
Heibel, der das Haus seit der Eröffnung 1966 lange Jahre geleitet hatte, meint anerkennend: „Was ihr hier als 555er macht ist beispielhaft über den Westerwald hinaus, da werden ältere Menschen aus dem Seniorenzentrum und den umliegenden Dörfern zusammengebracht“. Zudem werde bei den noch selbständig wohnenden Senioren die Angst vor dem Altenheim verringert. Passend dazu die Antwort auf die Frage, was den Teilnehmenden denn bei den Treffen am wichtigsten ist: „Die Gemeinschaft, dass die noch fitteren den anderen helfen“, meinte einer der 555er. Und viele nickten zustimmend.
Beim üblichen Heimat-Quiz stellte dann Franz-Josef Jung Fragen rund um die Geschichte des Seniorenprojektes. So kam heraus, dass bisher kein einziges Treffen der 555er ausgefallen war und schon sechsmal über 60 Teilnehmende gezählt wurden. Im zweiten Teil durften einige Westerwalder Redensarten gefunden werden. Zum Beispiel, wenn ein Geldstück zum anderen kommt, sagt der Wäller „Et läppert sich“. Gedacht wurde den Verstorbenen Emil Wagner (Gackenbach-Dies) und Richard Stendebach (MT-Ettersdorf).
Zur guten Laune bei der Feier trug dann Projektkoordinator Uli Schmidt bei, indem er die neuen „10 Gebote“ für die 555er vorstellte. Diese wurden von allen mit einigen Ergänzungen angenommen und sind jetzt das „Grundgesetz“ für die Zukunft der 555er. Diese Festlegungen reichen vom Grundsatz, dass die Treffen auch bei Wind und Regen stattfinden, bis dazu, dass immer „Neue“ bei den Treffen willkommen sind und diese auch von Orten außerhalb des Buchfinkenlandes kommen können.
Vorgestellt wurde abschließend die nächste Aktion: Am Mittwoch, 10. Oktober, gehen die 555er mal wieder auf Tour mit einem großen und einem kleinen Bus: Ziel ist dann das Haus der Geschichte in Bonn. Dort wird in drei altersgemäßen Gruppen barrierefrei durch die deutsche Geschichte in den Jahren nach 1945 geführt. Das wird sicher spannend für alle, die damals jung waren und heute um die 80 oder darüber sind! Und alle 555er wollen wieder mitkommen ...
