Allgemeine Berichte | 04.06.2018

Industrie- und Handelskammer Koblenz - Fachkräftereport

80 Prozent der Unternehmen jetzt oder bald vom Fachkräftemangel betroffen

Koblenz. Vier von fünf Unternehmen im IHK-Bezirk Koblenz sehen sich derzeit oder bald vom Fachkräftemangel betroffen. Dies gilt für praktisch alle Branchen, ergab eine Umfrage der IHK Koblenz bei ihren Mitgliedsunternehmen. Aus den Antworten hat sie einen regionalen Fachkräftereport erstellt, der erstmals auf einer breiten Datenbasis zeigt, was der viel zitierte Fachkräftemangel für die einzelnen Firmen wirklich bedeutet und welche Auswirkungen er hat. Geantwortet haben 262 Betriebe, die zusammen etwa 25.000 Beschäftigte repräsentieren. Sollte sich der Mangel nicht rasch beseitigen lassen, rechnen die Unternehmen mit deutlicher Mehrbelastung für die vorhandene Belegschaft und fürchten, Aufträge ablehnen zu müssen.

Drei von fünf Unternehmen schon jetzt vom Fachkräftemangel betroffen

Die wichtigste Erkenntnis aus der Umfrage: 58 Prozent der befragten Unternehmen sehen sich bereits vom Fachkräftemangel betroffen und rechnen auch künftig mit Schwierigkeiten. Weitere 22 Prozent spüren ihn momentan noch nicht, gehen aber künftig von einem Engpass aus. Nur jeder fünfte Betrieb sieht weder aktuell noch in der näheren Zukunft Schwierigkeiten.

Die Unternehmen, die sich bereits jetzt vom Fachkräftemangel betroffen sehen und auch künftig damit rechnen, verteilen sich über sämtliche Branchen. Besonders häufig berichten jedoch Betriebe der Dienstleistungswirtschaft von akuten Engpässen. Am zweitstärksten betroffen zeigen sich Tourismus und Gastgewerbe.

Gründe: Fluktuation, Expansion, Alter

Zudem wollte die IHK Koblenz wissen, aus welchen Gründen die Firmen neue Fachkräfte suchen. Die Top-Nennungen: Ersatz wegen Fluktuation von Beschäftigten (54 Prozent), Erweiterung wegen expansiver Geschäftstätigkeit (50 Prozent) und Ersatz wegen altersbedingten Ausscheidens (44 Prozent). Je nach Branche ist die Gewichtung dabei unterschiedlich. Während das altersbedingte Ausscheiden im produzierenden Gewerbe der Top-Grund ist, suchen Tourismus und Gastgewerbe vor allem Ersatz aufgrund von Fluktuation. Im Handel und in der Dienstleistungswirtschaft stehen Erweiterungen wegen expansiver Geschäftstätigkeit, für die zusätzliche Fachkräfte benötigt werden, ganz oben.

„Eindrucksvoller Beleg für die Bedeutung der Ausbildung“

Die meisten Betriebe sehen Herausforderungen bei der Suche nach Fachkräften mit abgeschlossener Ausbildung (73 Prozent). Ebenfalls großen Wert legen die Firmen auf Fachkräfte mit Langzeiterfahrung. Ungefähr jedes dritte Unternehmen (38 Prozent) sieht Schwierigkeiten darin, künftig genügend Auszubildende zu finden. Dagegen bereitet nur 16 Prozent der Firmen die Akquise von Fachhochschul- und Hochschulabsolventen Sorge. Dazu passt, dass sich 63 Prozent der befragten Unternehmen eine Stärkung der beruflichen Bildung wünschen, 65 Prozent plädieren zudem dafür, die Qualifikation der Schulabgänger zu verbessern.

„Dieses Ergebnis ist ein eindrucksvoller Beleg für die Bedeutung der dualen Ausbildung“, kommentiert Bernhard Meiser, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung der IHK Koblenz, die Umfrage, „wir werden deshalb künftig noch mehr dafür tun, junge Menschen und ihre Eltern von den Perspektiven einer beruflichen Ausbildung samt späteren Aufstiegsqualifizierungen zu überzeugen.“ Außerdem müssten die Berufsschulen als dualer Partner gestärkt werden. Zugleich empfiehlt die IHK Koblenz ihren Mitgliedsbetrieben, genügend Zeit und Ressourcen für Recruiting und Arbeitgebermarketing aufzuwenden.

Die Region für Arbeitnehmer bekannter machen

Angemahnt wird von den befragten Unternehmen zudem, die Region für Arbeitnehmer bekannter zu machen. „Die IHK setzt sich aktiv dafür ein, die Wahrnehmung unserer Region als attraktiver Standort zum Leben und Arbeiten zu verbessern. Nur so wird es dauerhaft gelingen, mehr Fachkräfte in der Region zu halten oder von anderswo zu gewinnen“, sagt dazu Robert Lippmann, Geschäftsführer Standortpolitik der IHK Koblenz.

Die Folgen des Mangels: Mehrbelastung, weniger Aufträge, nachlassende Innovationskraft

Ließe sich der Fachkräftemangel nicht rasch beseitigen, hätte das erhebliche Folgen für die Unternehmen. 73 Prozent fürchten dadurch eine andauernde Mehrbelastung der vorhandenen Belegschaft, was wiederum die Ausfallgefahr erhöht. Etwa jeder zweite Betrieb (57 Prozent) rechnet bei anhaltendem Fachkräftemangel damit, das eigene Angebot einschränken und Aufträge ablehnen zu müssen. In gleicher Größenordnung (54 Prozent) sehen die Firmen eine Einschränkung ihres Wachstumspotenzials. 30 Prozent fürchten zudem den Verlust von Wissen und Innovationsfähigkeit.

Der vollständige Fachkräftereport erscheint Mitte Juni als Broschüre, steht aber schon jetzt online zum Download bereit: www.ihk-koblenz.de/fachkraeftereport.

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