Allgemeine Berichte | 08.02.2017

Linzer Jecken kehren nach 15 Jahren mit ihrer Prunksitzung in das Hotel Weinstock zurück

Acht Linzer Corps und die Fanfaren boten ein fünfstündiges Spitzenprogramm

Wie üblich hoch hinaus ging es bei den Tänzen der grün-weißen Husaren. DL

Linz. Zu Beginn der Session hatte der Linzer Prinz Paul III. „vun de Fanfare“ im komplett ausverkauften Hotel Weinstock seine Proklamation gefeiert. Bei der Prunksitzung des Großen Linzer KG am Samstagabend konnte er an den Ort seines ersten närrischen Triumphs zurückkehren.

„So viele jecke Linzer wollten mit uns feiern, dass die Stadthalle viel zu klein war und wir nach 15 Jahren wieder in diesen großen Saal ziehen mussten“, freute sich Präsidentin Yvonne Adams-van Beek, nachdem sie pünktlich um 19.11 Uhr mit dem Elferrat auf die Bühne gezogen war. Von dort aus grüßte sie die Narrenschar, allen voran Bürgermeister Hans Georg Faust. „Leider kann unser Pastuur nicht mitfeiern, weil er sich beim Skilaufen nicht nur ein Bein, sondern auch noch die Hüfte gebrochen hat“, berichtete die Präsidentin, die dafür Gemeindereferentin Eva Dech als Mitglied der Möhnen willkommen hieß.

Vom Wintergarten aus hatte die Tollität das Geschehen verfolgt, um dann, angeführt von den Fanfaren, ruude Rusen werfend, das Bad in der jecken Menge zu genießen, die ihren Herrscher samt seiner Adjutanten Michael und Johannes frenetisch feierte. In seinen Grundfesten erbebte dann das Hotel, als das Dreigestirn nach einem dreifach donnernden Alaaf das Prinzenlied „mit Musik, vill Freud un Spaß“ anstimmte und auch dabei „su richtich Jas“ gab. „Keiner will hück heim. Dat is Linzer Karneval: he sin mir daheim!“, erklärte Paul III., bevor Michael Weinberg, sein Nachfolger als Leiter der Fanfarencorps mit seinen Musikern dann dafür sorgte, dass längst der sprichwörtliche Bär im Weinstock steppte.

Angesichts dieser aufgekratzten Stimmung hatte die Schwere Artillerie leichtes Spiel, die sich nach den Stadtsoldaten, dem Husarencorps Grün-weiß, den blau-wiessen Funken und dem „Blechkoochejedöns“ der Roten Husaren , so Commodore Christian Siebertz, auch einen Musikzug unter Leitung von Geburtstagskind Heinz Bündgen zugelegt hatte. Der ließ die 1. Linzer „Huckepack-Kapell“ aufmarschieren, die sich von Zwergen durch die Säle der VGT tragen lässt, wie Gruppensprecher Markus Siebertz versicherte, bevor er den Streit zwischen Kasbachern und Ockenfelsern aufs Korn nahm: „Bei dem heißt es, dem Motto des „US-Gruselclowns Donald, ich hab die Haare schön“ folgend: ‚Kasbach first‘“, spielte er auf die bevorzugte Talfahrt der Ockenfelser während der K 11-Sperrung über Schleichwege durch Kasbach an.

Im Sinne von Trumps alternativen Fakten stellte er dann den Stadtbürgermeister schon als Tollität 2018 vor. „Als Prinz Faust, aus dem Hause Goethe, stehen ihm Thomas Balasus und „Flippo“ Wölbert als zwei erfahrene Adjutanten zur Seite. Während er das Motto; ‚Bin gekommen aus Frankfurt am Main, um hier in Linz Euer Prinz zu sein‘ ausgibt, singt das kommende Dreigestirn als Prinzenlied den France Gall-Hit ‚Ein bisschen Goethe, ein bisschen Bonaparte!‘“, so der jecke Vorschlag der Artilleristen, bevor sie den grün-weißen Husaren auf der Bühne Platz machten.

„Der Saal atmet, da jeht einem et Hätz op“, strahlte Kommandant Nihat Kökce, der zunächst das Tanzpaar Nadja Klein und Günni Winnekes präsentierte, das von „jesternabend om halve aach“, berichtete. Nicht nur et „Sabinchen“, das Frauenzimmer, gar hold und tugendhaft, holte dann der Musikzug in den Saal, bevor er sich auch den „alten Kaiser Wilhelm“ herbeiwünschte. Statt seiner kam die Männertanzgruppe auf die Bühne.

Mit diesem tollen Beitrag hatte sich das stolze Corps die erste Rakete des Abends verdient, der eigentlich die zweite direkt hätte folgen können. Gemeinsam mit seinen Kollegen, Niklas Brockhaus von Blau-Wiess, Maximilian Klein von den Roten Husaren sowie Sebastian Mertesacker von den Stadtsoldaten erklärte Günni Winnekes den Tanzmariechen Maria Di Prima, Jannika Hömig, Svenja Müller und seiner Nadja Klein, „kein Mann für eine Nacht“ zu sein, obwohl die Farben bei dem Tanz schon mächtig durchgemischt wurden. „Das war eine geniale Sache. Schöner kann man mein Motto, ‚Mir all sin Linzer Karneval‘, wirklich nicht ausdrücken“, schwärmte Paul III., der den Tanzpaaren und ihren Kommandanten für diese Darbietung überschwänglich dankte.

Dann eroberte et „Vingströschen“, das schrillste Blümchen, das je ein Botaniker im Rheinland entdeckt hat, als Antwort aus Köln-Vingst auf Cindy aus Marzahn die Bühne. Als „Lady Gaga us d’r Papjeiensiedlung“ bezeichnete sich die 1,62 Meter große „Tussi im Minirock, Größe small Elephant“, die zu gerne Cheerleaderin beim FC geworden wäre.

„Vor 83 Jahren sind wir hier in diesem Saal gegründet worden“, erinnerte Stadtsoldaten-Kommandant Markus Paffhausen, nachdem seine staatzen Kääls samt Musikzug um Markus Mollberg nach diesem Angriff auf die Zwerchfelle aufmarschiert waren. Zunächst war Sebastian Mesenholl mim „Leckerche“ Svenja Müller an der Reihe, die zusammen mit den „schönsten Männer von Linz“ erklärten: „Jetz jeiht et loss, jetz jeiht et aff, mer sin de Künnije dä Naach.“ Erheblich weniger „gespenstig“ war der folgende Stippeföttchesdanz, zu dem Ehrenkommandant Siggi Bündgen „de Kabüs, de Zahabele und de Löffele“ präsentieren ließ, bevor es ans Wibbeln ging, von dem selbst der Prinz nicht verschont blieb. Mitmachen mussten wenig später auch die Jecken im Saal, allerdings nur als Sänger. „Ich sag Alaaf und Ihr ‚komm her un tanz mit mir‘“, führte sie Jan Eric Burkard in das Lied zum närrischen 33. Geburtstag des Musikzugs ein und versetzte die Narrenschar schier in Ekstase.

Das gelang auch den Möhnen unter der Regie von „Prinzessin“ Martina Kremer und Vize-Obermöhn Susanne Degen mit ihrer „Hitparade“.

Da wartete schon das Funkencorps Blau-wiess um Kommandant Marcus Zimmermann auf seinen Einsatz. „Es dat Hollywood?“ fragte die Tanzgruppe um Maria di Prima und Niklas Brockhaus, die dann aber als echte „Domstürmer“ von selber schnell erkannte: „Nä die Hölle vun Kölle!“ In eine Weinstock-Hölle verwandelte die Bla-Wi-Tro-Truppe mit Ehrenkommandant Rudolf Honnef als Beckenschläger unter der Leitung von Stephan Klein und Maximilian Henzenich den Saal nicht zuletzt mit ihrer Night-Lichtshow. Dann führte Bernd Berg als Vorsitzender das Tanzcorps Rote Husaren in den Saal und befahl Prinzentochter Verena Kremer, als Kommandeuse die Tanzgruppe um Jannika Hömig und Maxi Klein ins Rennen zu schicken.

Die von Rittmeister Wolfgang Stieger ins Leben gerufene Brass-Band des Corps, „et Blechjedöns“ um Dominik Arz, führte die Narrenschar unter anderem in „en steinahl Schull en d’r Kayjass Nummero Null“, wo Lehrer Welsch noch en unverfälschtes Kölsch“ sproch.

Das dürfte den Hunnen um ihren Attila Markus Blum-Biermann nur schwer über die Lippen gehen. Allerdings hatten sie schon mächtig dazugelernt und sich so assimiliert, dass sie von ihren Reittieren auf PS-stärkere Untersätze umgestiegen waren. Die musste zwar nicht mehr gestriegelt, wohl aber noch gewaschen werden, so das der Vorsitzenden Björn Hepenstrick seine Hotpants-Car-Wash-Mannschaft antreten ließ, bevor dann die Band „Uhles Underground“ lange nach Mitternacht mit ihrem Rockabilly noch einmal für ein akustisches Highlight sorgte.

DL

Acht Linzer Corps und die Fanfaren boten ein fünfstündiges Spitzenprogramm

Acht Linzer Corps und die Fanfaren boten ein fünfstündiges Spitzenprogramm

Wie üblich hoch hinaus ging es bei den Tänzen der grün-weißen Husaren. Fotos: DL

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare

BLICK aktuell-Bilderrätsel: Folge 3

  • Claus Wiest: Das Foto zeigt die Rheinfähre Linz-Remagen, aufgenommen von der Anfahrt auf der Linzer Seite mit Blick auf den Ort Kripp.
  • Bernd Kircher: Es ist der Ottenturm in der Andernacher Stadtmauer an der Verbindung zwischen Stadtgraben und Oberer Wallstraße.
  • Helma Bermel : Andernach Stadtmauer, am Stadtgraben.
  • Gabriele Schammler: Bilderrätsel Es handelt sich um einen Teil der Andernacher Stadtmauer in der Nähe der Burgruine.
  • Rita Butz: Sehr schön verfasster Bericht , sehr zutreffend und diese beiden " Helden " üben eine Vorbildfunktion für unsere Gemeinde aus !! L. G. verbunden mit meiner höchsten Wertschätzung!!
Imageanzeige Werbeplan 2026
Kirmes Polch 2026
Kirmes Polch
Heizölanzeige
Kirmes Polch
Kirmes Polch
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0253#
Verwaltung Immobilien
Empfohlene Artikel
Gerstensaft bis zum Abwinken: Im Biermuseum werden die Biermarken der Welt präsentiert. Foto: privat
16

Herzlich willkommen in Bitzen an der Sieg! Kennen Sie nicht? Macht nichts. Denn das Örtchen ist ziemlich klein und unscheinbar. Mittendrin steht ein Museum, das, an der Optik gemessen, garantiert nicht mit dem Louvre verwechselt wird. Muss es auch nicht. Denn dieses Biermuseum ist vor allem eins: kultig. Hier wird dem goldenen Gerstensaft ein echtes Denkmal gesetzt. Und zwar mit Herzblut. Verantwortlich...

Weiterlesen

Die Organisatoren und Sponsoren der diesjährigen „Nacht der Vulkane“.  Foto: AKS
17

Burgbrohl. Wo vor 13.000 Jahren Vulkane ausbrachen und mit Ascheregen und Strömen glühender Lava die Landschaft um den Laacher See für immer prägten, wird wie jedes Jahr auch 2026 gefeiert werden. Bei einer Pressekonferenz im Schloss Burgbrohl stellten die Organisatoren rund um Sarah Stein, Geschäftsführerin des Zweckverbandes „Sagenhafte Vulkanregion Laacher See“ sowie die beteiligten Orts- und Verbandsbürgermeister ein vielfältiges Programm vor.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Mara Hermes ist überzeugt von der Bedeutung des Ehrenamts.  Foto: privat
10

Besonders prägend waren für Mara die Einsätze nach der Flutkatastrophe im Ahrtal

HeimatHelden: Bad Neuenahr: Mara Hermes lebt das Ehrenamt

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Blutspenden, Karnevalsumzüge oder auch Großveranstaltungen wie Rock am Ring wären ohne sie kaum denkbar: die Ehrenamtlichen des Deutschen Roten Kreuzes. Sie engagieren sich in ihrer Freizeit, helfen Menschen in Not und leisten einen unverzichtbaren Beitrag für die Gesellschaft. In der Reihe „HeimatHelden“ stellt BLICK aktuell Menschen vor, die diesem Engagement ein Gesicht geben.

Weiterlesen

Seit Jahren ist Marvin beim DRK.  Foto: privat
9

Der junge Mann lebt das Ehrenamt an jedem Tag:

HeimatHelden: Niederzissen: Marvin Engel hat das Herz am rechten Fleck

Kreis Ahrweiler. Rund 1000 Ehrenamtliche engagieren sich im DRK-Kreisverband Ahrweiler e.V. – im Sanitätsdienst, bei Blutspenden oder als Helfer vor Ort. Sie helfen in der Not, sind für ihre Mitmenschen da und sichern den Katastrophenschutz im Kreis. Einer von ihnen ist Marvin Engel vom DRK-Ortsverein Niederzissen.

Weiterlesen

Die kleine Polly wird schmerzlich vermisst. Foto: privat
59

Rheinbrohl. Seit dem 22. April 2026 wird die junge Mischlingshündin Polly in 56598 Rheinbrohl vermisst. Die verzweifelten Besitzer wünschen sich nichts sehnlicher, als ihren geliebten Vierbeiner wieder in die Arme schließen zu können. Deshalb wenden sich die Besitzer nun an die Öffentlichkeit. Wichtig: Da Polly sehr schreckhaft ist, soll es keine große Suchaktion geben. Vielmehr wünschen sich die...

Weiterlesen

Holz Loth-Entsorgung
Anlagenmechaniker
Kirmes Polch 2026
Kirmes in Polch
neue Heizung?
Werksverkauf Anhausen
Rund ums Haus
Blumen Meyer Neueröffnung
Anzeige Jaadeporz 2026
Titelanzeige
Maibaumstellen Heimersheim
Kirmes Polch
Kooperationsgeschäft
Maifest in Gönnersdorf
Maifest Gönnersdorf
Maifest Gönnersdorf
Minijob
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr