Linzer Jecken kehren nach 15 Jahren mit ihrer Prunksitzung in das Hotel Weinstock zurück
Acht Linzer Corps und die Fanfaren boten ein fünfstündiges Spitzenprogramm
Linz. Zu Beginn der Session hatte der Linzer Prinz Paul III. „vun de Fanfare“ im komplett ausverkauften Hotel Weinstock seine Proklamation gefeiert. Bei der Prunksitzung des Großen Linzer KG am Samstagabend konnte er an den Ort seines ersten närrischen Triumphs zurückkehren.
„So viele jecke Linzer wollten mit uns feiern, dass die Stadthalle viel zu klein war und wir nach 15 Jahren wieder in diesen großen Saal ziehen mussten“, freute sich Präsidentin Yvonne Adams-van Beek, nachdem sie pünktlich um 19.11 Uhr mit dem Elferrat auf die Bühne gezogen war. Von dort aus grüßte sie die Narrenschar, allen voran Bürgermeister Hans Georg Faust. „Leider kann unser Pastuur nicht mitfeiern, weil er sich beim Skilaufen nicht nur ein Bein, sondern auch noch die Hüfte gebrochen hat“, berichtete die Präsidentin, die dafür Gemeindereferentin Eva Dech als Mitglied der Möhnen willkommen hieß.
Vom Wintergarten aus hatte die Tollität das Geschehen verfolgt, um dann, angeführt von den Fanfaren, ruude Rusen werfend, das Bad in der jecken Menge zu genießen, die ihren Herrscher samt seiner Adjutanten Michael und Johannes frenetisch feierte. In seinen Grundfesten erbebte dann das Hotel, als das Dreigestirn nach einem dreifach donnernden Alaaf das Prinzenlied „mit Musik, vill Freud un Spaß“ anstimmte und auch dabei „su richtich Jas“ gab. „Keiner will hück heim. Dat is Linzer Karneval: he sin mir daheim!“, erklärte Paul III., bevor Michael Weinberg, sein Nachfolger als Leiter der Fanfarencorps mit seinen Musikern dann dafür sorgte, dass längst der sprichwörtliche Bär im Weinstock steppte.
Angesichts dieser aufgekratzten Stimmung hatte die Schwere Artillerie leichtes Spiel, die sich nach den Stadtsoldaten, dem Husarencorps Grün-weiß, den blau-wiessen Funken und dem „Blechkoochejedöns“ der Roten Husaren , so Commodore Christian Siebertz, auch einen Musikzug unter Leitung von Geburtstagskind Heinz Bündgen zugelegt hatte. Der ließ die 1. Linzer „Huckepack-Kapell“ aufmarschieren, die sich von Zwergen durch die Säle der VGT tragen lässt, wie Gruppensprecher Markus Siebertz versicherte, bevor er den Streit zwischen Kasbachern und Ockenfelsern aufs Korn nahm: „Bei dem heißt es, dem Motto des „US-Gruselclowns Donald, ich hab die Haare schön“ folgend: ‚Kasbach first‘“, spielte er auf die bevorzugte Talfahrt der Ockenfelser während der K 11-Sperrung über Schleichwege durch Kasbach an.
Im Sinne von Trumps alternativen Fakten stellte er dann den Stadtbürgermeister schon als Tollität 2018 vor. „Als Prinz Faust, aus dem Hause Goethe, stehen ihm Thomas Balasus und „Flippo“ Wölbert als zwei erfahrene Adjutanten zur Seite. Während er das Motto; ‚Bin gekommen aus Frankfurt am Main, um hier in Linz Euer Prinz zu sein‘ ausgibt, singt das kommende Dreigestirn als Prinzenlied den France Gall-Hit ‚Ein bisschen Goethe, ein bisschen Bonaparte!‘“, so der jecke Vorschlag der Artilleristen, bevor sie den grün-weißen Husaren auf der Bühne Platz machten.
„Der Saal atmet, da jeht einem et Hätz op“, strahlte Kommandant Nihat Kökce, der zunächst das Tanzpaar Nadja Klein und Günni Winnekes präsentierte, das von „jesternabend om halve aach“, berichtete. Nicht nur et „Sabinchen“, das Frauenzimmer, gar hold und tugendhaft, holte dann der Musikzug in den Saal, bevor er sich auch den „alten Kaiser Wilhelm“ herbeiwünschte. Statt seiner kam die Männertanzgruppe auf die Bühne.
Mit diesem tollen Beitrag hatte sich das stolze Corps die erste Rakete des Abends verdient, der eigentlich die zweite direkt hätte folgen können. Gemeinsam mit seinen Kollegen, Niklas Brockhaus von Blau-Wiess, Maximilian Klein von den Roten Husaren sowie Sebastian Mertesacker von den Stadtsoldaten erklärte Günni Winnekes den Tanzmariechen Maria Di Prima, Jannika Hömig, Svenja Müller und seiner Nadja Klein, „kein Mann für eine Nacht“ zu sein, obwohl die Farben bei dem Tanz schon mächtig durchgemischt wurden. „Das war eine geniale Sache. Schöner kann man mein Motto, ‚Mir all sin Linzer Karneval‘, wirklich nicht ausdrücken“, schwärmte Paul III., der den Tanzpaaren und ihren Kommandanten für diese Darbietung überschwänglich dankte.
Dann eroberte et „Vingströschen“, das schrillste Blümchen, das je ein Botaniker im Rheinland entdeckt hat, als Antwort aus Köln-Vingst auf Cindy aus Marzahn die Bühne. Als „Lady Gaga us d’r Papjeiensiedlung“ bezeichnete sich die 1,62 Meter große „Tussi im Minirock, Größe small Elephant“, die zu gerne Cheerleaderin beim FC geworden wäre.
„Vor 83 Jahren sind wir hier in diesem Saal gegründet worden“, erinnerte Stadtsoldaten-Kommandant Markus Paffhausen, nachdem seine staatzen Kääls samt Musikzug um Markus Mollberg nach diesem Angriff auf die Zwerchfelle aufmarschiert waren. Zunächst war Sebastian Mesenholl mim „Leckerche“ Svenja Müller an der Reihe, die zusammen mit den „schönsten Männer von Linz“ erklärten: „Jetz jeiht et loss, jetz jeiht et aff, mer sin de Künnije dä Naach.“ Erheblich weniger „gespenstig“ war der folgende Stippeföttchesdanz, zu dem Ehrenkommandant Siggi Bündgen „de Kabüs, de Zahabele und de Löffele“ präsentieren ließ, bevor es ans Wibbeln ging, von dem selbst der Prinz nicht verschont blieb. Mitmachen mussten wenig später auch die Jecken im Saal, allerdings nur als Sänger. „Ich sag Alaaf und Ihr ‚komm her un tanz mit mir‘“, führte sie Jan Eric Burkard in das Lied zum närrischen 33. Geburtstag des Musikzugs ein und versetzte die Narrenschar schier in Ekstase.
Das gelang auch den Möhnen unter der Regie von „Prinzessin“ Martina Kremer und Vize-Obermöhn Susanne Degen mit ihrer „Hitparade“.
Da wartete schon das Funkencorps Blau-wiess um Kommandant Marcus Zimmermann auf seinen Einsatz. „Es dat Hollywood?“ fragte die Tanzgruppe um Maria di Prima und Niklas Brockhaus, die dann aber als echte „Domstürmer“ von selber schnell erkannte: „Nä die Hölle vun Kölle!“ In eine Weinstock-Hölle verwandelte die Bla-Wi-Tro-Truppe mit Ehrenkommandant Rudolf Honnef als Beckenschläger unter der Leitung von Stephan Klein und Maximilian Henzenich den Saal nicht zuletzt mit ihrer Night-Lichtshow. Dann führte Bernd Berg als Vorsitzender das Tanzcorps Rote Husaren in den Saal und befahl Prinzentochter Verena Kremer, als Kommandeuse die Tanzgruppe um Jannika Hömig und Maxi Klein ins Rennen zu schicken.
Die von Rittmeister Wolfgang Stieger ins Leben gerufene Brass-Band des Corps, „et Blechjedöns“ um Dominik Arz, führte die Narrenschar unter anderem in „en steinahl Schull en d’r Kayjass Nummero Null“, wo Lehrer Welsch noch en unverfälschtes Kölsch“ sproch.
Das dürfte den Hunnen um ihren Attila Markus Blum-Biermann nur schwer über die Lippen gehen. Allerdings hatten sie schon mächtig dazugelernt und sich so assimiliert, dass sie von ihren Reittieren auf PS-stärkere Untersätze umgestiegen waren. Die musste zwar nicht mehr gestriegelt, wohl aber noch gewaschen werden, so das der Vorsitzenden Björn Hepenstrick seine Hotpants-Car-Wash-Mannschaft antreten ließ, bevor dann die Band „Uhles Underground“ lange nach Mitternacht mit ihrem Rockabilly noch einmal für ein akustisches Highlight sorgte.
DL
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