Allgemeine Berichte | 19.07.2024

Jahresversammlung der Ahmadiyya-Gemeinde auf dem Flugplatz Mendig vom 23.-25. August

Ahmadiyya-Gemeinde informierte über Ziele und Ablauf ihrer Jahresversammlung auf dem Flugplatz Mendig

Unter den rund 40 Gästen waren auch Vertreter der Polizei und Kommunalverwaltung.  Fotos: AWi

Mendig. Über drei Tage im August wird die muslimische Reformgemeinde Ahmadiyya ihre Jahresversammlung auf dem Flugplatz Mendig abhalten. Bei einer von einer Ausstellung zum Islam umrahmten öffentlichen Informationsveranstaltung am 16. Juli informierten Vertreter der Ahmadiyya-Gemeinde über den Ablauf der Veranstaltung und beantworteten Fragen der Besucher.

45.000 Besucher an drei Tagen – Polizei erwartet keine Probleme

Einmal jährlich hält die Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ), das bedeutet muslimische Ahmadiyya Gemeinde oder Gemeinschaft, ihre „Jährliche Versammlung“ (Jalsa Salana) ab. Letztes Jahr war man auf dem Stuttgarter Messegelände, die diesjährige 48. Jahresversammlung soll vom 23. – 25. August auf dem Flughafen Mendig stattfinden. Gerechnet wird mit rund 45.000 Besuchern auf die drei Tage verteilt. Die Veranstaltung wird ohne Musik und natürlich auch ohne Alkohol stattfinden. „Wir treffen uns, um uns in Gesprächen und Workshops auszutauschen, weiterzuentwickeln und zu begegnen“, sagt Abdullah Uwe Wagishauser (74), seit 1984 Bundesvorsitzender der Ahmadiyya-Gemeinde in Deutschland. 8.000 ehrenamtliche Mitglieder der Gemeinschaft sorgen für die Organisation, Aufbau, Ablauf und Abbau.

„Wir haben uns bei den Stuttgarter Kollegen erkundigt, da waren alle zufrieden und es gab keinerlei Probleme“, sagte Lothar Rink, Leiter der Polizeiinspektion Mainz, zu Blick aktuell. Die Vertreter der Gemeinde seien bei allen Gesprächen im Vorfeld, wo alle Themen der Organisation und Sicherheit besprochen wurden, so transparent offen und freundlich wie bei der Informationsveranstaltung aufgetreten. „Es sind eben viele Menschen, die da kommen, aber Probleme sehen wir erst einmal nicht“, so Rink weiter.

Alle können kommen, Eintritt und Verpflegung frei

Teilnehmen kann jeder. Der Eintritt ist kostenlos. Besucher erhielten am Eingang nach Anmeldung einen Besucherausweis, Mitglieder der Gemeinden hätten ohnehin einen Mitgliederausweis dabei, der sie ausweist, erklärt Musawar Bhatti, für den interreligiösen Dialog zuständig, gegenüber Blick aktuell. Die Gemeindemitglieder kämen aus dem gesamten Bundesgebiet und auch aus Europa, so Bhatti weiter. Es wird mit etwa 7.500 Fahrzeugen pro Tag gerechnet, für die Parkplätze auf dem Gelände ausgewiesen sind. Alle mit dem Auto anreisenden sind informiert und aufgefordert, nur die Ausfahrt Kruft zu benutzen. Etliche Besucher werden abends nach Hause fahren, einige in umliegenden Hotels übernachten und man rechne mit 1.000 Personen, die auf dem Gelände campen und übernachten werden. Das geht aber nur nach vorherigem Antrag beim Organisationsteam; 800 Anmeldungen gebe es dafür bis jetzt. 2 – 3.000 Besucher werden mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen.

Bundesvorsitzender Wagishauser lud in seiner Ansprache jeden und alle ein, die Veranstaltung zu besuchen, um sich ein eigenes Bild zu machen. Es werden täglich drei Mahlzeiten kostenlos, auch für Besucher gereicht, sogar etwa 40 – 50 Ärzte und 20 Ärztinnen werden für Notfälle vor Ort sein. Es gibt keine geschlossenen Bereiche oder geschlossene Teilveranstaltungen, alles ist offen und kann von jedem besucht und betreten werden. Absoluter Höhepunkt der Veranstaltung wird für die Gemeindemitglieder der Besuch des spirituellen Oberhauptes der Gemeinde, deren Hauptsitz in Tilford / Großbritannien ist, sein. Hadhrat Mirza Masroor Ahmad ist seit 2003 der fünfte gewählte Nachfolger des verheißenen Messias, Hadhrat Mirza Ghulam Ahmadas (1835-1908). Letzterer begründete die Reformgemeinde 1889 in Indien. Nach seinem Tod gab es fünf demokratisch gewählte Kalifen, was wörtlich übersetzt Nachfolger heißt.

„Liebe für alle, Hass für keinen“

Nachdem die bisherigen Jahresversammlungen immer innen stattgefunden hätten, habe das jetzige Oberhaupt geraten, auch nach den guten Erfahrungen bei der Jugendversammlung der Gemeinde mit 6.000 Menschen 2018 auf dem Mendiger Flugplatz, „wieder nach draußen, in die Natur zu gehen“. So sei die Wahl sozusagen erneut auf Mendig gefallen, erläutert Musawar Bhatti.

Aus dem Publikum stellte ein gewerbetreibender Unternehmer die Frage, was bei den vielen Menschen, die da kommen werden, getan würde, um Sicherheitsprobleme zu vermeiden und vor allem, wie sichergestellt werden solle, dass sich keine radikalen Islamisten einschleichen. Lothar Ring von der Polizei Mainz konnte die Bedenken zerstreuen. Es gebe ein ausgefeiltes Sicherheits- und Polizeikonzept. Die Polizei werde rund um die Uhr vor Ort sein und den Verkehr und den öffentlichen Raum im Blick haben. Auch der Bundesvorsitzende Wagishauser wies auf eigene Sicherheitskonzepte der Gemeinde hin und darauf, dass es bei den bisherigen 47 Veranstaltungen nie zu Problemen kam. Für die Teilnehmer stehe ohnehin das Leitmotiv der Reformgemeinde – neudeutsch Motto – im Mittelpunkt ihrer Überzeugung und auch der Veranstaltung: Liebe für alle, Hass für keinen. Auch Stadtbürgermeister Achim Grün (CDU) steht der Veranstaltung positiv gegenüber: „Ich sehe das nicht kritisch und verlasse mich auch auf die Einschätzungen der Polizei“, sagte er auf Nachfrage zu Blick aktuell.

Eine weitere Frage aus dem Publikum war die nach Beteiligung von Frauen. Wagishauser erläuterte, dass die Frauen einen von ihnen gestalteten und betreuten Bereich haben werden, aber dass die Vorträge u.s.w. gemischt besucht werden. Laut Angabe der Gemeinde ist die AMJ mit der 1922 gegründeten „Lajna Imaillah“ die einzige muslimische Gemeinde mit einer eigenen, unabhängigen und sich selbst verwaltenden Frauenorganisation, die in ihrer Art die erste islamische Frauenbewegung überhaupt verkörpere. Die Gemeinde setzt sich für die Bildung von Frauen ein. Zwangsheirat oder Unterdrückung der Frau wird als unvereinbar mit der islamischen Lehre angesehen, heißt es auf der Internetseite der AMJ und in den bei der Informationsveranstaltung ausgelegten Flyern.

Bekommen Einwohner Mendigs einen Vorbesuchstag?

Verbandsbürgermeister Jörg Lempertz (CDU) war ebenfalls im Publikum. Er bedankte sich im Zuge seiner Wortmeldung für den offenen und transparenten Start, auch mit dieser Informationsveranstaltung. Er regte an, den Einwohnern Mendigs einen Vorbesuchstag einzuräumen und sie so besonders einzubinden und zu informieren. Auch die Nutzung der Zeltstadt für weitere künftige gemeinsame Veranstaltungen schlug er vor. Der Bundesvorsitzende Abdullah Uwe Wagishauser griff das in seiner Antwort auf: „Das ist eine gute Idee, die wir gerne prüfen, der Donnerstag vor Veranstaltungsbeginn würde sich als Vorbesichtigungstag anbieten. Für uns sind die Mendiger Bürger ohnehin keine normalen Gäste, sondern Nachbarn“.

„Die gesamte Veranstaltung wird von der AMJ selbst, aus den Mitgliedsbeiträgen der Gemeinschaftsmitglieder, finanziert. Es gibt keine Zuschüsse oder Kosten, die von anderer Seite getragen werden“, ergänzt Musawar Bhatti.

Wegen zeitgemäßer Islaminterpretation weltweit verfolgt

Die AMJ ist seit 2013 die erste islamische Körperschaft des öffentlichen Rechts und damit den großen Kirchen rechtlich gleichgestellt.

Nach Angaben der AMJ hat die Gemeinschaft über 10 Millionen Mitglieder in 189 Staaten weltweit. In Deutschland gebe es etwa 30.000 Ahmadis, so werden die Mitglieder der Gemeinschaft genannt, in den örtliche Gemeinden in 180 Städten und Ortschaften, die in 24 Regionen organisiert seien. Religiös betreut würden sie von zehn Imamen (Theologen), die seit 2012 am gemeindeeigenen Institut für islamische Theologie in Riedstadt, Hessen ausgebildet werden und ein siebenjähriges Studium durchlaufen müssen. Weiter heißt es auf der Webside und in Informationsschriften der Gemeinde unter anderem: „Die AMJ ist die einzige islamische Bewegung, die daran glaubt, dass der von allen Muslimen erwartete Reformer und Messias in der Person des Gründers der Gemeinde, Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad (1835-1908), bereits erschienen ist. Alle anderen Muslime warten nach wie vor auf diese Person. Die Gemeinschaft tritt für die ursprünglichen Werte des Islam ein: Barmherzigkeit gegenüber allen Menschen, absolute Gerechtigkeit, Gleichwertigkeit von Frau und Mann, Trennung von Religion und Staat, Beendigung gewalttätiger Aktionen im Namen der Religion sowie die Menschenrechte, wie sie im Koran festgelegt worden sind.

Darüber hinaus schließt die AMJ Gewalt und Zwang in Glaubensdingen kategorisch aus und befürwortet eine strikte Trennung von Staat und Religion. Nach ihr ist ein Muslim zur Loyalität gegenüber einer nicht-muslimischen Regierung verpflichtet. Die Auffassung, jemand der aus dem Islam austrete, müsse getötet werden, ist falsch und steht im Widerspruch zum Koran. Die Gemeinde ist eine Verfechterin der universellen Menschenrechte und setzt sich für den Schutz von religiösen und anderen Minderheiten ein.

Aufgrund ihrer zeitgemäßen Interpretation des Islam wird die AMJ von vielen orthodoxen Muslimen als häretisch (eine religiöse Irrlehre vertretend) betrachtet und ihre Mitglieder in fast allen islamischen Ländern verfolgt. Die muslimischen Geistlichen sehen in der AMJ eine große Gefährdung ihrer bestehenden Machtstrukturen, so dass die AMJ heute die am meisten verfolgte islamische Gemeinde der Welt ist.“

Laut Informationen auf der Webside des Institutes für Islamfragen wurde die Ahmadiyya-Bewegung 1974 auf Betreiben Saudi-Arabiens aus der islamischen Gemeinschaft ausgeschlossen, 1976 bezeichneten saudi-arabische Gelehrte Ahmadiyya-Anhänger offen als „Ungläubige“ (also als Nichtmuslime) und verwehrten ihnen auch den Zugang nach Mekka.

Der Bundesvorsitzende der Ahmadiyya-Gemeinde in Deutschland, Abdullah Uwe Wagishauser, erläutert den Besuchern Ziel und Ablauf der Jahresversammlung im August.

Der Bundesvorsitzende der Ahmadiyya-Gemeinde in Deutschland, Abdullah Uwe Wagishauser, erläutert den Besuchern Ziel und Ablauf der Jahresversammlung im August.

Nach der Informationsveranstaltung lud die Ahmadiyya-Gemeinde zu einem Snack-Buffet.

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Bestandteil der Ausstellung zum Islam war auch der Koran in vielen verschiedenen Sprachausgaben.

Bestandteil der Ausstellung zum Islam war auch der Koran in vielen verschiedenen Sprachausgaben.

Unter den rund 40 Gästen waren auch Vertreter der Polizei und Kommunalverwaltung. Fotos: AWi

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