Die Realschule plus Cochem und ihre Erfahrungen mit dem Lernen „auf Distanz“
Alle wünschen sich den „normalen“ Alltag zurück
Telefongespräche und reger Emailkontakt mit Schülerinnen und Schülern von morgens bis spät abends ist Bestandteil des derzeitigen Arbeitsalltages
BLICK aktuell: Waren Sie auf die Schulschließung vorbereitet?
RS plus Cochem: An den letzten beiden Tagen vor der Schulschließung hat sich bereits angekündigt, dass die Schulen für einen ungewissen Zeitraum geschlossen werden könnten. Daher haben sich die Lehrkräfte um Emaillisten und Telefonlisten der Schülerinnen und Schüler gekümmert. Dieser Vorlauf hat das Arbeiten immens erleichtert. Seitens der Schulleitung wurde immer offen und schnell kommuniziert, wie die kommenden Wochen organisiert werden und welche Vorraussetzungen für die besondere Zeit gelten.
BLICK aktuell: War es problematisch, ein passendes Programm/Tool zu finden, mit dem Sie das Home-Schooling, angepasst an alle technischen Voraussetzungen der Schüler, durchführen konnten?
RS plus Cochem: Für mich war die Suche nach einem passenden Tool kein Problem. An der Realschule plus Cochem arbeiten einige Lehrer schon seit Jahren mit „moodle“, einer Lernplattform des Pädagogischen Landesinstituts Rheinland-Pfalz. Die Schülerinnen und Schüler, die mit der Plattform vertraut waren, konnten ohne Übergangszeit an ihren Aufgaben weiterarbeiten. Für alle anderen Jugendlichen wurde die „Schulbox“ eingerichtet, bei der die Lehrkräfte Material zum Download bereitstellen. Auch in dieser Hinsicht hat das Kollegium der Realschule plus Cochem miteinander dafür gesorgt, dass alle Schülerinnen und Schüler mit Material versorgt werden konnten.
BLICK aktuell: Wie hat sich Ihr Arbeitsalltag als Lehrer geändert?
RS plus Cochem: Natürlich hat sich der Alltag für uns Lehrer gewandelt. Vorab sollte aber deutlich gesagt werden, dass sich wohl jeder Lehrer den „normalen“ Alltag wünscht und auf diese Ausnahmesituation lieber verzichten würde. Das direkte Vermitteln von Lernstoff, die emotionale Auseinandersetzung mit Themen und Aufgabenstellungen und der zwischenmenschliche Kontakt sind nicht zu unterschätzende Faktoren beim Lehren und Lernen. Diese Faktoren in eine Art „Home-Schooling“ zu übermitteln ist nur in Ansätzen möglich. Das bedeutet für das Lehrpersonal eine sehr viel höhere Vorbereitungszeit für den zur Verfügung gestellten Lernstoff. Der Lehrer als Medium oder Vermittler rückt aktuell mehr in den Hintergrund. Nur für wenige Schülerinnen und Schüler stellt dies kein Problem dar. Für die Lehrkraft bedeutet das aktuell, dass Telefongespräche und reger Emailkontakt mit Schülerinnen und Schülern von morgens bis spät abends der Arbeitsalltag ist. Dieser enge Kontakt zwischen Lehrpersonal und Schülerschaft ist wichtig, um gemachte Fehler zu korrigieren und Lernfortschritte trotz der Schulschließung zu garantieren.
BLICK aktuell: Wie ist Ihr Empfinden und wie sind Ihre Erfahrungen? Kommen die Schülerinnen und Schüler mit dem Home-Schooling klar? Haben sich Leistungen verändert?
RS plus Cochem: An dieser Stelle fällt es schwer, eine allgemeine Aussage zu treffen. Ich bin bisher mit den Rückmeldungen und der Arbeitshaltung unserer Schülerinnen und Schüler sehr zufrieden. Sobald Jugendliche Probleme haben, können Sie auf allen möglichen Wegen mit den Lehrkräften kommunizieren. Viele Probleme oder Fragen lassen sich in einem kurzen Telefonat klären.
Zu verändernden Leistungen verweise ich auf das Schreiben von Frau Hubig.
BLICK aktuell: Könnten Sie sich vorstellen, dass Home-Schooling zu einem festen Bestandteil wird im regulären „normalen“ Schulalltag?
RS plus Cochem: Ich denke, dass der „normale“ Schulalltag für den Großteil der Schülerschaft die beste Art des Lernens bietet. Die Arbeit am Computer sollte noch weiter fokussiert werden. Mit den aktuellen Förderprogrammen erreichen wir genau das. Es sollte nicht unterschätzt werden, welchen Einfluss die schulische Gemeinschaft auf die Sozialisierung der Jugendlichen hat. Im Austausch mit Gleichaltrigen und dem Lehrpersonal werden Grundsteine des sozialen Miteinanders vermittelt, die in unserer Gesellschaft von sehr großer Bedeutung sind. Home-Schooling kann daher für mich persönlich zukünftig nur eine Ergänzung zum „normalen“ Schulalltag darstellen.
BLICK aktuell: Wie bereiten Sie sich auf die Schulöffnung vor?
RS plus Cochem: Die Realschule plus Cochem arbeitet schon intensiv an der kommenden Schulöffnung. Die Schulleitung versorgt das Lehrpersonal mit allen nötigen Informationen und bietet gleichzeitig den bestmöglichen gesundheitlichen Schutz. Alle Maßnahmen, die für eine Schulöffnung nötig sind, werden aktuell umgesetzt. Daher fühle ich mich schon heute sehr gut auf die Öffnung der Schule vorbereitet.
Die Notbetreuung steht nach wie vor zur Verfügung. Die Anmeldungen zur Notbetreuung liefen sehr zögerlich, wahrscheinlich auch aus Sorge um Hygiene etc. Wir haben noch Kapazität und freuen uns, Schülerinnen und Schüler begrüßen zu können. Zudem müssen wir ab der Schulöffnung ein striktes Hygieneprogramm einhalten, welches natürlich auch für die Notbetreuung gilt. Kolleginnen und Kollegen stehen für Fragen und Antworten bereit und helfen auch bei Aufgaben, die im Home Schooling schwer fallen. Das Home Schooling ist eine Möglichkeit, die Eigenverantwortung der Schüler für ihr Lernen stärker auszubilden und zu fördern. Mit gezielten Anweisungen erhalten sie die Möglichkeit des selbstgesteuerten Lernens, welches auf den späteren Berufsalltag vorbereitet. Diejenigen, die Unterstützung benötigen, weil ihnen jenes Lernen schwer fällt oder weil die Eltern beruflich so stark eingebunden sind und ihren Kindern nicht die notwendige Unterstützung zukommen lassen können, sind herzlich willkommen.
SPS
