Das für 5,2 Millionen Euro erweiterte und restaurierte Abwasserwerk wurde offiziell in Betrieb genommen
Alles klar durch die Pantoffeltierchen
Unzählige Einzeller vernichten organischen Schmutz in renovierter Großkläranlage in Urmitz-Bahnhof
Mülheim-Kärlich. Pantoffeltierchen heißen die Einzeller, die mit anderen Mikroorganismen in der zentralen Großkläranlage der Verbandsgemeinde Weißenthurm den organischen Schmutz vernichten. Diesen unzähligen Kleinstlebewesen geht es jetzt noch besser, denn eine neue Plattenbelüftung sorgt in ihren Becken für mehr Sauerstoff und damit auch für noch bessere Lebensbedingungen.
Diese Plattenbelüftung ist eines der Highlights der Renovierung und Erweiterung der zentralen Großkläranlage der Verbandsgemeinde Weißenthurm in der Rheinaue im Mülheim-Kärlicher Stadtteil Urmitz-Bahnhof.
Jetzt wurde das ertüchtigte Abwasserwerk, es verschlang rund 5,2 Millionen Euro, von VG-Bürgermeister Georg Hollmann im Beisein des Kreisbeigeordneten Rudi Zenz, der Beigeordneten Thomas Przybylla, Herbert Nickenig und Raimund Israel, Stadt- und Ortsbürgermeister der VG sowie Mitglieder des Verbandsgemeinderats und des Werkausschusses, offiziell auch durch die Einsegnung von Pfarrer Günter Vogel in Betrieb genommen.
„Die heutige Einweihung der Kläranlage Urmitz-Bahnhof ist ein weiterer Schritt auf dem Weg nachhaltig eine bestmögliche Umwelt in unserer Verbandsgemeinde zu schaffen“, erklärte Bürgermeister Georg Hollmann und weiter: „Dazu gehört wesentlich eine effiziente und ökologisch einwandfreie Abwasserbeseitigung.“
Dabei verwies Hollmann auf den Trinkwassermangel in vielen Regionen der Welt und die Notwendigkeit Schmutzwasser zu regenerieren. „Zu den größten Herausforderungen des Umweltschutzes gehört die Sicherung des Wassers als unser wichtigstes Lebensmittel und Wirtschaftsgut. Gute Wasserversorgung ist seit jeher wichtig und für die Menschen sogar lebenswichtig. Hinzu kommt eine gute Wasserentsorgung, die Abwasserbeseitigung“, unterstrich der Bürgermeister und fügte hinzu: „Wir haben die biologischen Reinigungsstufen unserer Kläranlage erneuert und sie damit auf den technisch neuesten Stand gebracht.“
Georg Hollmann blickte zurück auf die Geschichte der Kläranlage, die seit 1971 in Betrieb ist. 2012 ergriff die Verbandsgemeinde die Initiative, die bestehende Kläranlage Urmitz-Bahnhof auszubauen. Ausschlaggebend war der gestiegene Abwasseranfall, hauptsächlich bedingt durch das gewerbliche und industrielle Wachstum in der Verbandsgemeinde.
Nach der Planung begannen 2014 die Arbeiten für die Erweiterung der Kläranlage, die bis auf kleine Restarbeiten (Zaun- und Geländerarbeiten) abgeschlossen sind. Die vorhandene Vorklärung wurde verkleinert, die Nachklärung komplett abgerissen und durch zwei neue Nachklärrundbecken mit jeweils 2600 Kubikmetern Volumen ersetzt. Darüber hinaus ist ein zusätzliches Belebungsbecken mit einem Volumen von 2300 Kubikmetern errichtet worden. In das neue und in die beiden vorhandenen Belebungsbecken ließ man neue energetisch günstige Plattenbelüfter einbauen, die zu einer Stromeinsparung von circa 30 Prozent bei der Belüftung der Belebungsbecken führen. Die auf eine Kapazität von 54.000 Einwohnergleichwerten ausgebaute Kläranlage bietet der Verbandsgemeinde gute Voraussetzungen für eine weitere Entwicklung, heißt es.
Von den 5,2 Millionen Euro gab die VG für Tiefbau- und Betonarbeiten 3 Millionen, Maschinentechnik 1,2 Millionen Euro sowie für die Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik und die Ingenieurleistungen jeweils 500.000 Euro aus. „Für diese große Investitionsmaßnahme wurde lediglich ein Darlehen in Höhe von 2 Millionen Euro aufgenommen. Die restliche Finanzierung erfolgte aus eigenen Mitteln und führt für die Bürger zu keinerlei Erhöhungen der niedrigen Abwassergebühren und –beiträge“, erläuterte der Bürgermeister und dankte den beteiligten Planern, Unternehmen und den Mitarbeitern der Verwaltung und der Kläranlage und besonders dem zuständigen Dezernenten, dem Ersten Beigeordneten Thomas Przybylla. Kreisbeigeordneter Rudi Zenz ging auf das wertvolle Lebensmittel Trinkwasser ein und nannte Zahlen aus Deutschland und der Welt. „Für den Landkreis ist es wichtig, dass die Kläranlagen modern sind und ausreichend zur Verfügung stehen, was auch ein Standortfaktor ist. In Zukunft sind aber weitere Investitionen auch hier in Urmitz-Bahnhof notwendig“, meinte Rudi Zenz.
Nachdem Pfarrer Günter Vogel die Kläranlage eingesegnet hatte, führten Werkleiter Markus Roth und ein Mitarbeiter durch das Klärwerk und erläuterten die Anlage, in die täglich etwa 2500 Kubikmeter Abwasser aus der gesamten Verbandsgemeinde Weißenthurm fließen.
HEP
IPfarrer Günter Vogel segnete die umgebaute und renovierte Kläranlage ein.
Wegen den Feststoffen im Abwasser kann dies nur mit einem Schneckengang nach oben transportiert werden.
Eines der neuen Nachklärrundbecken hat ein Volumen von 2600 Kubikmetern.
Mit dem Drücken des roten Knopfs setzten Thomas Przybylla von links Markus Roth Georg Hollmann und Rudi Zens die Kläranlage symbolisch in Betrieb
