Allgemeine Berichte | 19.02.2016

Erinnerungen an die Eroberung des Nürbugrings durch die Amerikaner am 8. März 1945 und das erste Nachkriegsrennen 1947

Als Panzer über den Nürbugring rollten

Der Motorsportjournalist Klaus Ridder besuchte im Rahmen der Recherche für sein Buch „90 Jahre Nürburgring - 60 Jahre live dabei“ den Heimatforscher Hermann Bierschbach in seinem Wohnort Müllenbach am Nürbugring

Einfahrt Müllenbach 1940.

Es ist ein „warmer“ Februartag auf etwa 500 Metern Höhe in Müllenbach am Nürburgring - immerhin noch 10 °C. Es stürmt ordentlich, ein Orkan, der über Norddeutschland tobt, macht sich auch hier oben bemerkbar. Hermann Bierschbach ist „Dorf-Historiker“. Er sitzt in seiner warmen Stube eines ehemaligen Bauernhofes und berichtet über die Kriegsereignisse und das erste Rennen der Nachkriegszeit 1947.

Hermann Bierschbach erinnert sich

Die Amerikaner „eroberten“ den Nürburgring am 8. März 1945. Die Bewohner von Müllenbach hatten sich in die Keller ihrer Häuser zurückgezogen, teilweise waren diese als Luftschutzbunker ausgestattet.

Von Kelberg her rollten die M4 Sherman Panzer an, auf der heutigen Bundesstraße 257. Einige Häuser zeigten weiße Betttücher zum Zeichen der Ergebung. Zwei Panzersperren im Ort waren kein Hindernis, sie wurden von einem Panzer praktisch an die Seite geschoben. Ein deutscher Soldat, der wohl immer noch an den Endsieg glaubte, feuerte aus dem Hinterhalt eine Panzerfaust ab, die aber ihr Ziel verfehlte. Die Panzerfaust landete in einer Scheune, die Scheune brannte. Die Seniorenfeuerwehr versuchte mit einer Handpumpe, das Feuer zu löschen. Die Amerikaner, die nach den Panzern auf Lastwagen folgten, ‚feuerten‘ die „betagten“ Feuerwehrleute an.

Herman Bierschbach war sieben Jahre alt, er sah zum ersten Mal in seinem Leben einen schwarzen Menschen. Doch die Soldaten sind nett zu ihm. „Bist du ein Nazi?“. „Nix Nazi.“. Als Belohnung gibt’s Schokolade. Die Unterhaltung geht weiter. „Dein Vater Nazi“?“ Nix Nazi“. Für den Vater gibt es eine kleine Packung Zigaretten.

Ein deutscher Soldat steckte als Zeichen seiner Ergebung und Enttäuschung sein Gewehr in einen Misthaufen. Er wurde von den Amerikanern gefangen genommen. In Müllenbach wurde ein Gefangenen-Sammellager eingerichtet, bis zu 1000 Gefangene waren darin zeitweise untergebracht.

Sie wurden nach und nach auf Lkw abtransportiert – da ging man nicht unbedingt zimperlich mit den Gefangenen um. Auf den Lastwagen wurden die letzten geprügelt, damit, damit sie zusammenrücken, bis die erforderliche Zahl auf dem LKW vorhanden war. Ziel der Gefangenentransporte waren die Rheinwiesen bei Remagen/Sinzig.

Die Bewohner von Müllenbach wurden drei Tage in vier Häusern eingesperrt. Die Häuser wurden durchsucht. Je ein bis zwei Personen durften die vier Häuser nur morgens und abends verlassen, um das Vieh zu versorgen.

Um die Fahrt der Panzer aufzuzeigen startet Hermann Bierschbach seinen PC und googelt, bis er einen amerikanischen Wehrmachtsbericht gefunden hat. Es ist die 11. Division, die die Region um den Nürburgring erobert hat. Eine Karte ist auf dem Monitor zu sehen. Die Panzer fuhren bei Müllenbach auf die Südschleife und berghoch, rechts und links gings über Start und Ziel bis zum Streckenabschnitt „Pflanzgarten“. Hier verließen die Panzer die Rennstrecke, um in Richtung Kempenich und Rhein zu fahren.

Hans-Joachim Retterath, heutiger Besitzer der Kult-Tankstelle „Döttinger Höhe“, erzählt, dass die Amerikaner praktisch im Vorbeifahren auf das Haus hinter der Tankstelle geschossen hätten. Die Geschossspuren, so Retterath, sind heute noch im Dachbereich sichtbar.

Die Panzerketten zerstörten einen Teil des Rennstreckenbelages und so dauerte es bis 1947, bis das erste Rennen gefahren wurde. Ein Beitrag von Lehrer Anton Stein aus der Schul-Chronik von Müllenbach beschreibt das Szenario. Für den 15. August 1947 war das erste Rennen auf der Südschleife des Nürburgringes angesetzt. Anfang Juni begann man mit der Instandsetzung der von den Folgen des Krieges stark mitgenommenen Start- und Zielanlagen. Auch die Südschleife musste fast zur Hälfte eine neue Decke erhalten. Eine amerikanische Panzerarmee war auf ihr von hier über den „scharfen Kopf“ in Richtung Hohe Acht vorgestoßen. Zur Instandsetzung wurden alle freien Arbeitskräfte der Umgebung durch das Arbeitsamt verpflichtet. Ungefähr 50000 Zuschauer waren anwesend, als das Motorrad-(Eifelrennen) gestartet wurde. Zur Verpflegung hatte die französische Militärregierung für jeden Besucher 1/2 Fl. Wein, 100 gr Wurst und eine Portion Kartoffelsalat freigegeben.

Das Leben ging weiter

Ein furchtbarer Krieg hat in den letzten Kriegstagen die Region rund um den Nürburgring erreicht.

Aber das Leben ging auch in der Eifel und am Nürburgring weiter, so fanden bereits zwei Jahre später erste Rennen wieder statt. Und heute erinnert kaum noch etwas an die Kriegsjahre am Nürburgring.

Geschichten und Bilder gesucht!

Autor Klaus Ridder sucht für sein Buch „90 Jahre Nürburgring - 60 Jahre live dabei“ weitere Zeitzeugen sowie Geschichten und Bilder aus alten Nürbugring-Tagen, hier insbesondere von dem ersten Nachkriegsrennen 1947. Kontakt: Klaus Ridder, Tel.: (0049) 2241 1201863, Email: gefahrgutridder@t-online.de. Weitere Infos online auf www.motorsportridder.de und www.klaus-ridder.de.

Klaus Ridder

Der Ort Müllenbach liegt unmittelbar an der ehemaligen Südschleife.Archive Ridder und Bierschbach

Der Ort Müllenbach liegt unmittelbar an der ehemaligen Südschleife.Fotos: Archive Ridder und Bierschbach

Am 8. März 1945 eroberten die Amerikaner den Nürbugring.

Am 8. März 1945 eroberten die Amerikaner den Nürbugring.

Hermann Bierschbach.

Hermann Bierschbach.

Am 15. August 1947 fand das erste Nachkriegsrennen statt.

Am 15. August 1947 fand das erste Nachkriegsrennen statt.

Einfahrt Müllenbach 1940.

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