Alt-Katholische Pfarrgemeinde St. Jakobus
Alt-Katholizismus im Rheinland
Koblenz. Alt-Katholiken – der Name steht für Katholiken, die den 1870 verkündeten Glaubenssatz von der Unfehlbarkeit des Papstes nicht übernommen haben. Stattdessen behielten sie die synodale Verfassung der alten Kirche und praktizieren sie bis heute erfolgreich. Wie es dazu kam, erläuterte Dr. Hermann Josef Roth im Landeshauptarchiv zu Koblenz. Schon länger rumorte es damals in der Kirche, etwa durch die Verkündigung der „Unbefleckten Empfängnis Mariens“ und die Verurteilung „moderner Irrtümer“ wie der Religionsfreiheit durch Papst Pius IX. Viele Gläubige distanzierten sich. Während die deutschen Bischöfe nach und nach einlenkten, blieben maßgebende Theologen, darunter der Münchner Professor Döllinger dem bisherigen Bekenntnis treu. Die theologische Fakultät Bonn entwickelte sich zu einem Zentrum der alt-katholischen Bewegung. Das muss kein Zufall sein, meinte Dr. Roth. Schließlich hat romkritische Distanz in den Rheinlanden eine Tradition, die bis ins Mittelalter reicht. So spiegelt das Wormser Konkordat von 1122 ein Ringen um den universellen Anspruch des Papstes. Im Kurverein von Rhens traten die Kurfürsten, darunter die Erzbischöfe von Köln, Mainz und Trier und erklärten die Kaiserwürde für unabhängig von der päpstlichen Zustimmung. Graf Hermann von Wied, streng gläubiger Erzbischof von Köln, versuchte eine katholische Reform, die aber an der Trägheit des Domkapitels scheiterte. Papst Paul III setzte Hermann ab und verhinderte so die katholische Reform bis auf weiteres. Zweihundert Jahre später gärte es erneut, diesmal im ehemaligen Erzbistum Trier. Die drei geistlichen Kurfürsten forderten in den „Koblenzer Gravamina“ die Wiederherstellung „der ursprünglichen bischöflichen Rechte“ und Beschneidung der Befugnisse des päpstlichen Nuntius. In der „Emser Punktation“ vom 25. August 1786 legte der hohe Klerus nach, um „den Eingriffen der päpstlichen Kurie in die erzbischöflichen Rechte Schranken zu setzen“. Geistiger Kopf war hier der Trierer Weihbischof Johann Nikolaus von Hontheim mit der Ansicht, der Papst müsse sich einem allgemeinen Konzil unterordnen, während die Stellung der Bischöfe gegenüber zu stärken sei. Der alt-katholische Protest erscheint demnach als einer von vielen Versuchen, die Rolle des Papstes neu zu definieren. Vor diesem Hintergrund schilderte Dr. Roth die von den neuen Dogmen vor bald 150 Jahren ausgelöste Bewegung, aus der sich eine moderne synodale katholische Kirche entwickelt hat, die sich in Deutschland 1873 zu einem Bistum mit vielen Gemeinden, unter anderen in Koblenz, formiert hat. Der Referent stellte zur Diskussion, ob dieser Weg erfolgreich war und vielleicht sogar als Modell für den römischen Katholizismus dienen könnte. Als Antwort regte der Verein für Geschichte und Kunst den Besuch der Namen-Jesu-Kirche in Bonn an, die stilverwandt mit der Koblenzer Jesuitenkirche ist und die heute als Bistums- und Bischofskirche des Katholischen Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland genutzt wird.
