Das Stellen der Maibäume in der Verbandsgemeinde ist meist Aufgabe der Junggesellen
Altes Brauchtum mit einem Hauch von Magie
VG Adenau. Traditionell werden im Eifeler Raum am ersten Mai oder am Tag davor die Maibäume aufgestellt. So auch in Reifferscheid, wo der über 20 Meter lange Baum mit einer bunten Krone geschmückt und von den Junggesellen an der Auffahrt zur Kirche aufgestellt wird. Mit Muskelkraft und Hilfe der Micken (mit Stricken zusammengebundene Holzstangen) wurde der Baum in die Senkrechte gebracht. Besonders stolz sind die 30 aktiven Junggesellen darauf, dass die Aufstellung des schweren Baumes immer ohne jegliche maschinellen Hilfsmittel erfolgt. Nur einmal, erinnern sich die älteren Junggesellen, musste ein Kran angefordert werden. Das „Streiche spielen“ in der Mainacht soll an die Walpurgisnacht der Hexen erinnern. Natürlich werden auch die Bäume für die Liebsten im Laufe der Nacht an den Häusern angebracht.
Altes Brauchtum wird gepflegt
Dieses Brauchtum führt bis in das 13. Jahrhundert zurück. Zu dieser Zeit feierte man den 1. Mai mittels grüner Zweige und Maien (Bäumchen), die während des Maigrüßens als „Schmuckmaien“ dienten - die Vorläufer des Maibaumes. Der traditionelle „Maien“ oder Maibaum war ursprünglich die Birke. Weil dieser Baum als erster aus seiner Winterstarre erwacht, gilt die Birke als Symbol für Kraft, Anmut, Lebenswille, Licht und Heiterkeit. In der heutigen Zeit wird meist die Fichte als Maibaum im Mittelpunkt des Ortes verwendet. Sie treibt im Mai aus und gilt daher als Symbol für die Ankunft des Lichtes und der Wärme. So hat der Maibaum seit Alters her eine gewisse Magie inne. In der Krone wohnen die guten Geister. Fehlt der grüne Wipfel, ist der Baum entmachtet, seelen- und kraftlos. Der Kranz versinnbildlicht das weibliche Element. Wenn dieser Kranz fehlt, hat der Baum sein Fruchtbarkeitssymbol eingebüßt. Mit den Bändern wird der Segen des Gedeihens verbunden. In manchen Orten des Adenauer Raumes werden in der Mainacht geheime Liebschaften öffentlich gemacht. Eine Kalkspur wird von Haus zu Haus der Verliebten gezogen. Eine Erfindung der Junggesellen ist der Maibaum als Liebesgabe. Hier wird eine drei bis vier Meter hohe, ausgetriebene Birke mit vielen bunten Bändern versehen und am Haus der Liebsten befestigt. Vielerorts begrüßen die Junggesellen am frühen Morgen des ersten Maitages den Wonnemonat mit dem Lied „Der Mai ist gekommen“.
SES
