Allgemeine Berichte | 22.06.2016

In Lehmen wurde Michael Dötsch feierlich zum „Ehrenrazejung“ ernannt

Altes Brauchtum wird lebendig gehalten

Komplett ausgerüstet kann sich Michael Dötsch von jetzt an auf den Riesling konzentrieren und sich für die Arbeit der Razejunge engagieren. EP

Lehmen. „Wor er sich fir et Mesttroohn net zo schad, dann hat er jemacht säin Raz parad. Met der had er dann jetrohn de Dung, dat wor die Arwed vom Razejung!“ - Dieser Auszug eines Gedichtes, von Jürgen Hopff verfasst, beschreibt die Arbeit eines Razejungen, der früher mit seiner aus Haselnussstöcken gebauten „Raz“ (Korbgestell), Stallmist zur Düngung der Weinstöcke in die steilen Terrassen der Weinberge geschleppt hat und damit den Unterhalt für die Familie bestritt. Es ist altes Lehmener Brauchtum, das von den „Lehmer Razejungen“ gepflegt und mit Leben gefüllt wird. Jedes Jahr ernennen sie einen Ehrenrazejungen, der sich gleichermaßen für den Erhalt der Weinkultur in Lehmen und an der Untermosel engagiert. Dabei legen sie Wert darauf, dass sich der Kandidat bzw. die Kandidatin mit der Region in besonderer Weise verbunden fühlt, sich zum traditionellen Rieslinganbau bekennt und die Weinbaukultur der Terrassenmosel fördert. Das alles trifft auf Michael Dötsch zu, Ortsbürgermeister von Kobern-Gondorf, der aus einer traditionsreichen Weinbaufamilie stammt.

Mit seiner Ernennung zum „Ehrenrazejung“, die bei der Eröffnung des Lehmener Razejungefestes stattfand, tritt Michael Dötsch in die Fußstapfen seines Vaters Franz Dötsch und folgt dem Ehrenrazejung aus dem Vorjahr Gerd Knebel. Der 48-Jährige ist verheiratet und Vater zweier Söhne. Er ist bei RWE Kommunalbetreuer, Leiter der Region Rauschermühle und einer der beiden Geschäftsführer der Netzgesellschaft Maifeld, deren Anteilseigner die VG Maifeld und RWE sind. Der Familienvater zeigt sich in seiner Freizeit beim Fußballspiel, Skifahren und Wandern sportlich. Michael Dötsch überzeugt auch mit seinen fundierten Kenntnissen über den Weinbau an der Untermosel. Den Beweis trat er schon früh in der Schule durch eine Facharbeit zur Weinvergärung an. In seiner Diplomarbeit im kaufmännischen Studium referierte er über die „Bildung des Qualitätsurteils über Wein“. Und da wäre noch ein wichtiger, wenn nicht sogar der wichtigste Grund: Er ist ein Liebhaber des Moselriesling. Die Lehmer Razejunge bezeichnen Michael Dötsch als offen, ehrlich und unkompliziert, mit guter Kombinationsgabe und Entschlusskraft. Was die Entwicklung der Region betrifft, spielt für ihn der Erhalt des Terrassenweinbaus und der einzigartigen Kulturlandschaft eine große Rolle. Identifizieren kann er sich auch mit neuen Ideen der Razejunge, mit denen diese sich engagieren. Zum Beispiel das Projekt „Förderung der Artenvielfalt an der Terrassenmosel“ und ganz besonders das Engagement mit Kindern und Jugendlichen, die in ihre Arbeit eingebunden werden. So lernen sie Flora und Fauna kennen, ihre Heimat zu schätzen und werden später hoffentlich auch zu Pflegern des Brauchtums. Ob Michael Dötsch als Razejung irgendwann einmal Mist in die steilen Hänge des Wingerts trägt, steht noch in den Sternen. Im Gedicht über den Lehmer Razejung heißt es: „Em Laufe der Zaid, dat moss ma soon, wierd vom Jung met der Raz kaane Mest mi jetrohn. Villaicht nur noch zom Spass an der Fräid, oder zom zeie fir Schüler unn Läid. Vill mi kimmert er sich imm et Brauchtum jetrost, net mi im de Meest, sondern e Glas Riesling. Prost!“

EP

Die Razejunge zogen durch die geschmückten Gassen Lehmens zum Razejungenplatz.

Die Razejunge zogen durch die geschmückten Gassen Lehmens zum Razejungenplatz.

„Ehrenrazejung“ Michael Dötsch im Kreise der Moselweinmajestäten.

„Ehrenrazejung“ Michael Dötsch im Kreise der Moselweinmajestäten.

Komplett ausgerüstet kann sich Michael Dötsch von jetzt an auf den Riesling konzentrieren und sich für die Arbeit der Razejunge engagieren. Fotos: EP

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