8. Limesfest im Jubiläumsjahr 1.025 der Westerwaldgemeinde zog Hunderte Besucher aus nah und fern an
Am Hillscheider Limesturm erwachte die Welt der Römer zu neuem Leben
Geschichte zum Anfassen, Riechen und Schmecken erlebten die rund 1000 Besucher beim Hillscheider Limesfest
Hillscheid. Wie die Römer lebten, also die historischen Römer, das fasziniert heute noch die Menschen, 2.000 Jahre nach dem Baubeginn des Grenzwalls „Limes“ von Süden nach Norden durchs heutige
Deutschland. Beim 8. Limesfest in Hillscheid am vergangenen Sonntag war diese Begeisterung wieder zu spüren. Zu Hunderten kamen die Besucher in den Westerwaldort, der in diesem Jahr auch sein 1.025-jähriges Bestehen feiert. „Familie trifft Römer“ lautete das Motto diesmal. Dem folgend, bot das Fest Attraktionen für alle Altersklassen.
Die Wiesen rund um den Limesturm waren von kleinen und großen römischen Legionären bevölkert, die dort ihre Zelte aufgeschlagen hatten. Auf einer Einkaufsstraße wurden Brettspiele aus der Römerzeit, Salben, Öle, Kunsthandwerk, Infomaterial und Bücher, Honig und Met, Keramiken, Schmuck und Edelsteine angeboten und wer wollte, konnte auch eine Unterrichtsstunde in deiner römischen „schola“ absolvieren.
Römische Gruppen aus weitem Umkreis kamen zusammen
Im Zweijahresrhythmus wechseln sich in Hillscheid Weihnachtsmarkt und Limesfest ab, sagt Ortsbürgermeister Andreas Rath im Gespräch mit „BLICK aktuell“. Im Jubiläumsjahr fällt das Römerfest verständlicherweise eine Nummer größer aus. Es beteiligten sich auch Gruppen aus anderen Limesorten, zum Beispiel aus Pohl oder Rheinbrohl und sogar eine Abordnung der einst römischen Stadt Waldgirmes an der Lahn. „Es hat inzwischen ein bisschen etwas von einem Familientreffen“, beschreibt Bürgermeister Rath den Charakter des Fests. Die Besucher, hat er beobachtet, kommen nicht nur aus Hillscheid und der Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen. Der Hillscheider Römerturm ist mittlerweile in weiten Teilen Deutschlands bekannt und darüber hinaus in einigen benachbarten Ländern. Mit 700 bis 1.000 Besuchern rechnete Andreas Rath auch in diesem Jahr.
Eine Attraktion ist mittlerweile auch der Standort des ehemaligen römischen Kleinkastells geworden, dessen Grundmauern freigelegt wurden und jetzt besichtigt werden können. Dort, auf einer Anhöhe im Wald, fand am Samstag das römische Bogenschießen statt.
In einer römischen Küche wurde gezeigt, wie bestimmte Gerichte zubereitet wurden und was ein Imperator, ein Soldat und der einfache Bürger speisten. Außerdem wurde erläutert, wo die einzelnen Lebensmittel herkommen und welche Transportmöglichkeiten genutzt wurden.
Im Turm, dessen Aussichtsplattform aus Sicherheitsgründen leider nicht benutzt werden konnte, konnte man die Ausstellung „Von Rom zum Rhein“ besuchen und in einer Buchausstellung zum Thema Limes schmökern. Ferner präsentierten sich der „Römerturm Idstein“ und das „Limeskleinkastell Pohl“ als herausragende Einrichtungen in Sachen Welterbe Limes. Ein Infostand des Vereins Deutsche Limesstraße mit Sitz in Aalen war ebenso vertreten und stellte den gesamten Verlauf des Limes mit seinen touristischen Attraktion vor.
Sogar die Freunde des weltberühmten Asterix und Obelix-Comics kamen auf ihre Kosten beim Auftritt der beiden widerspenstigen gallischen Aufständischen. Um 11 Uhr am Morgen hatte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz das Fest eröffnet. Er vertrat deutlich die Ansicht, dass man mit dem Limes-Erbe noch viel mehr Werbung für Rheinland-Pfalz machen kann. Turmbetreuer Aribert Gerhards bestätigte, dass die jährlich 1.500 Besucher des Limesturms in Hillscheid aus dem gesamten europäischen Ausland kommen.
Der Leiter des Förderkreises Limes in Hillscheid ist Wilfried Schlotter. Er kann die ganze Geschichte des Turms und seiner Entstehung aus einer Initiative des Westerwaldvereins im Schlaf erzählen. Beim Fest stand er den Besuchern für fachkundige Auskünfte zur Verfügung. Im Vorfeld des 1.000-jährigen Jubiläums von Hillscheid 1994 kam die Idee auf, sich verstärkt den römischen Wurzeln von Hillscheid zu widmen. Daraus entwickelte sich das Turm-Projekt, das vom damaligen Landrat Peter Paul Weinert sehr unterstützt wurde. Zum Jubiläum 1994 stand der Rohbau des Turms. Seitdem wurde er ständig weiter entwickelt und ausgebaut. So liebevoll und engagiert die Hillscheider diese Sehenswürdigkeit pflegen, wird der Turm sicher auch das 2.000-jährige Jubiläum des Westerwald-Dorfs erleben.
Ohne Hilfe kam kein römischer Cicero in die elegante Toga hinein.
Nachwuchs-Legionäre auf „Kriegspfad“: Die Kinder hatten viel Spaß bei den Kampfspielen rund um den Limesturm.
Geschick gefragt: Mit dem Speer auf Wildschweinjagd. Erfolg hatte, wer das kreisrunde Loch traf. Fotos: KER
