Allgemeine Berichte | 20.11.2024

Zehnthaus-Kolumne (80)

Am Wegesrand – Gedenkstein für einen Zwangsarbeiter (2)

Foto: Gemeindearchiv Swisttal

Essig/Odendorf. Die Vernehmungen der zu Unrecht beschuldigten jungen Frau dauerte drei Tage und endeten ohne ein für die Gestapo zufriedenstellendes Ergebnis. Bei der Haftentlassung hieß es nur lapidar: „Da hast du ja noch einmal Glück gehabt“. An dem inhaftierten polnischen Zwangsarbeiter Anton Wujciakowski jedoch wurde ein Exempel statuiert.

Seine Exekution, der kein Gerichtsverfahren vorausgegangen war, wurde durch die Staatspolizei, Außenstelle Bonn auf Anordnung des Reichssicherheitshauptamtes nach exakten Vorgaben durchgeführt. Nach der Exekution mussten die an der Hinrichtungsstätte zusammengeführten polnischen Zwangsarbeiter sämtlicher Gemeinden des Amtes Ollheim und Rheinbachs an dem Leichnam vorbeigehen und ihn berühren. Die sterblichen Überreste wurden zum Anatomischen Institut nach Bonn gebracht und anschließend auf dem Bonner Nordfriedhof beigesetzt.

Die strafrechtliche Aufarbeitung dieses Verbrechens kam erst in den 1960er-Jahren ins Rollen. 1959 ging beim Regierungspräsidenten in Köln eine Beschwerde zweier Ludendorfer Landwirte ein, die in einer strittigen Bauangelegenheit bei der Amtsverwaltung Ludendorf kein Gehör fanden und deswegen bei den Aufsichtsbehörden auf die vermeintlichen Missstände in der Amtsverwaltung aufmerksam machen wollten. Mit der im Beschwerdebrief gemachten Feststellung, dass während des Krieges in Miel ein polnischer Kriegsgefangener ermordet worden sei und die Verantwortlichen gerichtlich noch nicht belangt worden seien, wollten sie die Untätigkeit der Behörden unterstreichen. Ob sie mit ihrem eigentlichen Anliegen erfolgreich waren, ist nicht überliefert. Ihnen ist jedoch zu verdanken, dass das Landeskriminalamt NRW und die Bonner Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Unbekannt einleiteten, die sich über mehrere Jahre erstreckten. Ehemalige Bonner Gestapobeamte wurden vernommen, die jedoch jede Verantwortung von sich wiesen. Zu einer Anklageerhebung kam es letztlich nicht, weil die Verdächtigen aus Krankheitsgründen nicht mehr vernehmungsfähig waren oder während der Ermittlungen verstorben sind. Wer die Akten und Zeugenaussagen über diesen Fall liest, empfindet Scham und Abscheu über das, was in der damaligen Mieler Kiesgrube geschah.

Im Zuge der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen sind zahlreiche weitere Fälle von Exekutionen ausländischer Zwangsarbeiter wegen des im Krieg verhängten Umgangsverbots mit deutschen Frauen im Raum Bonn/Rhein-Sieg bekannt geworden. Für das Gebiet der heutigen Gemeinde Swisttal stellt die Exekution von Anton Wujciakowskis nach Erkenntnissen des Landeskriminalamtes jedoch einen Einzelfall dar.

Die Gedenkstele für Anton Wujciakowski wurde 2014 auf Initiative des Buschhovener Heimatforschers, Dr. Benno Willers, aufgestellt, der im Rahmen der Recherchen zu seinem Buch „Damals in Buschhoven 1939-1948“ auf das Schicksal des polnischen Zwangsarbeiters Anton Wujciakowski aufmerksam wurde und „ein Bollwerk gegen das Verdrängen und Vergessen“ schaffen wollte. Der Rheinbacher Historiker, Dr. Horst-Pierre Bothien hatte bereits 2007 über die Hinrichtungen von Fremdarbeitern und Kriegsgefangenen im Raum Rheinbach-Euskirchen-Mechernich intensiv geforscht und angeregt, ein dauerhaftes Zeichen für die in der Region gewaltsam zu Tode gekommenen Zwangsarbeiter zu setzen. Die Gemeinde Swisttal folgte dieser Anregung mit einstimmigem Beschluss 2013.

Am 09.08.2014 wurde im Rahmen einer feierlichen Gedenkveranstaltung in der Nähe des Exekutionsortes der Gedenkstein enthüllt. Zahlreiche Vertreter aus Politik, Kirche und Privatpersonen waren anwesend. Der polnische Vizekonsul erinnerte daran, dass im Zweiten Weltkrieg mehr als 12 Millionen Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt wurden, darunter ca. 2,8 Millionen aus Polen.

Letztlich sei es unser „aller Auftrag, die Lehren aus der Geschichte zu ziehen und sie nicht zu vergessen“. Auch Dr. Willers rief die unbegreiflichen Vorgänge jener Tage noch einmal in Erinnerung. Pfarrer Ernst Edelmann charakterisierte diesen Stein als ein Zeichen der Wachsamkeit und rief zum Engagement für Gerechtigkeit und zum friedlichen Miteinander auf. Mit einem Gebet des aus Polen stammenden Kaplans Pater Marek endete die Gedenk- und Einweihungsfeier. Die aus Spenden finanzierte Stele aus Anröchter Dolomit gestaltete der Swisttaler Steinmetz, Horst Bürvenich.

Sammlung Zehnthaus

Dr. Benno Willers „Damals in Buschhoven 1939 – 1948

NRW-Archiv v. 13. 8. 2014/Gemeindearchiv

Am Wegesrand – Gedenkstein für einen Zwangsarbeiter (2)

Foto: Gemeindearchiv Swisttal

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