Kulinarische Zeitreise im Andernacher Stadtmuseum: Das römische Moretum
Antike Würzpaste begeistert Museumsbesucher
Andernach. Das Andernacher Stadtmuseum veranstaltete im Rahmen des Stadtfestes „Andernach schmeckt“ eine kulinarische Zeitreise. Dabei konnten die Besucherinnen und Besucher live miterleben, wie „Moretum“ zubereitet wurde – eine typisch römische Würzpaste aus zahlreichen Kräutern, Olivenöl und einer großen Menge Knoblauch. Unter Zugabe von Schafskäse, Meersalz, Fischsauce und etwas Essig wurde die Paste in einer Reibschale verarbeitet. Für die Veranstaltung stellte das Museum zwei originalgetreue Repliken des charakteristischen Keramikgeschirrs zur Verfügung. Vor Ort standen mit Dr. Sylvia Schwitalla und Stefanie Baumgarten-Mischuda M.A. zwei erfahrene Expertinnen bereit.
Das dicke Moretum wird bereits von den lateinischen Autoren Vergil (1. Jahrhundert v. Chr.) und Columella (1. Jahrhundert n. Chr.) erwähnt. Wahrscheinlich war die Würzpaste auch in der Region während der Römerzeit gebräuchlich und wurde vermutlich bis ins Frühmittelalter hinein zubereitet. Ein besonderes „Tüpfelchen auf dem i“ setzt ein Spritzer der römischen Fischsauce, bekannt als „Garum“ oder „Liquamen“, die im ganzen antiken Weltreich verbreitet war. Diese Universalwürze wurde aus gesalzenen und vergorenen Fischen im Mittelmeerraum proto-industriell hergestellt und in großen Mengen bis an den Rhein transportiert. Heute ist die „Colatura di Alici“, eine Sardellensauce aus der Region um Neapel, ein direkter Nachfolger des römischen Garum.
Das authentische Moretum wurde auf Fladenbrot serviert und stieß bei den Museumsbesuchern des 21. Jahrhunderts auf überraschend viel Zuspruch. Einige erkundigten sich sogar nach dem Rezept, das hier wiedergegeben wird: 3 bis 4 fein geschnittene Knoblauchzehen, reichlich gehackte Kräuter wie Weinraute, Sellerieblätter, etwas Fenchel- und Korianderkraut, optional auch Schnittlauch und Salbei, werden mit etwas Weinessig, Meersalz und Schafskäse (zum Beispiel Pecorino) in einer Reibschale zu einer feinen Paste verrieben. Alternativ kann ein Mörser oder notfalls ein Pürierstab verwendet werden. Abschließend wird die Paste mit einigen Tropfen Fischsauce (aus dem Asiamarkt oder authentischer: Colatura di Alici) abgeschmeckt. Moretum passt gut zu gebratenem Lammfleisch, aber auch zu frisch gebackenem Dinkel-Fladenbrot oder türkischem Pide-Brot.
Wer sich intensiver mit der Geschichte der römischen und frühmittelalterlichen Esskultur beschäftigen möchte, findet im neuesten Band der „Andernacher Beiträge“ mit dem Titel „Andernach in aller Munde!“ umfangreiche Informationen. Das Buch ist im neuen Museumsshop des Stadtmuseums in der Bagatelle (Hochstraße 97) erhältlich.BA
