Die Realschule plus und Fachoberschule Mendig und ihre Erfahrungen mit dem Lernen „auf Distanz“
Arbeitsalltag von Lehrerinnen und Lehrern hat sich völlig verändert
Die Umstellung lief gut, trotzdem freuen sich viele, wenn wieder alles „beim Alten“ ist
BLICK aktuell: Waren Sie auf die Schulschließung vorbereitet?
Realschule plus und Fachoberschule Mendig: Die dynamische Entwicklung der Krise und die damit einhergehende Unvorhersehbarkeit erforderten in allen Bereichen ein schnelles und flexibles Handeln, was für uns die größte Herausforderung darstellte und noch immer darstellt. Dazu gehörte natürlich auch die Schulschließung. Neue Kommunikations- und Lernwege wurden „von jetzt auf gleich“ etabliert, Hindernisse schnell und unkompliziert aus dem Weg geräumt und Alternativen gefunden. Die Umstellung vom Präsenzunterricht zum Homeschooling lief erstaunlich gut, dank der hohen Kooperationsbereitschaft aller Beteiligten: der Schüler/innen, der Eltern und der Schule.
BLICK aktuell: War es problematisch, ein passendes Programm/Tool zu finden, mit dem Sie das Homeschooling angepasst an alle technischen Voraussetzungen der Schüler, durchführen konnten?
Realschule plus und Fachoberschule Mendig: Das eine, passende Tool gibt es nicht; zumal sich gezeigt hat, dass einzelne Lernplattformen schnell überlastet waren. Die Realschule plus und Fachoberschule Mendig war schließlich nicht die einzige Schule, die plötzlich überwiegend webbasiert unterrichtete. Der Run auf etablierte, sichere Lernplattformen war natürlich groß und entsprechend schnell gerieten diese an ihre Grenzen. Aber nicht nur deshalb war erneut Flexibilität gefordert. Nicht alle Schülerinnen und Schüler verfügen über die gleichen technischen Voraussetzungen. Deshalb bieten wir verschiedene Kommunikationswege an. So fertigen unsere Sekretärinnen nach wie vor eine schier unendliche Anzahl an Kopien an und verschicken individuelle Arbeitsmaterialien oder halten diese zur Abholung bereit.
BLICK aktuell: Wie hat sich Ihr Arbeitsalltag als Lehrer geändert?
Realschule plus und Fachoberschule Mendig: Die Umstellung vom Präsenzunterricht zum Homeschooling hat natürlich auch für die Pädagogen einen völlig veränderten Arbeitsalltag geschaffen. Das direkte, persönliche Interagieren mit den Schülerinnen und Schülern ist zurzeit nicht möglich und das fehlt natürlich nicht nur den Jugendlichen, sondern auch den Lehrkräften. Unterrichtsinhalte mussten auf die neue Lernsituation angepasst werden. Bestimmte Sachverhalte lassen sich oftmals einfacher erklären, wenn man sich im gleichen Raum befindet. Mir haben bereits viele Schüler/innen und auch Lehrkräfte rückgemeldet, dass sie froh sind, wenn wieder „alles beim Alten“ ist und man sich in der Schule wiedersieht. Durch die Vorgabe, dass maximal 15 Schüler/innen in einem Raum unterrichtet werden, haben wir beschlossen, größere Klassen zu teilen und jeweils eine Hälfte im wöchentlichen Wechsel in der Schule zu unterrichten, während die andere Hälfte zu Hause lernt. Das bedeutet, dass die Lehrkräfte die gleichen Inhalte auf verschiedene Weise für die Schüler/innen aufbereiten, um bestmögliches Lernen zu gewährleisten.
BLICK aktuell: Wie ist Ihr Empfinden und wie sind Ihre Erfahrungen? Kommen die Schülerinnen und Schüler mit dem Homeschooling klar? Haben sich Leistungen verändert?
Realschule plus und Fachoberschule Mendig: Wie bereits erwähnt lief die Umstellung generell sehr gut. Manchen Jugendlichen fiel die Umstellung leicht, manche taten sich etwas schwer; es handelt sich eben um Individuen. Die Leistungsfeststellung ist ein wichtiger Punkt. Ab dem 27. April starten die Fachoberschüler der Klasse 12 als erste wieder mit dem Präsenzunterricht. Sie sollen schließlich in Kürze ihre Fachhochschulreifeprüfung ablegen. Am 4. Mai 2020 folgen dann die Klassenstufen 9 – 11.
BLICK aktuell: Könnten Sie sich vorstellen, dass Homeschooling zu einem festen Bestandteil wird im regulären „normalen“ Schulalltag?
Realschule plus und Fachoberschule Mendig: Ich glaube nicht, dass Homeschooling einen großen Teil des Präsenzunterrichts ersetzen kann. Es stellt jedoch eine Bereicherung dar, gerade im Hinblick auf die Bestrebungen, die Digitalisierung der Schulen voranzutreiben. Außerdem halte ich es für sehr sinnvoll, wenn wir an Schüler/innen denken, die – aus welchen Gründen auch immer – eine Zeit lang nicht am Unterricht in der Schule teilnehmen, aber die Aufgaben zu Hause bearbeiten können.
BLICK aktuell: Wie bereiten Sie sich auf die Schulöffnung vor?
Realschule plus und Fachoberschule Mendig: Wir haben „unsere Hausaufgaben gemacht“ und sind gut auf die Schulöffnung vorbereitet. Die Zusammenarbeit mit dem Schulträger und der ADD ist von großem Engagement und konstruktiver Kooperation geprägt, sodass wichtige organisatorische Dinge vor der Schulöffnung geregelt werden konnten. Wir haben Schutzmasken, zusätzliches Desinfektionsmittel & -spender angeschafft. Das bei uns etablierte Lehrerraumprinzip wurde vorübergehend in ein Klassenraumprinzip geändert, um weniger Personen auf engem Raum in Bewegung zu haben. Es gibt auch ein neues Wegeleitsystem. Den jetzt startenden Klassen wurden verschiedene Schulhöfe zugeordnet. Diese Maßnahmen dienen der Einhaltung des Mindestabstandes. Die ersten beiden Unterrichtsstunden werden am Starttag jeder Schülergruppe von den Klassenleitungen gehalten, damit die Schüler/innen mit allen wichtigen Informationen z. B. zu Hygieneregeln, richtigem Umgang mit den (Behelfs-)Masken und der Unterrichtsorganisation vertraut gemacht werden können. SPS
