Allgemeine Berichte | 15.03.2022

Zehnthaus-Kolumne (18)

Archäologische Grabung in Odendorf

Lehrgrabung der Universität Bonn an der Odendorfer Oststraße.  Fotos: © Gisela Hein

Odendorf. Tonscherben römischen Ursprungs auf Odendorfer Ackerböden sind keine Besonderheit. Die lössbedeckten, weitgehend ebenen Flächen der rheinischen Börde, zu der auch Odendorf gehört, wurden schon seit der Jungsteinzeit besiedelt und landwirtschaftlich genutzt.

Am Ortsrand hatten Luftbilder mit „verdächtigen Flecken“ Hinweise auf Bodenverdichtungen gegeben und so führte 2015 die Abteilung Klassische Archäologie der Universität Bonn mit zehn Studenten an der Odendorfer Oststraße eine Lehrgrabung durch. Diese Ausgrabungen erregten kein großes Aufsehen und wurden auch von der Bevölkerung kaum wahrgenommen.

Wozu die Geheimniskrämerei? Es galt zu verhindern, dass Unbefugte sich außerhalb der Grabungszeiten an der Stätte zu schaffen machen und dabei wertvolle Spuren zerstören oder gar Funde entfernen.

Erst später kam es zu einer medialen Berichterstattung. 2016 haben der Grabungsleiter, Prof. Frank Rumscheid, und seine Assistentin, Dr. Marlis Arnhold, in einem Vortrag über die Grabung und die gewonnenen Erkenntnisse im Zehnthaus in Odendorf berichtet.

Der erste Arbeitsschritt war das Abtragen der Pflugschicht. Dann wurden gezielte Testschnitte vorgenommen. Dabei lernten die Studenten in praktischer Arbeit Erdschichten zu „lesen“. Die einzelnen Schnitte führten bis knapp einen Meter tief ins Erdreich.

Die Befunde konnten als Überreste römerzeitlicher Bauten identifiziert werden. Bei der zentralen Grabungsstelle lassen die Fundamentreste der Außenwände auf ein quadratisches Gebäude von ca. 15 mal 15 Metern Grundfläche schließen. Im Inneren weisen Fundamente von in zwei Fünferreihen angeordneten Stützen darauf hin, dass es sich um ein massives dreischiffiges Gebäude mit vermutlich durchfenstertem Obergeschoss gehandelt hat. Typische Kleinfunde, die bei der Datierung helfen, waren Scherben römischer Tongefäße sowie 28 Münzen, davon 15 bestimmbare. Weiterhin wurde ein menschliches Skelett gefunden – ob es ebenfalls aus römischer Zeit stammt, blieb mangels Beigaben unklar.

Diese Funde lassen auf eine intensive Benutzung des Geländes im Zeitraum zwischen etwa 50 und 400 n.Chr. schließen. Das Gebäude selbst scheint nicht vor dem späten 3. Jh. n. Chr. errichtet und im 4. oder 5. Jh. n. Chr. gezielt abgetragen worden zu sein.

Mehrfarbige Putzfragmente erlauben den Schluss auf aufwändig dekorierte Wände. Bruchstücke römischer Dachziegel deuten auf ein Ziegeldach mit geneigter Fläche hin. Es muss sich um ein repräsentatives Gebäude gehandelt haben, eine Villenanlage oder ein Heiligtum. Viele Fragen sind noch offen. Aufgabe der Wissenschaftler ist es nun, über Analogien zu bekannten Hallen den Nutzungszweck und die funktionalen Zusammenhänge der Anlage zu deuten.

Tatsächlich gibt es durch die anthropologische Untersuchung der entdeckten Skelettreste und vor allem durch die zweite Grabungskampagne 2019 eine Fülle neuer Erkenntnisse.

Die generelle Fundauswertung, der Grabungsplan in mehreren Schichten und der schriftliche Bericht sind so weit gediehen, dass im Spätsommer 2022 mit einer Veröffentlichung in den Fachmedien gerechnet werden kann. Prof. Rumscheid hat sich bereit erklärt, danach über die Ergebnisse im Zehnthaus vorzutragen. Wir werden den Termin im Zehnthaus-Jahresprogramm wiederfinden.

Sammlung Zehnthaus

www.verein-zehnthaus.de

Insgesamt 10 Studenten waren bei den Ausgrabungen beteiligt.

Insgesamt 10 Studenten waren bei den Ausgrabungen beteiligt.

Lehrgrabung der Universität Bonn an der Odendorfer Oststraße. Fotos: © Gisela Hein

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • Daniela Jacobs: Auch Fußgänger ????? sollten beachtet werden!Wenn jeder nur ein bisschen, wäre vieles einfacher!
  • K. Schmidt: Die nächste Demo, gerade wenn sie sich an Familien richtet, sollte dann mal unter dem Motto stehen: "Fahrradhelme für alle!"

Kruft: Zwischen Dauerkritik und Tatendrang

  • Rolf Stern : Der Text wirkt weniger wie eine Einordnung, sondern eher wie der Versuch, berechtigte Kritik abzuwürgen. Gerade bei öffentlichen Geldern ist Nachfragen keine Dauerschleife, sondern demokratische Pflicht.
  • Andreas Lung: Liebe Frau Schumacher, Sie haben offensichtlich überhaupt nicht verstanden, worum es geht.
  • Thomas Sebastian Napp: Ich kann der Gemeinde zu dieser Aktion nur gratulieren. Vor allem den Bauhofmitarbeitern muss ich hier ein Lob aussprecheb. Gleichzeitig kann ich es nicht verstehen, dass eine große Naturfläche auf dem...
Dauerauftrag
Daueranzeige
Rund ums Haus
Innovatives rund um Andernach
Titel
Osterangebot
First Friday Anzeige März
Stellenanzeige
Anzeigenauftrag FMP-1P9L0-AD-351131
Imageanzeige - Ostern
Empfohlene Artikel
Pfarrer Dr. Arno-Lutz Henkel.  Foto:privat
17

Vom 01.-09. April wird die jüdische Pessach Woche begangen, die nahezu zeitgleich zusammenfällt mit der von den Christen begangene Kar- und Osterwoche. Durch Jesus bedingt hängen beide Festtraditionen, auch inhaltlich, miteinander zusammen.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: pixabay.com
465

Ich bin fast 75 Jahre alt. Seit meinem 17. Lebensjahr habe ich Hunde. Zwei dieser Hunde wurden von unangeleinten Hunden angefallen, und so schwer verletzt, dass sie nur durch hohe tierärztliche Kunst gerettet werden konnten. Beide hatten ihr Leben lang mit den Folgen zu kämpfen.

Weiterlesen

Andreas Bohn hat das Ehrenamt im Blut.  Foto: privat
247

Reifferscheid. In jeder Gemeinde gibt es Menschen, die im Hintergrund wirken, anpacken, zuhören und einfach da sind, wenn man sie braucht. In der Gemeinde Reifferscheid ist so ein Mensch Andreas Bohn. Seit vielen Jahren engagiert sich Andreas mit Herzblut für seine Heimat. Als stellvertretender Ortsbürgermeister und langjähriges Mitglied im Gemeinderat hat er Verantwortung übernommen und die Entwicklung des Dorfes aktiv mitgestaltet.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Ein LNG-Tank am LKW musste gekühlt werden.
173

Aufgrund eines beschädigten Gas-Kraftstofftanks mussten die Bergungsarbeiten unterbrochen werden

07.04.: LKW brennt vollständig aus - A3 über 9 Stunden vollständig gesperrt

Neustadt (Wied). Am 7. April 2026, gegen 15:30 Uhr, brach auf der Autobahn A3 bei Kilometer 54 in Fahrtrichtung Frankfurt am Main ein Feuer an einem Sattelauflieger aus. Zunächst fing die rumänische Zugmaschine Feuer, welches sich anschließend auf den belgischen Auflieger, der mit Stückgut beladen war, ausbreitete. Beide Fahrzeugteile brannten vollständig aus. Der Fahrer konnte das Fahrzeug rechtzeitig verlassen und blieb unverletzt.

Weiterlesen

Symbolbild.
1290

Aufgrund von Wartungsarbeiten muss´die Stromversorgung zeitweise eingestellt werden

Kein Strom in Sinzig-Westum und Löhndorf

Sinzig. Am Dienstag, 14. April, führt die Rhein-Ahr-AöR Arbeiten an der Wasserversorgung in Sinzig-Westum durch. Zur Sicherheit der Arbeiter muss dazu ein Mittelspannungskabel der Energienetze Mittelrhein (enm) zeitweise abgeschaltet werden.

Weiterlesen

Dauerauftrag 2026
Dauerauftrag
Kreishandwerkerschaft
Dauerauftrag Imageanzeige
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Kleinanzeigen
Innovatives rund um Andernach
Koblenz blüht
Schulze Klima -Image
Anlagenmechaniker
Ostergruß
fit für`s Alter?
Kreishandwerkerschaft - Anzeige Pool
Rund ums Haus
Rund ums Haus
Koblenz blüht // Frohe Ostern 2026
Osteraktion
Stellenanzeige Personalreferent/in