Allgemeine Berichte | 15.11.2017

AWO fordert Hilfe für Ein-Eltern-Familien

Armutsfalle Alleinerziehend

Bonn. Die Situation von Alleinerziehenden und ihren Kindern ist alarmierend. Alleine im Rhein-Sieg-Kreis und in Bonn sind mehr als 6000 Alleinerziehende auf Hartz IV angewiesen. Das sind mehr als 12,6 Prozent aller Bezieher. Mittlerweile lebt jede fünfte Familie in NRW in dieser Konstellation und 40 Prozent dieser Ein-Eltern-Familien sind auf Hartz IV angewiesen.

Die Gründe sind strukturell bedingt: Wer alleine für kleine Kinder sorgen muss, hat meistens nicht die Möglichkeit, Vollzeit zu arbeiten oder eine Ausbildung zu beenden. Und wer in Berufen mit unüblichen Arbeitszeiten tätig ist, steht ebenfalls vor dem großen Problem: Wer versorgt die Kinder, wenn ich arbeite? Teilzeitarbeit, Niedriglohn, Mini-Job – Das Einkommen von Alleinerziehenden reicht oft nicht aus und flexible Kinderbetreuung gibt es vielerorts nicht.

„Um Kinderarmut zu bekämpfen, müssen wir insbesondere Alleinerziehende stärken“ stellt Heinz-Willi Schäfer, Vorsitzender der AWO Bonn / Rhein-Sieg fest. Dabei beruft er sich auf das Positionspapier der AWO NRW zur Situation von Alleinerziehenden. Darin werden Probleme von Ein-Eltern-Familien verdeutlicht und konkrete Forderungen an die Politik formuliert:

Eine Kindergrundsicherung von monatlich 572 Euro, die alle sonstigen Leistungen wie Kindergeld, Unterhaltsvorschuss etc. zusammenfasst und am Einkommen der Eltern bemessen wird gehört ebenso dazu wie die Abschaffung des Ehegattensplittings und mehr.

„Alleinerziehende brauchen eine gute Berufsausbildung, auch in Teilzeit, und sichere Arbeitsplätze. Hier fordern wir mehr Unterstützung. Schlecht bezahlte Teilzeit- oder Minijobs reichen nicht aus, nicht für den Lebensunterhalt und erst recht nicht mit Blick auf die Rente, denn bei niedrigen Beiträgen fällt auch diese später entsprechend niedrig aus. Vielen droht dann die Altersarmut“ stellt Schäfer weiter fest.

Die Zahl der Alleinerziehenden steigt stetig. Lebens- und Familienkonzepte verändern sich, werden immer bunter und vielfältiger. Die Ausgestaltung von Chancengleichheit ist eine Aufgabe für eine moderne Arbeits-, Familien- und Gleichstellungspolitik.

Deshalb macht die AWO landesweit vom 13. bis 24. November 2017 unter dem Slogan „Super Mom oder Dad“ auf die Situation von Alleinerziehenden aufmerksam. Sie fordert die neu gewählte Landesregierung auf, im Rahmen der originären Gesetzgebungskompetenzen des Landes, wie auch durch dessen Mitwirkung an der Bundesgesetzgebung, Alleinerziehende aus der Armutsfalle zu holen.

Pressemitteilung des

Arbeiterwohlfahrt Kreisverbandes

Bonn/Rhein-Sieg

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