Allgemeine Berichte | 11.09.2025

Vortragsreihe der Deutschen Vulkanologischen Gesellschaft e.V.

Atlantis, die versunkene Inselwelt der Minoer?

Mendig. Atlantis, die versunkene Inselwelt der Minoer? Am Freitag, den 26. September 2025, um 19.00 Uhr, wird Dr. Ulrich Johann am F.X. Michels-Institut in Mendig einen Vortrag zu diesem Thema halten.

Die ikonischen Wandmalereien, die in der Ausgrabungsstätte bei Akrotiri auf Santorin (Thera), Griechenland, gefunden wurden, haben zu zahlreichen kontroversen Interpretationen im Kontext der minoischen Kultur geführt, die in der späten Bronzezeit im östlichen Mittelmeer blühte. Besonders die Lage der dargestellten Landschaften war bisher unbekannt oder nur spekulativ. Die Fresken blieben etwa 3600 Jahre lang unter Vulkanasche und Bimsstein konserviert, als Folge des kataklystischen minoischen Ausbruchs, der die Kultur auf der Insel auslöschte.

In der Endphase kollabierte der Zentralbereich der Insel, wodurch die große Caldera entstand, die heute vom Meer überflutet ist.

Das sogenannte Flottilla-Fresko, das als besterhaltenes Element gilt, wurde mit quantitativen perspektivischen Methoden untersucht, um die dargestellten Landschaften zu lokalisieren. Mit der neuen Methodik konnten zahlreiche Merkmale identifiziert und mit der noch existierenden Topographie des Caldera-Randes abgeglichen werden. Dies ermöglichte erstmals eine belastbare Lokalisierung und die Erstellung eines virtuellen 3D-Modells der versunkenen Caldera-Landschaft, das die komplexe vulkanologische Historie der Region berücksichtigt und in die heutige Topographie der Insel integriert wurde.

Das Modell wurde zudem experimentell auf die südliche Caldera-Region ausgeweitet, die auf den Fresken nicht zu sehen ist, aber anhand weiterer Fresken und im Vergleich zu ähnlichen Calderen weltweit modelliert werden konnte.

Die Analyse lieferte auch Hinweise für eine mögliche, wenn auch spekulative, inhaltliche Interpretation der dargestellten Szenen.

Eine anschließende detaillierte Textanalyse von Platons Atlantis-Legende ergab, dass nach Herausfiltern topographischer Informationen ein realistischer historischer Kern eine überraschend hohe Übereinstimmung mit dem unabhängig erstellten virtuellen Landschaftsmodell aufweist. Weitere Passagen in Platons Text sowie in früher griechischer Mythologie unterstreichen den enormen Einfluss der minoischen Eruption auf die Geschichte der Region. Besonders die Rolle der ausgedehnten Bimssteinfelder, die das Meer nach dem Ausbruch monatelang bedeckten, wird hervorgehoben und experimentell gestützt.

Der Vortrag von Dr. Johann findet im F.X. Michels-Institut, Brauerstraße 5, Mendig, statt. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erbeten. Weitere Informationen sind online unter www.vulkane.de verfügbar.

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