Grundschüler aus Moselweiß übergeben Unterschriften an den Koblenzer Oberbürgermeister
Auch Koblenz „tüt“ was
Koblenz. In Deutschland werden jede Minute 10.000 Plastiktüten verbraucht. Viele dieser Plastiktüten landen in unseren Flüssen und finden sich dann im Meer wieder. Als die Kinder der Grundschule Moselweiß hörten, dass es kontinentgroße Plastikwirbel im Meer gibt, beschlossen sie, dagegen etwas zu tun. Wer die Welt verändern möchte, muss klein anfangen. Die Kinder fingen da an, wo sie leben, in Koblenz. Zwei Jahre lang hatten sie Unterschriften gesammelt und nun war es endlich so weit. Die Umweltreporter der Grundschule Moselweiß übergaben zwei Riesenpacks mit Unterschriftenlisten an den Oberbürgermeister der Stadt Koblenz.
Im Jahr 2014 hatten sie mit der Aktion „Wechsel Stofftüte – Plastiktüte“ begonnen. Bei mehreren Aktionen - zwei in der Fußgängerzone der Löhrstraße und eine beim Moselweißer Weihnachtsmarkt - baten sie Erwachsene um ihre Unterschrift. Alle Aktionen fanden außerhalb der Schulzeit statt und das Engagement der Kinder war riesengroß.
„Wir hatten zwei Aktionen. Die eine war ganz einfach. Da haben wir die Menschen gefragt, ob sie auch möchten, dass Koblenz plastiktütenfrei wird“, erläuterte Laura. „Die meisten waren sehr nett und haben sofort unterschrieben.“ Jan, der bei den Aktionen in der Fußgängerzone dabei war, erzählte: „Viele haben uns auch gezeigt, dass sie schon Stofftüten dabei haben. Das fanden wir natürlich toll.“ Als Henning und Illi den Oberbürgermeister fragten, ob er auch möchte, dass Koblenz plastiktütenfrei wird, war dieser sofort bereit, die Petition zu zeichnen.
Stofftüte gegen Plastiktüte
Bei der zweiten Aktion suchten die Grundschulreporter nach Erwachsenen, die mit einer Plastiktüte durch die Fußgängerzone gingen. Sie fragten sie, ob sie zukünftig versuchen werden, sich in den Geschäften keine Plastiktüten mehr geben zu lassen. Wer bereit war, diese Petition zu unterschreiben, dem boten die Kinder eine Baumwolltasche im Tausch gegen die Plastiktüte an, eben Wechsel „Stofftüte gegen Plastiktüte“. Nachdem Paula und Liah dem OB diese Aktion erklärt hatten, fragten sie ihn: „Würden sie auch versuchen, sich in den Geschäften keine Plastiktüten mehr geben zu lassen?“ Der Oberbürgermeister hatte zunächst Bedenken, ob das zu schaffen sei, aber als klar wurde, dass damit nur die Tüten und nicht die Umverpackungen von Lebensmitteln gemeint sind, unterschrieb er die zweite Petition ebenfalls. Diese Unterschrift wurde mit einem großen Applaus belohnt und mit der Übergabe einer Stofftasche. „Sie dürfen sich eine von den beiden Taschen aussuchen“, boten Magnus und Artur an, „sie sind aus Bio-Baumwolle und wurden fair gehandelt.“
Für eine plastiktütenfreie Stadt
„Eigentlich wollten wir ja in die Bürgersprechstunde gehen, aber der OB hat uns einen Extratermin im Rathaus gegeben“, betonte Finley. „Er hat sich wirklich Zeit genommen und uns versprochen, dass er alles tun wird, um Koblenz plastiktütenfrei zu machen“, freute sich Julia.
Die Umweltreporter berichteten von ihren vielen Aktionen, die sie in den vergangen Jahren durchgeführt hatten. Mit beim Besuch im Rathaus waren auch drei ehemalige Reporter, die heute in die sechste bzw. siebte Klasse gehen. In der Vergangenheit hatten sich die Umweltreporter der Grundschule Moselweiß an den Florinslichtern beteiligt, führten zwei Interviews mit Gästen aus Japan und Fukushima durch, besuchten eine Solaranlage, interviewten Markus Mann, den Eigentümer der Ökostromfirma MannEnergie, hielten beim Maus-Türöffnertag eine Powerpoint Präsentation zum Thema Photovoltaik, nahmen an der größten Elektromobilitätsrallye der Welt als Juroren teil und beteiligten sich mit großem Erfolg am Solarbootcup. Oberbürgermeister Hofmann-Göttig lobte das große Engagement und die Fachkenntnis der Kinder. Und er erzählte, dass er sich gerade einen Twizzy gekauft hat, der zu 100 Prozent elektrisch fährt.
Jeder 100. Koblenzer war dafür
Insgesamt hatten die Umweltreporter 1232 Unterschriften gesammelt. Damit haben wenige Kinder bereits jeden hundertsten Koblenzer erreicht. Ein toller Erfolg! Jetzt liegt es an den Käufern, sich keine Plastiktüten mehr geben zu lassen, und es liegt an den Geschäften, mehr Geld für Plastiktüten zu verlangen. In Irland ging die Abgabe von Tüten von 328 Stück auf 16 Tüten im Jahr zurück, weil man dort mehr Geld dafür bezahlen muss. In Deutschland sind es noch über 70. Zu viel, finden die Kinder. Und Sie?
Die Kinder übergeben die von Ihnen selbst gestaltete und finanzierte Stofftasche an Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig.
Auch die Koblenzer Stadtspitze unterzeichnete die Unterschriftenlisten der Grundschüler aus Moselweiß. Fotos: privat
