Pfarrer Peter Dörrenbächer verlässt Bad Neuenahr
Auch das „Bodenpersonal“ weiß sich in Gottes Hand
Ein Blick zurück und nach vorn mit dem beliebten Seelsorger
Bad Neuenahr. Peter Dörrenbächer, seit 2001 Pfarrer in der Kreisstadt, verlässt die Gemeinde zum Jahresende. Ich bin mit ihm verabredet, um mit ihm eine kleine Bilanz zu ziehen nach 18 Jahren seelsorgerischen Wirkens. Und auch, um einen Blick nach vorn zu werfen, was an neuen Aufgaben auf ihn zukommt.
Im Pfarrbüro muss ich etwas warten, da ist ein vielbeschäftigter Mann mein Gesprächspartner. Als mich Peter Dörrenbächer in sein Büro bittet, sehe ich, dass eben auch eine Menge Papierkram zu den Aufgaben eines Seelsorgers gehört, der Schreibtisch liegt voller Akten. Ich bekomme eine Tasse Kaffee und beschließe, gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: „Herr Dörrenbächer, wir sind ein beide 1957 geboren, da darf ich Sie das fragen: Was bewegt einen Menschen dazu, mit 62 Jahren noch einmal einen Neuanfang zu wagen? In diesem Alter bereiten sich andere doch nur noch auf Rente oder Ruhestand vor.“
Vorbereitung auf einen Neustart statt auf den Ruhestand
Leichtes Stirnrunzeln auf der anderen Seite, langes Überlegen, dann die Antwort. Die eine Vorgeschichte hat. Die Beschlüsse der Synode, Großpfarreien zu bilden – auch, um die Seelsorger von Verwaltung zu entlasten, damit sie sich auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren können – fand Peter Dörrenbächer bei aller Kritik immer richtig. Als es nun darum ging, zum 1. Januar 2020 die ersten Pfarreien der neuen Art zu bilden, und der Bischof ihn fragte, ob er dafür nach Neuwied wechseln würde, wollte er sich nicht verschließen. Die erste Amtszeit ist auf sechs Jahre begrenzt, dann wäre er 68 und findet, das wäre dann vielleicht ein guter Zeitpunkt, ans Aufhören zu denken, denn er fühlt sich noch fit und voll Tatendrang. Freilich weiß er noch nicht so genau, was dort auf ihn zukommt. Denn das ist kein normaler Stellenwechsel. Er kennt zwar die anderen Mitglieder seines Führungsteams, aber wo er im Büro sitzen wird und wo er wohnen wird, das klärt sich gerade erst alles. Da kommt Pionierarbeit auf ihn zu, er muss erst die vier Pfarreiengemeinschaften kennenlernen, alle Seelsorger treffen, das ist schon ein Sprung ins kalte Wasser. Zumal die zu leistenden Aufgaben noch nicht bis ins Detail beschrieben sind, das Gesetz ist zwar in Kraft gesetzt, die Dekrete dazu befinden sich aber noch in der Anhörungsphase. Für ihn geht es deshalb am Anfang vor allem darum, Vertrauen aufzubauen, das sieht er als seine Hauptaufgabe zu Beginn. Besonders freut er sich auf die Arbeit im Team, als Pfarrer ist man sonst oft Einzelkämpfer. Das liegt ihm, da hat ihn die jahrzehntelange Jugendarbeit geprägt. Angst vor dieser Herkulesaufgabe hat er übrigens nicht, die Begründung leuchtet ein: „Die Aufgabe ist so groß, da kann man gar nicht scheitern.“
Fasziniert von persönlichen Entwicklungen
Was waren die Highlights seiner jahrzehntelangen Arbeit in Bad Neuenahr? Der Philosoph und Theologe antwortet bedächtig. Ein einzelnes Ereignis hervorzuheben fällt ihm schwer, dafür waren es zu viele. Und es wäre auch ungerecht, dem einen den Vorzug vor den anderen zu geben. Aber fasziniert war er von den persönlichen Entwicklungen, die er bei seinen „Schäfchen“ beobachten konnte. Wie sich Kinder zu Jugendlichen und von Jugendlichen zu Erwachsenen entwickelt haben, zu Persönlichkeiten reiften, die man über die ganze Zeit begleiten durfte, das hat ihn gefreut, erstaunt und beglückt. Darf man einen Mann Gottes fragen, ob es Momente gibt, in denen auch er zweifelt? Man darf, und die Antwort ist überraschend offen und ehrlich: Natürlich gibt es die, Glauben hat auch immer mit Ringen zu tun, aber das ist gut so, denn es hat reinigende Wirkung. Gerade in Phasen, wo man erschöpft ist, tut es allerdings auch gut zu wissen, dass es jemanden gibt, der über allen steht. Auch das „Bodenpersonal“ des lieben Gottes brauche jemanden, in dessen Hand es sich geborgen und behütet fühlt. Und manchmal würde es auch helfen, mehr Zeit zu haben, um beim Motorradfahren, wandern oder beim Sport abzuschalten.
Wir brechen auf, um in der angrenzenden Rosenkranzkirche ein Foto zu machen. Ich hatte Peter Dörrenbächer für das Motiv nach einem seiner Lieblingsplätze gefragt. Er hat das Taufbecken von St. Marien ausgewählt. Das war auf seinen Wunsch hin vor Zeiten aus einer eher unbeachteten Ecke der Kirche nach vorn versetzt worden, in den Eingangsbereich, in den Fokus der Gemeinde und des Gotteshauses. Auch das beweist, dieser Mann mag Veränderungen, wenn er sie für richtig hält. SCHÜ
