Der Vettelschoßer Ortsteil Kalenborn hatte zur 98. Marien-Kirmes an das Gemeindehaus eingeladen
Auch ohne Königswalzer war der Königsball der Höhepunkt
Vettelschoß-Kalenborn. Vier Tage lang feierte der Junggesellen- und Dorfverein Kalenborn um seinen Präsidenten Hendrik Eichhorn am Platz rund um das Gemeindehaus des Vettelschoßer Ortsteils an der Bernhardstraße zu Ehren der Schutzpatronin Maria. Begonnen hatte das Fest zwar mit dem Fassanstich durch Ortsbürgermeister Heinrich Freidel am Nachmittag des letzten Freitags im Wonnemonat Mai, der seinem Namen endlich alle Ehre machte. „Eingeweiht haben wir den Kirmesplatz aber schon gestern an Christ Himmelfahrt nach unserer Vatertagstour“, verriet Christian Fuchs, während der Ortschef fleißig Freibier ausschänkte. Nutznießer war unter anderem Sven Martin, der bereits Mitte März die Königswürde erworben hatte und dies nach 2012 bereist zum zweiten Mal. Hatte damals Felicitas an seiner Seite gestanden, so hieß die Glückliche dieses Jahr Belinda, auch wenn Fortuna der Kalenborner Königin nicht wirklich hold gewesen war, zwang eine Verletzung sie doch, Gehhilfe in Anspruch nehmen zu müssen.
Während sich einige der jüngsten Kirmesbesucher am Samstagnachmittag auf dem nostalgischen Karussell von 1956 mit alten Polizei- und Feuerwehrauto, einem schnittigen Cabriolet, einem Hanomag und zwei Vespas amüsierten, stärkten sich andere an der Spezialitätenbude mit Lebkuchenherzen, Liebesperlen, Popcorn oder gebrannten Mandeln, wenn nicht gar mit „Magenbrot“, um zielsicher Luftballons mit Dartpfeilen zum Zerplatzen zu bringen. Da suchten die Junggesellen des Ortes in vornehmes Schwarz gekleidet lieber den Schatten des Getränkestandes auf, um dort der Feuerwehr beim Löschen zu helfen. Tatkräftig unterstützt wurden sie dabei von den Brudervereinen, dem Junggesellenverein „Frohsinn“ 1920 Vettelschoß, den „Hönghüüdern“ 1624 aus Bruchhausen sowie dem Burschen- und Mädchenverein Hausen/Wied. „Komisch, dass die Frohsinnigen pinkfarbene Krawatten tragen. Genauso war doch der Stamm unseres Maibaums angestrichen“, sinnierte „Honi soit qui mal y pense“ Christian Fuchs, kurz bevor er mit Hendrik Eichhorn den Königszug antreten ließ, der zunächst die Bernhardstraße hinab über die „Schöne Aussicht“ einbog, um über den Oberwillscheider Weg und „Zu den Eichen“ zum Königshaus in der Waldstraße zu gelangen.
Vor dem hatte sich schon eine große Festgesellschaft versammelt, die geduldig darauf wartete, die jungen Majestäten mit ihren Ehrenpaaren, Sabrina Thiel und Tobias Kröll sowie Diana Kröll und Philipp Maur, feiern zu können. Das Königspaar zu sehen bekamen zunächst traditionell jedoch nur die Offiziere der Vereine, während ihre „Mannschaften“ vor dem Haus fürstlich bewirtet wurden. Abgesehen vom kühlen Nass wünschten sich die Junggesellen sehnlichst auch den von der bunt zusammengewürfelten Musikertruppe angestimmten kalten Wind als äußere Erfrischung herbei, der bekanntlich über die Höhen des Westerwaldes pfeift. Stattdessen sorgte auch am Abend immer noch strahlender Sonnenschein weiter für hochsommerliche Temperaturen.
In die tauchten die Majestäten mit ihren Ehrenpaare vor dem Königshaus ein , wo sie jubelnd begrüßt wurden. „Unser neues Königspaar, es lebe hoch!“, kommandierte Christin Fuchs, bevor Maik Homscheid und Thomas Teuner sowie die Fähnriche der Gastvereine zu Ehren des Königspaars die Fahnen schwenkten. Das stieg dann in ein offenes Cabriolet, um gefolgt von seinen Ehrenpaaren und dem übrigen Königszug in die Kalenborner Straße zum Landhaus Kagel zu ziehen, wo zu Ehren von Ingo Kagel, einem der Förderer des Vereins und Onkel des Königs , erneuert die Vereinsfahnen geschwenkt wurden. Dann ging es über die Kalenborner und die Bahnhof- und die Marienstraße, den Tannen- und den Buchfelderweg sowie die Kalenborner Straße zurück zum Gemeindehaus in der Bernhardstraße, wo die jungen Majestäten mit großem Hallo begrüßt wurden.
Erneut intonierten die Musiker den rheinischen Schwenkmarsch für die Fähnriche, bevor wie im Vorjahr erneut die Cover Rock-Band „Xtension“ die Regie übernahm. Dass sich am Sonntagmorgen die Sonne genau so strahlend präsentierte und wie am Kirmessamstag und damit die Temperaturen schon in aller Frühe in die Höhe trieb, kam einigen Besucher des Hochamtes so gar nicht zu pass, hatten doch etliche Kalenborner den Königsball bis in die frühen Morgenstunden genossen. Beim Fähndelschwenken zum traditionellen Frühschoppen waren dann aber doch wieder alle topfit, so weit dies die Hitze zuließ. Die ließ nicht nur einige kleine Kalenborner bei der Kinderanimation am frühen Nachmittag richtig ins Schwitzen kommen. „Ob sich bei dieser Hitze starke Kääls für das traditionelle ‚Sackschwaden‘ finden lassen müssen wir abwarten“, so Christian Fuchs. Schließlich hat dieses „Kampfspiel“ von der Linzer Höhe so gut wie nichts mit dem legendären rheinischen Klaav zu tun. Vielmehr schlagen die auf einem Balken sich gegenüber sitzenden Teilnehmer mit einem mit Stroh gefüllte Jutesack solange zum Gaudi der Zuschauer aufeinander ein, bis einer der beiden das Gleichgewicht - oder einfach nur die Lust getroffen zu werden – verliert, sodass er genug von dieser Unterhaltung mit schlagenden Argumenten hat und vom Balken fällt.
„Ab Montagmittag werden wir wie in Vorjahr im Ort zum Eiersammeln unterwegs sein, um unsere Beute dann als Eierkuchen ab 19.30 Uhr am Bierpavillon zu verspeisen“, so Hendrik Eichhorn. Gegen Mitternacht würden dann schaurige Trauergesänge durch Kalenborn hallen, mit denen die obligatorische Hinrichtung des Kirmesmanns in den Flammen begleitet wird, der aber 2018 aber zur 99. Marienkirmes des Ortes wie Phönix aus der Asche wieder emporsteigen wird. DL
